Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Stiller Kulturwandel in deutschen Unternehmen

13.08.2015 – joerg_schmidt_iwDie zunehmende Globalisierung der wirtschaftlichen Prozesse und vor allem die gesellschaftlichen Veränderungen durch den demografischen Wandel wirken sich zunehmend auch auf die Personalstrukturen der Unternehmen aus. Insbesondere die Zuwanderung und ihre aktuellen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft bewirken auch in den deutschen Unternehmen eine zunehmend heterogene Personalstruktur.

Vor allem Begriffe wie “Diversity” und “Vielfalt” sind in der betrieblichen Personalarbeit immer häufiger zu hören, konstatiert Jörg Schmidt, Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes wies bereits 2013 jeder fünfte Erwerbstätige einen Migrationshintergrund auf. Dabei war mit 2,8 Mio. die nominal größte Anzahl der Menschen mit Migrationshintergrund im Wirtschaftsbereich der “sonstigen Dienstleistungen” tätig.

Viele Unternehmen stehen dadurch vor der Herasuforderung, wie sie mit der kulturellen Vielfalt umgehen und wie sie diese im Rahmen ihrer Personalmpolitik “aktiv” managen wollen. Laut einer IW-Studie aus dem Jahr 2013 setzen mit rund 52 Prozent aller Unternehmen bereits mindestens eine Diversity-Maßnahme um. Allerdings scheint auch die Größe der Unternehmen bei der Vielfalt der Maßnahmen eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen.

Demnach sind bereits 83 Prozent der Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten auf diesem Gebiet bereits vielfach tätig. Bei mittleren Unternehmen mit 50 bis zu 250 Beschäftigten sind es 69 Prozent, bei kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern sind es noch 49 Prozent.

Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen zudem, dass mit der zunehmenden kulturellen Vielfalt neben den Chancen auch Herausforderungen verbunden sind. Einerseits kann ein negativer Zusammenhang zwischen Diversity und dem Erfolg der Arbeitsgruppen damit begründet werden, dass Mitarbeiter mit gleichem kulturellen Hintergrund häufiger ein engeres Zusammenhörigkeitsgefühl aufweisen, was zu Kommunikationsproblemen oder gar Konflikten mit anderen Teammitgliedern führen kann.

Andererseits weisen kulturell heterogene Teams ein größeres Potenzial an Informationen, Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven auf. Dies wirke sich positiv auf die Entscheidungsfindung, die Fähigkeiten zur Problemlösung, die Kreativität und die Innovationsfähigkeit aus, betont Schmidt. Demnach sehen rund 62 Prozent der Unternehmen in der Diversity eher eine Stimulation von Innovationen.

Inwieweit sich in der betrieblichen Praxis mit dem Diversity-Management oder speziellen Diversity-Maßnahmen tatsächlich ein Mehrwert für Unternehmen verbinden lässt, ist für den IW-Experten hingegen nur schwer zu beantworten. Bisherige Untersuchungen haben ergeben, dass eine aktive Förderung der kulturellen Diversität selbst dann noch eine höhere Innovationsleistung bewirkt, wenn zusätzlich verschiedene Merkmale der Mitarbeiterstruktur, wie der Anteil der Akademiker, und Unternehmensmerkmale, wie die Unternehmensgröße, in die Auswertung einbezogen werden.

“Insgesamt besteht weiterer Forschungsbedarf, um den Zusammenhang von Diversität auf unternehmens- und teambezogene Erfolgskriterien näher zu beleuchten”, erklärt Schmidt. (vwh/td)

Bild: Jörg Schmidt ist als Senior Economist im Kompetenzfeld “Arbeitsmarkt und Arbeitswelt” am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) tätig. (Quelle: IW)

bestellen_vwh

Expert: Stille Revolution durch kulturelle Diversität, in VW 8/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten