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Marktentwicklung in der Vollversicherung

04.09.2014 – debeka_weber_150Bilanziert von Roland Weber, Vorstandsmitglied der Debeka.

Die öffentliche Debatte um die Private Krankenversicherung ist abgeebbt. Keine Horrormeldungen über massive Beitragsanpassungen, keine Skandalisierung von Einzelfällen, bei denen wichtige Leistungen verweigert würden. Stattdessen meldet Assekurata eine moderate Beitragsentwicklung (Erhöhungen zwischen 0,9 und 1,3 Prozent in 2014), die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, dass die PKV für die Ärzte unverzichtbar sei – und Karl Lauterbach wartet ab.

Schwarz-Rot hat sich auf eine reformfreie Periode für die PKV verständigt und die Branche scheint die Ruhephase zu nutzen. Mit Einführung der Unisex-Produkte wurde ein Mindestleistungskatalog umgesetzt und die Billigtarife verschwanden nahezu vollständig vom Markt. Dass damit die PKV weniger attraktiv für geringer verdienende Selbständige wurde und die Zahl der Vollversicherten leicht abnimmt, ist für diese Qualitätsverbesserung in Kauf zu nehmen.

In der Pflege hat sich die PKV mit der Pflegeberatung Compass, dem medizinischen Dienst Medicproof, dem Zentrum für Qualität in der Pflege und einem Pflegeportal als Player im Bereich der Versorgung positioniert.

Nach dem Produkt-Relaunch sollte die PKV jetzt auch in der eigentlichen Krankenversicherung stärker in die Qualität der Versorgung investieren. Dies kann und sollte auch nur gemeinsam mit der Ärzteschaft geschehen. Effiziente und hochwertige Privatmedizin als budgetfreie Zone, verbunden mit einer modernen Gebührenordnung, ist der Gegenentwurf zur staatlichen Einheitsmedizin.

In den vergangenen Jahren wurden weniger Überschussmittel zur Limitierung von Beitragsanpassungen benötigt. Die RfB ist dadurch branchenweit stark angewachsen.
Jetzt sollten diese Mittel verwendet werden, um (auch ohne reguläre Beitragsanpassung) für eine Übergangsphase den Rechnungszins im Versichertenbestand möglichst beitragsneutral abzusenken. Hierfür sind geeignete Verfahren mit allen Stakeholdern zu entwickeln.

Eine große Baustelle bleibt. Wenn ein Versicherer den Pflege-Bahr nicht einführt, weil er mit Solvency II nicht kompatibel sei und andere anmerken, eine Verbesserung der Sozialfunktion des Standardtarifs sei mit dem konzerneigenen Risikomanagement nicht zu machen, muss man sich erneut fragen, ob der Gesetzgeber gut beraten war, die Vollversicherung 1994 zu deregulieren. Und man muss dafür kämpfen, dass finanzmathematische Modelle den gesunden Menschenverstand, Fachwissen und unternehmerische Initiative nicht ersetzen.

Die Privaten Krankenversicherer müssen alles tun, um die politische Akzeptanz der Vollversicherung zu stärken. Denn aufgrund des im internationalen Vergleich hohen Leistungsniveaus der GKV ist die Konzentration auf Zusatzversicherungen keine Alternative. Um bei einem theoretischen Rückzug aus der Vollversicherung die Beitragsumsätze auch nur auszugleichen, müsste man mehr Zusatzversicherungen zusätzlich verkaufen, als Deutschland Einwohner hat. Und die Hoffnungen, mit der betrieblichen Krankenversicherung eine tragfähige neue Säule zu etablieren, haben sich bisher noch nicht erfüllt.

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