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Makler sollten Betrieb in GmbH umwandeln

02.03.2015 – MichaelisImmer mehr freie Vermittler müssen sich aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters fragen, was mit ihrem Lebenswerk geschieht und in wessen Hände sie insbesondere ihre Bestände übergeben. Damit verbunden sind unzählige rechtliche Fragen zu klären.

Das wurde auch den rund 600 Maklern bewusst, die zur Jahrestagung für den Versicherungsvertrieb nach Hamburg gekommen waren. Eingeladen hatte Stephan Michaelis, Kopf einer der profiliertesten deutschen Rechtsanwalts-Kanzleien für Versicherungsrecht in der Freien und Hansestadt.

Eine seiner viel beachteten Thesen lautete: „Für den Versicherungsmakler ist es aufgrund der Zulassungspflicht nach §34 Gewerbeordnung erheblich schwieriger geworden, einen Unternehmensnachfolger zu finden“, unterstrich Michaelis. Der Rechtsexperte betonte auch, dass vor allem Fragen der künftigen Kundenbetreuung sowie der Übergang des Rechtsanspruchs auf den Erwerber vorab geklärt werden müssten, ebenso die Kontinuität in der Firmenführung. Eine besondere Bedeutung komme der Werthaltigkeit der Bestände beim Übergang zu. Dazu zähle für den Erwerber die Sicherstellung einer weiterhin haftungsfreien Betreuung des Kunden, um auch künftig die Betreuungscourtage für gute Dienstleistungen beanspruchen zu können. Dies sei aber nur gegeben, wenn Risikoveränderungen oder Verbesserungen des Versicherungsschutzes dem Kunden stets kommuniziert und in einem qualifizierten Beratungsprotokoll festgehalten wurden. Sonst könnte man nur den Rat geben, „die Finger von solchen Beständen zu lassen“.

Bei größeren Beständen gehe dies nur im Rahmen automatisierter Verfahren an einen selektierbaren Kundenkreis. Hinzu komme, dass der kaufende Makler sämtliche Berechtigungen, auch datenrechtlicher Art, besitzen müsste, um den Kunden weiterhin adäquat betreuen zu dürfen. Ein guter Maklervertrag und eine passende Datenschutzerklärung sollten von vornherein die Bestimmung enthalten, dass eine Übertragung auf einen Rechtsnachfolger zulässig sei. Letztlich müsste sich der Käufer auch durch eine glasklare Klausel vor einer möglichen Bestandsumdeckung durch den Veräußerer schützen.

Michaelis kommt zu einer bemerkenswerten Schlussfolgerung: „Der Bestandsverkauf, wie ihn ältere Makler noch kennen, könnte künftig nicht mehr durchgeführt werden. Vor allem für die Vielzahl an Einzelunternehmern in der Rechtsform einer Personengesellschaft gebe es erschwerende rechtliche Hürden. Deshalb empfiehlt er – das zog sich wie ein roter Faden durch seinen Vortrag – die rechtzeitige Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft, zum Beispiel in eine GmbH. Eine Veräußerung sei dann unproblematischer, weil nur die Geschäftsanteile abzugeben und ggf. ein neuer Geschäftsführer zu bestellen seien. In diesem Fall sei auch die Zulassung nach §34 nicht gefährdet. Es bedürfe lediglich eines formalen Akts der notariellen Beurkundung. Nicht einmal die Courtagezusagen sowie die Zustimmung aus dem Kundenbestand seien erforderlich.

Michaelis gab den Maklern den Rat mit auf den Weg, generell darüber nachzudenken, einen Rechtsformwechsel schon aus pragmatischen Gründen heraus frühzeitig zu überlegen, um das eigene Maklerunternehmen auf ein tragfähiges Fundament zu stellen. Das sei auch aufgrund erbrechtlicher Fragen eine Überlegung wert. Unternehmensanteile könnten sowohl aus Gründen der Vererbbarkeit als auch aufgrund gesetzlicher Regelungen problemlos vollzogen werden. Die GmbH-Form vereinfache auf jeden Fall den Generationenwechsel. (wo)

BIld: Stephan Michaelis, Rechtsanwalt. (Quelle: Kanzlei Michaelis)

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