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Open Innovations für die Versicherungsbranche

20.08.2014 – Innovation_KArin_Jung_pixelioIm Rahmen einer repräsentativen Umfrage des Center for Leading Innovation & Cooperation (Clic), einem Forschungszentrum der HHL Leipzig Graduate School of Management und der Versicherungsforen Leipzig, war die zentrale Erkenntnis, dass es der Versicherungswirtschaft an Innovationsfreude fehlt. Im Vergleich zu anderen Branchen wird schnell deutlich, dass die Assekuranz Nachholbedarf aufweist. Nur jedes zweite Versicherungsunternehmen verfügt über ein institutionalisiertes Innovationsmanagement, 41 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Innovationsziele in der Unternehmensstrategie verankert sind, eine konsequent gelebte Innovationskultur weist aber kaum ein Versicherer nach.

Zwar wird die Weiterentwicklung oder Verbesserung von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen häufig umgesetzt, grundlegende Neuentwicklungen, also radikale Innovationen, sind aber Mangelware. Kathrin M. Möslein, akademische Direktorin des Clic – „In der Versicherungswirtschaft liegen noch unangetastete Potentiale für Innovation und Wertschöpfung“ – und Thomas Zwack, Jacoby Zwack Unternehmensberatungen GmbH („Bei Innovationen trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen“), im Kurzinterview:

VWheute: Wer ist für Innovationen in den Unternehmen verantwortlich?

Thomas Zwack: Innovationen werden in aller Regel in den Strategien der Unternehmen festgeschrieben. Allerdings finden wir im Detail sehr unterschiedliche Ausprägungen in der Umsetzung. Es gibt Einzelkämpfer, Stabsstellen, Unternehmensbereiche und strategische Geschäftsentwicklungsbereiche. Es finden sich aber nur sehr wenige eigene Vorstandsressorts zum Beispiel für Produkte und Innovationen. Die Bannbreite in der Versicherungswirtschaft ist ausgesprochen groß. Allen gemein ist, dass die Innovationstätigkeit deutlich ausgeweitet werden sollte.

Kathrin Möslein: Bei den Ressourcen sehen wir gewaltige Unterschiede, das reicht von Innovationsexperten bis hin zu Anfängern. Gute Innovationsideen entwickeln gerade junge Unternehmen. Dort können etablierte Unternehmen sehr viel lernen. Das bedeutet die große Chance, heute zu entdecken, was morgen möglich ist. Ich betrachte es als sehr sinnvoll, wenn sich Firmen der unterschiedlichsten Branchen austauschen und dadurch einen erweiterten Blick erhalten. Was für kleine und junge Betriebe Selbstverständlichkeiten sind, betrachten Große oftmals als Bedrohung. Innovation ist kein Schlagwort und muss echt gelebt werden, um damit eine ganze Kultur zu prägen.

Die Forscher des Clic haben unter dem Stichwort “Open Innovationen” einen Lösungsansatz parat: Innovationsprozesse in Unternehmen laufen branchenübergreifend häufig sehr ähnlich ab. Die Öffnung dieser Prozesse für externe Einflüsse gewinnt momentan zunehmend an Bedeutung. Hier kommt das Konzept „Open Innovation“ zum Tragen. Stakeholder werden dabei nicht mehr nur noch als Empfänger einer neuen Idee, eines neuen Produktes gesehen, sondern erhalten die Möglichkeit, den Innovationsprozess aktiv mitzugestalten.

Während sich beim klassischen Innovationsprozess die Ideenfindung innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen abspielt und Ideen von Abteilungen wie Forschung & Entwicklung vorangetrieben werden, wird bei Open Innovation auf die Masse gesetzt. Denn manchmal reicht schon ein kleiner Anstoß von außen, um eine Idee sprichwörtliche ins Rollen zu bringen. In geschlossenen Strukturen ist dies schwieriger; feste Teams kreisen um die immer gleichen Ideen. Externe Akteure, die besonderes Wissen oder Kompetenzen besitzen, bereichern die Ideenentwicklung in so einem Fall nachhaltig.

Aus der Öffnung des Innovationsprozesses ergeben sich dabei zahlreiche Vorteile. Nicht nur bestehende Produkte und Services können optimiert werden, auch kürzere Innovationszyklen, Kostenreduktion im Entwicklungsprozess, Erhöhung der eigenen Innovationskraft, Erschließung neuer Märkte und Umsatzpotentiale sowie die Reduktion von marktlicher und technologischer Unsicherheit im Innovationsprozess sind mögliche Folgen. Für Unternehmen heißt Open Innovation dabei übrigens nicht, das geheimste interne Wissen preiszugeben. Es geht bei diesem Konzept viel mehr darum, sich bewusst zu machen, an welchen Stellen man sich öffnen will, um Veränderungen zuzulassen. (vwh)

Foto: Ein Rad greift ins andere – so generieren Unternehmen idealtypisch Innovation (Quelle: Karin Jung/ pixelio)

Link: Videointerview mit Karin M. Möslein und Thomas Zwack

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