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Kunstdeckungen: Mitunter spekulativ wie Satellitenstarts

26.08.2015 – FlowersVon VWheute-Korrespondent Philipp Thomas.

Bei der All Risk Kunstversicherung gibt es tatsächlich Deckungslücken. Nicht für jeden Schaden muss der Kunstversicherer aufkommen. Grundsätzlich keine Haftung besteht einerseits für Allmählichkeitsschäden, andererseits für Schäden während einer Restauration.

Für Dirk Heinrich, bei Axa Art für das Deutschlandgeschäft zuständig, stellt sich zunächst die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Schaden handelt. Reicht eine Reinigung des Bildes, muss dafür der Versicherer nicht aufkommen. Nur bei einem tatsächlichen Sachschaden ist die prinzipielle Ersatzpflicht des Versicherers klar, bei einem Schönheitsschaden eher zweifelhaft.

Typischerweise werden in den Bedingungsklauseln ausgeschlossen Krieg, Vorsatz des Versicherungsnehmers oder seiner rechtlichen Vertreter, Allmählichkeit und böswillige Beschädigung. Auch mögliche Obliegenheitsverletzungen gehören in diese Prüfstufe.

Die Kunstversicherung ist ähnlich wie die Luftfahrtversicherung eine Abspaltung der Transportversicherung. Von der Transportwarenversicherung hat sie Ausschlüsse für „gradual deterioration / wear & tear / inherent defects“ übernommen. Nicht gedeckt sind somit die allmähliche Verschlechterung (z.B. eines UV Strahlung ausgesetzten Fotos oder die Craquelurung von Ölfarbe.

Ist andererseits aber ein Werk für einige Monate an ein Museum ausgeliehen und hängt es dort während der temporären Ausstellung in einem zu hellem Raum, so ist die eintretende Verschlechterung ersatzpflichtig. Gleiches gilt, wenn das sich für kurze Zeit in einem allzu feuchten von einem Dritten betriebenen Lagerhaus befindliche Werk dort Schaden nimmt.

Kunstpolicen enthalten überdies auch noch eine „process clause“, d.h. sie schließen eine mögliche Verarbeitung des Werks vom Deckungsumfang aus. Hierunter fallen sowohl die Änderng der Rahmung als auch die alle paar Dekaden erforderliche Restaurierung und Neu-Firnissen der Bildoberfläche.

„Arbeiten am Werk durch einen Restaurierer sind grundsätzlich von der All Risk Police ausgeschlossen. Der Eigentümer ist gut beraten wenn er sich vor der Vergabe an den Restaurator vergewissert ob dieser eine ausreichende Berufshaftpflichtpolice unterhält, unter der im Ernstfall Ersatz zu erlangen ist. Andererseits bieten wir auch unter unseren Privatkundenpolicen eine vom Betrag her eingeschränkte Deckungserweiterung, die auch Handlungen durch einen Restaurator oder Rahmer umfasst”, erklärt Petra Eibel, die bei Uniqa für Kunstversicherungen zuständig ist.

Im Fall höherer Deckungssummen hinsichtlich von Spitzenwerken müsse auch noch ein detaillierter Restaurierungsplan vorgelegt und dessen anschließende Einhaltung überwacht werden. „Aber im Grunde bewegen wir uns in einem hoch riskanten und spekulativen Bereich, ähnlich der Deckungen von Satelittenstarts. Dabei gilt es insbesondere das Risiko einer grob fahrlässigen oder gar vorsätzlich-kollusiven Beschädigung des Kunstwerks gering zu halten”, sagt der Kölner Versicherungsmakler und Kunstexperte Stephan Zilkens.

Bild: Restauratoren werfen einen Blick auf das jüngst in Taiwan zerstörte Werk von Paolo Porpora. (Quelle: 圖片由主辦單位提供)

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