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Krisenmanager nach Terroranschlag im Großeinsatz

23.03.2016 – Terrorexperte Rolf Tophoven sieht die “perfide Strategie, Großstädte an mehreren Punkten anzugreifen und sie damit zu lähmen” aufgehen. Tote, Verletzte und erhebliche wirtschaftliche Schäden sind nach den Anschlägen in Brüssel zu beklagen. Der Londoner Dienstleister Red 24 arbeitet mit Versicherern wie AGCS und Ace zusammen, Krisenberater Christopher Schramm erläutert die Protokolle, die unmittelbar nach den Anschlägen in Gang gesetzt wurden.

“Containment” – Eindämmung – lautet die Überschrift für das Krisenmanagement in der aktuellen Phase direkt nach den Terroranschlägen. “In so einer Lage ist es zuerst wichtig, die eigenen Kunden zu identifizieren, die davon betroffen sein könnten. Hier gilt die “Immediate Response” – die unmittelbare Unterstützung vor Ort, falls das möglich und erforderlich wäre”, erläutert er. Die Leitungen liefen gestern heiß bei Red 24. “Parallel gilt es immer, das Lagebild zu entwickeln und eine entsprechende Warnung an die Kunden zu geben. Der Leitgedanke hierzu lautet: Ein Anschlag kommt selten allein. Dies hat sich auch in Brüssel leider wieder bewahrheitet.” Und das muss der Krisenexperte “mit eigenem Monitoring leisten”, zu einem Zeitpunkt, als der deutsche Innenminister Thomas De Maizere noch nicht wusste, wie die Lage abschließend zu bewerten ist. “Wir sind noch mitten in der Lage”, erklärte dieser der versammelten Journalistenschar.

Zu den wirtschaftlichen Schäden des Anschlages mitten ins europäische Herz gibt es nur Anhaltspunkte: Der Flughafen und die Metro sind massiv beschädigt worden. Audi hat sämtliche Bänder in der Brüsseler Produktion gestoppt. Der Hafen von Antwerpen stand komplett still und auch der Eurotunnel wurde dicht gemacht. Die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Flughäfen und Bahnhöfen wurden erhöht, sämtliche Verbindungen nach Belgien zunächst gekappt. Die Märkte gaben nach, Hauptverlierer waren zunächst die Lufthansa, deren Aktie um bis zu vier Prozent nachgab und die Touristikkonzerne Tui und Thomas Cook.

Erste kritische Stimmen wurden laut, dass die Sicherheitsstufe in Belgien nach der Verhaftung von Salah Abdeslam nicht erhöht worden war. Der mutmaßliche Drahtzieher der Attentate von Paris am 13. November 2015 war vor drei Tagen festgenommen worden. “Ich kann das Verhalten der belgischen Behörden nicht nachvollziehen. Aus dem islamistischen Milieu wurde ja mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht”, kritisierte Joachim Krause, Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, im Interview mit dem Nachrichtenportal tagesschau.de. “Belgien ist eine der größten europäischen Brutstätten für islamistische Kämpfer”, stellt der Experte fest.

Staatlicher belgischer Versichererpool TRIP haftet bis einer Mrd. Euro

“Dieses Muster kennen wir von Mumbai 2008, wir kennen es seit dem letzten November aus Paris, also eine perfekt koordinierte, auch kommunikativ abgefederte, gesteuerte, gezielte Aktion gleichzeitig an mehreren Plätzen”, sagte Rolf Tophoven, Leiter des Instituts für Krisenprävention, im Deutschlandfunk.

Lloyd’s hat das Schadensszenario von Mumbai, als Terroristen das Taj Mahal Hotel stürmten und dabei mindestens 164 Menschen töteten, umrissen: Banken, Börse und weitere finanzwirtschaftliche Einrichtungen blieben damals für Tage geschlossen, die Übernachtungsraten fielen im Anschluss um bis zu 25 Prozent. Den wirtschaftlichen Gesamtschaden gibt Lloyd’s mit 100 Mrd. Dollar an, davon versichert: 111 Mio. Dollar. Ob Versicherer in Brüssel lediglich mit einer Quote 0,1 Prozent rechnen, wird sich zeigen.

Für welche Summen der Versicherungspool TRIP, der belgische Terrorism Reinsurance and Insurance Pool, im Zusammenhang mit den jüngsten Attentaten aufkommen muss, kann noch nicht abgesehen werden. Laut Statuten haftet der Zusammenschluss belgischer Versicherer und Rückversicherer zusammen mit der Regierung bis maximal eine Mrd. Euro pro Jahr. Versicherer und Rückversicherer decken 700 Mio. Euro, 300 Mio. kommen vom Staat.

Krisenmanager wie Red 24 haben für ihre Kunden Szenarien implementiert und helfen bei der Erhöhung der Sicherheitsprotokolle. Die Nachfrage nach den Dienstleistungen hat nach Paris deutlich zugenommen. Krisenberater Christopher Schramm gibt beispielhaft Einblick in die Maßnahmen, die je nach individueller Risikolage greifen:

  • Einberufung des Notfallstabes
  • Information / Sensibilisierung der eigenen Mitarbeiter
  • Vorbereiten der eigenen Prozesse / Infrastruktur auf einen Großschaden
  • Identifikation des Schlüsselpersonals und Sicherstellung von dessen Arbeitsfähigkeit
  • Beurlaubung aller “non essential” Arbeitsplätze

“Das Schadensszenario ist hierbei – für alle offensichtlich – der Anschlag auf “Maxi Casualty – Soft Targets” – auf unschuldige Menschen in Massenansammlungen”, stellt Schramm fest. “Ziel des islamistischen Terrors in Europa ist der Massenanfall von Toten und Verwundeten – nicht primär der gezielte Anschlag auf Unternehmen oder Personen. Alle Örtlichkeiten mit hohem Besucheraufkommen stehen im Fokus.”

Das sieht auch Rolf Tophoven so. “Offensichtlich versiegen die Quellen der Terroristen nicht”, sagt er zu den aktuellen Bemühungen, die Waffenarsenale der Attentäter aufzubringen. (ku)

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