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Neue Vermittler-Richtlinie soll Verbraucherschutz stärken

23.11.2015 – EuropaAm kommenden Dienstag wird das Europaparlament die neue Versicherungs-Vermittlerrichtlinie (IDD – Insurance Distribution Directive) verabschieden. Damit sollen die Verbraucher Versicherungsangebote künftig leichter vergleichen können. Dafür will der EU-Gesetzgeber nun strengere Vorschriften bei der Finanzberatung durchsetzen.

“Die Schäden durch Falschberatungen bei Finanz- und Versicherungsanlageprodukte belaufen sich allein in Deutschland Schätzungen zufolge auf 50 bis 100 Mrd. Euro pro Jahr”, kritisiert der SPD-Europaabgeordnete Peter Simon das bisherige Geschäftsgebahren. Daher müssten die Kunden künftig Anspruch auf eine kompetente Beratung haben, sagt der SPD-Finanzexperte.

Gerade im Renten- und Lebensversicherungsbereich sei es unglaublich lukrativ neue Verträge abzuschließen. Vermittler erhielten meist mehr als vier Prozent des Vertragswertes und dies könne auf die Laufzeit hochgerechnet schnell in die Hundertausende gehen. Das jetzt zwischen den EU-Institutionen ausgehandelte Regelwerk schließt ein Verbot von Provisionszahlungen bei Lebensversicherungen, wie es bereits in Großbritannien, den Niederlanden und mehreren nordischen Ländern gilt, jedoch auch in Zukunft nicht aus.

Gegner von Provision hatten ein reines Honorarsystem vorgeschlagen, bei dem die Kunden den Vermittler nach Aufwand honorieren. Ein Vermittler wird auch in Zukunft vom Versicherungsunternehmen für das er arbeitet, einen Anteil der vom Kunden entrichteten Prämie, als Vermittlungshonorar einstreichen können.

Der Verbraucherschutz wird in Zukunft dennoch gestärkt. Die IDD-Richtlinie schreibt fest, dass Provisionen keinen negativen Einfluss auf die Beratung haben dürfen. Der Versicherungskunde soll im Mittelpinkt stehen und nicht die Abschlussprämie des Vermittlers. Auf Druck des EU-Parlamentes sollen daher verbindliche Standards von der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa in Frankfurt am Main erarbeitet werden.

Diese müssen von der EU-Kommission dann von der EU-Kommission bestätigt und beschlossen werden. Schließlich obliegt es der deutschen Finanzaufsicht Bafin dafür sorgen, dass die der Kunde durch Provisionsabschöpfungen keinen finanziellen Schaden erleidet. Eine von vielen Verbraucherschützern geforderte automatische Offenlegung aller Vermittler-Provisionen wird es nicht geben. Der Vermittler muss jedoch offenlegen, von wem er in welcher Form bezahlt wird.

“Grundlegende Transparenzregeln, die für Investmentfonds und andere Anlageprodukte unter MiFID II bereits EU-Gesetz sind, sollten auch für Kapitallebensversicherungen gelten”, fordert der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold. Produkte, die direkt miteinander im Wettbewerb stehen, bräuchten faire und gleichmäßige Rahmenbedingungen.

Nach langen Verhandlungen sind in nunmehr in der IDD mit MiFID II vergleichbare Regeln an entscheidenden Stellen verankert worden. Das Europaparlament folgte dabei weitestgehend dem Petitum der Mitgliedsstaaten. Vermittler werden weiterhin Provisionen zugestanden, jedoch dürfen solche Zahlungen keinen negativen Einfluss auf die Beratung haben. Dieses Negativ-Kriterium erfasst ein breiteres Spektrum an möglichen negativen Einflüssen, die es noch zu definieren gilt.

“Damit legt das neue Regelwerk die Messlatte in diesem Punkt für Servicequalität höher als die MiFID II-Regulierung”, ergänzt Giegold. Außerdem erhalte die Europäische Kommission den Auftrag, durch einen sogenannten delegierten Rechtsakt Standards auszuarbeiten, wie negativer Einfluss der Provisionszahlungen auf die Beratungsqualität eingedämmt werden könne.

“Hier bewegen sich die neuen Regeln zur Versicherungsvermittlung im Gleichschritt mit den MiFID-Regeln. Auch bei der Offenlegung der Kosten eines Versicherungsprodukts gelang eine deutliche Annäherung an die MiFID II- Regeln. Alle Kosten und Gebühren, die mit dem Versicherungsprodukt zusammenhängen, müssen gegenüber dem Kunden offengelegt werden”, resümiert der Finanzexperte der Grünen im Europaparlament.

Darüber hinaus schreibt die neue IDD fest, dass künftig ein Standard-Informationsblatt zu Leistungen und Kosten von Versicherungsprodukten, höhere Ausbildungsanforderungen an die Vermittler von Versicherungsprodukten verlangt und dokumentiert werden müssen. Dies gilt für Vermittler sowie den Direktverkauf durch Versicherungsunternehmen als auch bei online-Abschlüssen gleichermaßen.

Ein weiterer zentraler Punkt der neuen Regelungen ist ein Verbot von “Cross-Selling” (z. B. Neuwagenkauf plus verpflichtender Abschluss Kfz-Versicherung in einem). Die neue Vermittler-Richtlinie soll voraussichtlich ab Ende 2017 EU-weit greifen. (taf)

Bildquelle: Schmuttel / pixelio.de

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