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Meister: ZZR ist für einen Teil der Branche Selbstmord

27.03.2015 – meister_utrecht_lieDie Methodik der Zinszusatzreserve (ZZR) gefährdet nach Einschätzung von Dietmar Meister die Existenz der Lebensversicherung. “Wenn man die ZZR so durchzieht wie derzeit, ist das Selbstmord für einen Teil der Branche“, sagte der Vorstandschef des deutschen Generali-Konzerns am Donnerstag vor der Presse. Er plädiert für eine zeitliche Streckung der Belastung.

“Die ZZR bringt die Lebensversicherer in die Bredrouille, ihre stillen Reserven zu versilbern und sich für lange Zeit in niedrig verzinsten Anlagen einzuloggen. Ist das gut aus Verbrauchersicht?”, so Meister weiter.

Finanzvorstand Torsten Utecht fordert, dass die “Zinszusatzreserve nur aus dem laufenden Rohüberschuss finanziert wird, der nicht gestützt werden muss durch zusätzliche Abgangsgewinne”. Konkret: Sie soll aus dem laufenden Kapitalergebnis, den Risiko- und Kostenergebnissen sowie perspektivisch auch einer niedrigen Überschussbeteiligung und Dividende an den Aktionär finanziert werden.

“Eine charmante Idee” wäre es, so Utecht, wenn die ZZR an die “Transitionals” von Solvency II – also die Übergangsregelung für vorhandene Bestände zur Unterstützung des sukzessiven Übergangs auf das neue Eigenkapitalregime – anknüpften. Damit würden die Belastungen für die Lebensversicherer aus den Garantieversprechen aus den Zeiten mit höheren Kapitalmarktzinsen über 16 Jahre zu strecken sein.

Für die Lebensversicherungsverträge mit klassischen Höchstrechnungszinsen über 3,25 Prozent hatten die Konzerngesellschaften (Aachen Münchener, Cosmos, Generali und Dialog) der Zinszusatzreserve 2014 rund 950 Mio. Euro zugeführt. Für 2015 wird mit über einer Mrd. Euro gerechnet. Der durchschnittliche Garantiezins im Bestand der Generali liegt auf dem Branchenniveau von 3,07 Prozent (vor ZZR).

Zur Finanzierung wurden Abgangsgewinne über 802 Mio. Euro (722 Mio.) realisiert. Das Kapitalanlageergebnis betrug damit fast unverändert 3,71 Mrd. Euro. Die laufende Durchschnittsverzinsung erreichte 3,5 Prozent, die Nettoverzinsung infolge des “Versilberns” 4,7 Prozent. Kehrseite der Medaille war die Neu- und Wiederanlage von 27,2 Mrd. Euro (2013: 19,5 Mrd.) mit einer durchschnittlichen Wiederanlagerendite von 2,9 Prozent “bei sehr konservativer Anlage”, so Utecht. 2014 mussten über 20 Prozent der Kapitalanlagen von 85 Mrd. Euro neu angelegt werden. Werde die ZZR weiter über Abgangsgewinne dargestellt, sei das Portfolio in fünf bis sechs Jahren komplett umgedreht.

“Das ist kontraproduktiv und ein paradoxer Effekt. Durch die hohen Aufwendungen für die Zinszusatzreserve werden viele Unternehmen gezwungen, höherverzinsliche Kapitalanlagen zu veräußern, die benötigt werden, um die Verpflichtungen gegenüber dem Versicherungsnehmer zu erfüllen. Zudem wird die voraussichtliche Kapitalausstattung im neuen Aufsichtsregime Solvency II durch die Zinszusatzreserve in der aktuellen Ausgestaltung belastet, was nicht im Sinne von Gesetzgeber und Aufsicht ist”, sagte Utecht. (lie)

Bild: Dietmar Meister (links) und Torsten Utecht (rechts) (Quelle: Monika Lier)

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