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Luftfahrtversicherung: “Das Gros der Schäden liegt im Selbstbehalt der Erstversicherer”

11.07.2014 – SiebertEin, zwei weitere Fälle in ähnlichem finanziellen Umfang wie der Fall der vermissten Maschine MH 370 bräuchte es, damit es im jetzigen Umfeld auf dem Markt für Luftversicherer zu einer Trendumkehr komme. Die Raten stehen unter Druck, der Trend wird sich, so Reiner Siebert, Mitglied des Vorstandes der Delvag Luftfahrtversicherungs-AG, im exklusiven Interview mit VWheute weiter verschärfen.

“Die Einschätzung hat sich nicht verändert, der Fall MH 370 wird sich voraussichtlich nicht auf den Markt auswirken.” Reiner Siebert bekräftigt die Analyse aus dem aktuellen Geschäftsbericht. Er geht von einem weiter weichen Markt aus, der aber ausreichend Kapazitäten gar für neue Marktteilnehmer bietet.

VWheute: Wie entwickelt sich der Markt für Versicherer konkret? Welches sind die aktuellen Trends?

Reiner Siebert: Bedingt durch unvermindert hohe und weiter steigende Marktkapazitäten stehen die Raten auch weiterhin unter Druck. Im Airline-Segment ist auch für dieses Jahr eine zweistellige Reduzierung zu erwarten. Auf der anderen Seite hat der Markt bereits in 2013, nach zuvor zwei positiv verlaufenen Jahren, als Ganzes in diesem Segment Geld verloren. Lediglich die Underwriter, die etwa Asiana in diesem Jahr nicht gezeichnet hatten, verblieben im positiven Bereich. Nach der zweistelligen Ratenreduktion zum Jahresende 2013 sieht es für den Markt noch schlechter aus. Insbesondere auch, weil MH 370 höher als AAR 214 reserviert wurde. Es ist somit absehbar, dass sich dieser Trend für 2015 noch verschärfen wird.

VWheute: Wie wirken sich die schwierigen Bedingungen auf dem Airline-Primärmarkt auf die Versicherer aus?

Siebert: Das Gros der Schäden liegt derzeit im Selbstbehalt der Erstversicherer, der Rückversicherungsmarkt ist relativ wenig betroffen. Daher stehen auch dort die Raten unter Druck. Die Erstversicherer können ihre Schutzdeckungen günstiger einkaufen – müssen aber diesen Vorteil größtenteils an ihre Kunden weitergeben.


VWheute: Wo legen Sie den Fokus?

Siebert: Im Airline-Segment ist die Delvag sehr umsichtig unterwegs. Unser Fokus liegt hier primär auf dem Erhalt unserer Bestandskunden. Andere Segmente, wie beispielsweise die Kasko-Franchiseversicherung haben weniger Kapazität, weil es sich um eine sehr spezielle Art der Versicherung handelt und hierfür sehr viel Know-how notwendig ist. In diesem Segment sind wir seit Jahren erfolgreich unterwegs und unser Ziel ist es hier das Geschäft vorsichtig auszubauen. Im Produktbereich stehen die Raten etwas weniger unter Druck. Im General Aviation Bereich sehen wir aber ähnliche Trends wie im Airline-Segment, daher konzentrieren wir uns auch hier vornehmlich auf unsere Bestandskunden.

VWheute: Gibt es Risiken in der Luftfahrt, die schlicht nicht versicherbar sind?

Siebert: Generell ist ein Risiko nicht versicherbar, wenn ein Versicherer die Wahrscheinlichkeit eines Schadens und somit eine Risikoprämie nicht ermitteln kann. Es gibt Stimmen, die sagen, dass das Risiko eines Terroranschlages nicht versicherbar ist – es gibt aber genug Märkte, die nicht so denken und entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stellen. Die Delvag ist in diesem Bereich nicht aktiv. (ku)

Foto: Reiner Siebert sieht für den Luftversicherungsmarkt keine Entspannung. (Quelle: Delvag)

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