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Neubelebter Kalkulations-Mechanismus für die Lebensversicherung

29.09.2014 – ergo_loerper_150Wie die Lebensversicherungsbranche mit einer neuen Produktgeneration auf die vielfältig geänderten Rahmenbedingungen reagiert, stellt Johannes Lörper, Mitglied der Vorstände der Ergo Lebensversicherung AG, der Victoria Lebensversicherung AG und der DKV Deutsche Krankenversicherung AG, auf dem 2. DAV-Versicherungsrechtstag den versammelten Juristen dar.

„Lebensversicherung hat Zukunft“ lautete sein Eingangsstatement. Spätestens wenn 2031 die Babyboomer in Rente gehen, werde die gesetzliche Rente an ihre Grenzen kommen. Bereits 2015 werde der Beitrag auf 20,9 Prozent steigen, dazu kommen zusätzliche Belastungen durch die Mütterrente und die Rente mit 63. Dies führe dazu, dass die Wirkung des auf 67 Jahre erhöhten Renteneinstiegsalters verpuffen werde.

Eine zusätzliche private Vorsorge sei also notwendig. Dabei habe der Vorsorgewillige aktuell die Wahl zwischen klassischen Anlagen mit Zinssätzen um die null Prozent oder Anlagemodellen, die kaum jemand verstehen könne.

Wer sich deshalb für den Abschluss einer Lebensversicherung entscheidet, kann grundsätzlich zwischen einer Rente und einer Einmalzahlung wählen. In Zeiten hoher Zinsen bevorzugten die meisten Versicherungskunden die Einmalzahlung, schon deshalb, weil sie dann das Geld vererben konnten. Mittlerweile haben sich hier aber die Rahmenbedingungen gründlich geändert -  wer diesen Betrag dann selbst anlegen möchte, wird kaum Zinsen bekommen. Und wer dann noch das Glück hat, lange zu leben, muss damit rechnen, dass das Kapital womöglich vorzeitig aufgezehrt wird und er an seinem Lebensende Sozialhilfe beantragen muss.

Die Rentenversicherung dagegen wird umso lohnender, je niedriger die Kapitalmarktzinsen sind, hob Lörper hervor. Allerdings könnten die Versicherer auch hier einfach nicht so weitermachen wie bisher, sondern müssten sich darauf einstellen, dass das Leben nun mal keine Gerade ist und zunehmend unstete Lebensläufe neue Lösungen erfordern.

Auch die Lebensversicherungsbranche muss sich der Tatsache stellen, dass zehnjährige Staatsanleihen aktuell gerade einmal 0,9 Prozent Zinsertrag bringen und dadurch der Beitragsstock kaum mehr langfristig garantiert werden kann. Der Bestand weise zwar noch eine Durchschnittsrendite von 3,8 Prozent auf, aber bei Neuanlagen werde es schwierig. Selbst Industrieanlagen seien heute kaum mehr eine lohnende Alternative zu den festverzinslichen Anlagen – auch hier sei die Rendite so geschrumpft, dass das Risiko kaum mehr abdeckbar sei.

Lörper, der selbst Aktuar ist, zeigte auf, dass das bisherige Kalkulationsschema mit einer Mischung aus Kapitalmarktzins und Risikopuffer unter diesen veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr funktioniert. „Wir können  nur solche Garantien geben, die wir 1:1 am Kapitalmarkt wieder einwechseln können“ betonte er.

Deshalb habe man „versucht, das Innere dieses Mechanismus‘ neu zu bauen“ und abzugehen von dem Prinzip „Puffer hier … Puffer da…“. Stattdessen rechne man bei den neuen Hochrechnungsmodellen mit „vielen Zukünften“ und einer individuellen Zuweisung. Dabei werde den Kunden der mittlere Vertragswert sowie der Durchschnitt der jeweils zehn besten und schlechtesten Szenarien mitgeteilt.

Abschließend gab Lörper noch einen kleinen Überblick über das Lebensversicherungs-Rettungsgesetz und seinen „unglaublich langen Vorlauf“ seit 2007. Die aktuelle Fassung, die Anfang August in Kraft getreten ist, enge durch die Anpassung der Mindestzuführung den Spielraum ein und die Ausschüttungssperre mache die Lebensversicherung für Investoren unattraktiv. Allerdings sei die letztere bei Gewinnabführungsverträgen ohnehin hinfällig und auch bei der Erhöhung der Mindestzuführung gebe es Verrechnungsmöglichkeiten zwischen den Ergebnisquellen.

Bild: Ergo-Vorstand Lörper. (Quelle: Ergo)

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