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Paradigmenwechsel bei Rückversicherern möglich

15.05.2014 – stefan-materne-150Stagnation der Nachfrage bei steigender Überkapazität. Erstversicherer und Finanzmarktteilnehmer treten vermehrt in den Rückversicherungsmarkt ein. Die Themen für Stefan Materne von der Forschungsstelle Rückversicherung am Institut für Versicherungswesen der Fachhochschule Köln sind vielfältig. Zum heutigen Rückversicherungssymposium erklärt er im Interview mit VWheute, welches die Kennzeichen des Risikotransfers 2.0 sind:

“Die Kapitalisierung des Rückversicherungsmarktes jagt von einem Rekord zum nächsten. Während 2011 die Gesamtkapitalisierung bei zirka 480 Milliarden Dollar erreicht war, sind wir 2013 bei zirka 530 Milliarden angekommen.”, verdeutlicht Stefan Materne die Marktsituation: “Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Kapitalmarktinvestoren spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Neben den traditionellen Möglichkeiten, Rückversicherungsschutz einzukaufen, ergänzen Cat Bonds oder Collateralized Capacities das Angebot – das Alternative Capital. Hier wird direkt in das Ausbleiben der Katastrophe, und nicht in die Branche investiert. Die hohen Attachment Points von Cat Bonds beispielsweise, die festgelegte Schadensumme, ab der es zur Auszahlung kommt, verdeutlichen den komplementären Charakter dieser Produkte. Zur Verdeutlichung: Das Ereignis ‚East Coast Hurricane‘ in 2005 war mit Cat Bonds in Höhe von 5,3 Milliarden Dollar abgesichert. Tatsächlich wurde aber trotz der immensen Schäden von Hurricane Catrina nur ein einzelner Bond mit der Haftungssumme von 190 Millionen Dollar getroffen. Eine direkte Konkurrenz zum traditionellen Rückversicherungsschutz stellen dagegen die Collaterized Capacities dar. Zusammen mit den Cat Bonds drücken diese besicherten Kapazitäten auf die Marge beim Platzierungswettbewerb, sowohl bei traditionellen Deckungen als auch im Bereich des Alternative Capitals.”

VWheute: Welche Rolle spielt das Alternative Capital und die dadurch zunehmende Risikotransfer-Kapazität?

Stefan Materne: Schon im traditionellen Rückversicherungsgeschäft herrscht Überkapazität, diese wird durch das Alternative Capital noch gesteigert. Andererseits verlief das Schadenjahr 2013 mit 45 Milliarden Dollar äußerst glimpflich gegenüber 2011 mit 129 Milliarden. Die dadurch seitens der Erst- und Rückversicherer erzielten Rekordgewinne wurden teilweise zum Ausbau der Selbstbehalte genutzt und wirkten sich natürlich auf eine reduzierte Nachfrage aus. Insbesondere auch das veränderte Rückversicherungseinkaufsverhalten gerade der größeren Versicherungskonzerne ließ die Nachfrage weiter sinken; so kursiert die Zahl, dass die Top-sechs-Versicherungsguppen ihr RV-Einkaufsvolumen um ca. 2,6 Milliarden reduzierten. Wenn nun Pensionsfonds mit ihrer finanziellen Ausstattung auf dem durch Niedrigzins gekennzeichneten Finanzmarkt aktiv werden, wird der Druck auf die Marge der Rückversicherungsbranche immens.

Pensionsfonds

(Klicken zum Vergrößern) Das theoretisch auf dem Kapitalmarkt vorhandene Kapital der Pensionsfonds. (Quelle: FH-Köln)

VWheute: Steht die Branche an einem Scheideweg wie beispielsweise Viktor Peignet, Schadenversicherungs-Chef von Scor, andeutet oder ergänzen sich die Angebote?

Stefan Materne: Ein Paradigmenwechsel ist möglich. Mehrere Schadenjahre hintereinander, Zinsänderungen und ein Ende der Geldflut von Staatsbanken könnten allerdings zum alten Bild des Rückversicherungsmarktes zurückführen. Alleine durch das Volumen von Pensionsfonds jedoch, das aktuell um 30 Billionen Dollar liegt, unter der Annahme, dass davon lediglich ein Prozent in alternatives Rückversicherungskapital investiert wird, wäre der Markt komplett gesättigt. Da glaube ich auch nicht, dass bei etwaigen Änderungen des Zinsniveaus das Prozent sofort wieder abgezogen würde. (ku)

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