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Neues Risiko unbemannte Luftfahrzeuge

25.08.2015 – Vollath_Munich_ReVon Barbara Vollath, Munich Re. Obgleich es sich bei Drohnen um ein originäres Luftfahrtrisiko handelt, wird Deckungsschutz gerade für kleinere Fluggeräte bis fünf Kilogramm teilweise innerhalb der Privathaftpflicht oder Gewerbehaftpflichtpolice angefragt. Es stellt sich die Frage: Wie groß ist das Exposure aus dem Betrieb und wie geht man auf der Deckungsseite damit um?

Aussagekräftige Schadendaten liegen bislang noch nicht vor. Die wenigen bisher bekannt gewordenen Schäden stammen aus dem Gebrauch von Modellflugzeugen in den USA und können nur Anhaltspunkte geben. Von den jährlich ungefähr 35 gemeldeten Schäden waren rund 20 Sachschäden und 15 Personenschäden.

Durch den Betrieb einer Drohne sind auch Großschadenszenarien denkbar: Das am häufigsten diskutierte Beispiel ist der Zusammenstoß mit einem Flugzeug. Die technische Reichweite von Flugmodellen geht heute weit über 500 Meter hinaus. Gerade in der Start- und Landephase kann eine Drohne eine realistische Bedrohung für den Flugverkehr darstellen. Vorstellbar ist auch, dass ein Kopter über der Autobahn abstürzt und eine Massenkarambolage verursacht. Drohnen beinhalten auch Terrorrisiken, zumal sie neue Möglichkeiten eröffnen, in sensible Industriekomplexe einzudringen oder in die Nähe von Menschenversammlungen gelenkt zu werden, um dort an einer verwundbaren Stelle eine Bombe zu zünden.

In Deutschland besteht für den Halter einer Drohne eine Gefährdungshaftung. Diese ist gesetzlich limitiert und orientiert sich an der Größe des Geräts. Daneben haften Halter und Betreiber im Rahmen der Delikthaftung gemäß § 823 ff BGB unbegrenzt. Soweit Deckung in der Privat- oder Betriebshaftpflichtpolice besteht, wären die Absturz- und Betriebsstörungsszenarien grundsätzlich umfasst.

Unbemannte Luftfahrzeuge stellen ein neues Risiko dar, dass nicht nur in der Privathaftpflicht- oder der Betriebshaftpflichtpolice zum Thema werden kann. Sie können auch die Exponierung in anderen Haftpflichtsparten im Einzelfall erweitern: Drohnennutzer können im Rahmen der Berufshaftpflicht in Anspruch genommen werden. Im Rahmen einer Cyberpolice könnte Deckung bestehen, wenn Hacker Systemfehler produzieren und eine fehlgeleitete Drohne für einen Einzelangriff oder gar als Instrument für einen terroristischen Akt einsetzen.

Im Bereich der privaten Nutzung trägt die heterogene Regulierungslandschaft zu einer erhöhten Exponierung bei, da vielen Benutzern nicht bewusst ist, wo die Grenzen der erlaubten Drohnennutzung liegen und die Vorgaben schlimmstenfalls nicht beachtet werden. Im gewerblichen Bereich führt die strenge Regulierung aktuell eher dazu, dass die Schadenfrequenz beherrschbar bleibt.

Anders dürfte es aber dann aussehen, wenn sich der Einsatz von Drohnen stark erhöht oder in der Zukunft auch vollautomatische Luftfahrzeuge eingesetzt werden. Im Moment wird hierfür noch keine Genehmigung erteilt. Sollte dies aber mittelfristig der Fall sein und sich auch die Reichweite der Geräte verändern, könnte dies zu einer starken Veränderung der Risikolandschaft führen, da die Geräte dann nicht mehr individuell durch einen geschulten Piloten überwacht würden.

Bild: Barbara Vollath, Referatsleiterin Casualty Vertrag bei Munich Re. (Bild: Munich Re)

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Ausführlicher Expert: “Mehr als nur ein Gadget. Unbemannte Luftfahrzeuge stellen Versicherer vor neue Risiken”, in VW 8/15 (Einzelbeitrag, 3,81 Euro)

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