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Miteinander gegeneinander: Banken und Versicherer

17.11.2014 – SchachBanken und Versicherer, das ist klar, spielen auf dem gleichen Brett – miteinander gegeneinander. Bislang konnten Versicherer sich im Vergleich zu den Banken als Stablitätsfaktoren positionieren. Eine trendwendige Expertise der Deutschen Bundesbank dreht den Spieß in Sachen Krisenanfälligkeit um.

Unter der Überschrift „Untersuchungen zur Bedeutung der Versicherungswirtschaft für die Finanzstabilität“ werden die von den Versicherern ausgehenden „Ansteckungseffekte“ für eine Stabilitätsgefährdung der Kreditbranche aus den engen „Wechselwirkungen zwischen Versicherern und Finanzmärkten“ in der Untersuchung aufgereiht.

„Werden Versicherungen die neuen Banken?“, lautete fast zeitgleich aber die Überschrift im Wall Street Journal. „Im Schatten der Bankenkrise und der Diskussionen um Beschränkungen bei der Kreditvergabe positionieren sich zunehmend Versicherungen mit Bankfunktionen.“

Immobilienfinanzierungen gehören bei den Versicherungskonzernen inzwischen zum wachsenden Bestandteil der Produktportfolios. Auch die angestrebte vermehrte Finanzierung von Infrastrukturprojekten
wird argwöhnisch von Bankenseite betrachtet. Jürgen Fitschen, Vorstandschef der Deutschen Bank und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, kritisierte dies öffentlich gar als Eindringen in die Kerngeschäfte der Banken.

Als besonderes Ärgernis dabei wird hervorgehoben, dass die Versicherer regulatorisch bevorteilt seien und insofern kein „Fair-Playing-Field“ herrsche, da Banken mit der Refinanzierung im Sinne eines nachhaltigen Liquiditätshorizonts nach den Kriterien von asel III verhältnismäßig größere Probleme haben.

Die Versicherer allerdings werden von solcher Expansion nicht ablassen, denn sie sind infolge des Zinstiefs im Anlagenotstand. Dies freilich gilt aber auch umgekehrt. Die Banken werden in Deutschland nicht nur als bloßer Vertriebskanal für Versicherungen an Bedeutung zunehmen, sondern auch mit eigenen Vorsorgeprogrammen und Produkten Leerräume füllen, die eine geschwächte Lebensversicherung lässt – begünstigt noch durch die Tatsache, dass Bankprodukte differenzierter und flexibler den nichtlinearen Lebensläufen in der modernen Gesellschaft Rechnung tragen können.

Eine neue Schiene kooperativer Verhältnisse zwischen Versicherern und Banken könnte sich auf dem Gebiet der betrieblichen Altersversorgung entwickeln. Hier muss nun aber die vereinte Lobbymacht der beiden Branchen ran. Denn die jüngsten Vorschläge von Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) schmecken weder Banken noch Versicherern.

So sehr sich die Geschäftsfelder in der komplexen Beziehungskiste zwischen Banken und Versicherern – letztere sind immerhin auch die größten Kunden der Banken – durchmischen, eines hat die Versicherungslobby in zähem Kampf mit Erfolg abwenden können – das Zusammenwerfen der Aufsicht beider Branchen bei der Bundesbank. (hkm/ku)

Bildquelle: Getty Images

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