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“Kunden wollen Planbarkeit und Nachhaltigkeit”

14.04.2015 – achim_hillgrafKunden verlangen von ihrer Industrieversicherung vor allem “Planbarkeit und Nachhaltigkeit”, sagt Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter von FM Global in Deutschland. Die Versicherer sollten demnach nicht nur standardisierte Leistungen anbieten, sondern dem Kunden auch einen “Mehrwert an die Hand geben”, sagte er im Interview mit VWheute.

VWheute: Worin bestehen für Industrieversicherer zur Zeit die größten Herausforderungen?

Achim Hillgraf: Die größte Herausforderung besteht für Industrieversicherer darin, sich als Erstversicherer durch ihre Produkte als Dienstleister zu positionieren, die für ihre Kunden einen zusätzlichen Wert generieren. Das heißt, der Versicherer sollte nicht nur standardisierte, ersetzbare Leistungen anbieten, sondern seinen Kunden vielmehr einen Mehrwert an die Hand geben.

Eine weitere Herausforderung für Industrieversicherer liegt im Bereich der Versicherung von Naturgefahren: Hier geht es vor allem darum, in der Lage zu sein, die Gefährdung durch Naturgefahren im Vorfeld zu antizipieren und richtig zu quantifizieren, um den Kunden über seine potenziellen Risiken aufklären und ihm entsprechende Deckungsstrecken anbieten zu können. Und am wichtigsten: Bereits im Vorfeld, vor dem möglichen Eintritt von Naturgefahren, gilt es, Hilfestellungen zu geben, um mögliche finanzielle Folgen zu minimieren.

Hier setzt das so genannte Risk Engineering an, ein Ansatz, den wir bei FM Global seit 180 Jahren verfolgen. Wir agieren nicht nur als reiner Versicherer im Schadenfall, sondern setzen aktiv auf Prävention, indem unsere Risikoingenieure in Zusammenarbeit mit den Kunden individuelle Konzepte zur Schadenverhütung entwickeln und umsetzen.

VWheute: Wie lässt sich die Marktlage beschreiben, wo liegen die größten Gefahren?

Achim Hillgraf: Der Markt hat sich auf einem niedrigen Niveau konsolidiert. Die Angebotsseite ist nach wie vor von mehr als ausreichenden Kapazitäten geprägt. Schäden durch Naturkatastrophen liegen im zweijährigen Vergleichszeitraum unter dem statistischen Durchschnitt. Was natürlich nicht heißt, dass die Versicherer entspannte Jahre hatten. Der Versicherungsmarkt ist heute genauso global wie die Märkte der Unternehmen, die wir versichern. FM Globals Combined Ratio lag im letzten Jahr bei 79 Prozent, doch andere Versicherer haben mit deutlich höheren Schaden-Kosten-Quoten zu kämpfen. Sofern sich das statistische Mittel der Naturkatastrophenschäden in den kommenden Jahren wiederum einstellt, werden die Margen dieser Versicherer zukünftig noch mehr unter Druck geraten.

VWheute: Welche Bedürfnisse, welche Bedarfe signalisiert die Kundschaft?

Achim Hillgraf: Die Kunden wollen Planbarkeit und Nachhaltigkeit in ihrer Versicherungsdeckung, die ihnen ihre Industrieversicherung zur Verfügung stellt. Sie möchten Stabilität, sowohl bei den Preisen als auch bei den Deckungen. Sie haben Bedarf an Produkten und -dienstleistungen, die über die reine Versicherung hinausgehen. Mit diesem Bedürfnis steigt auch das Interesse an Risk Management, d.h. an proaktiver Schadenverhütung.

Diese Entwicklung begrüßen wir sehr. Den Unternehmen wird bewusster, dass sie zunehmend global agieren und dadurch auch verwundbarer geworden sind. Sie müssen holistisch denken und alle Eventualitäten abwägen. Schadenvorsorge ist ein probates Mittel, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und gegebenenfalls sogar auszubauen.

Ist ein Unternehmen für das Eintreten einer Überschwemmung gewappnet, beispielsweise durch technische Maßnahmen wie Fluttore, kann es den Betrieb schneller wieder aufnehmen als ein Konkurrent, der im selben Gebiet angesiedelt, aber dessen Betrieb durch das Hochwasser wochenlang unterbrochen ist.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter von FM Global in Deutschland (Quelle: FM Global Deutschland)

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