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Krankenzusatzversicherung: Gesättigter Markt mit Reglementierungsbedarf

15.07.2015 – Grabka_DIW“Im Interesse der Patienten wäre es erwägenswert, über eine stärkere Reglementierung der Zusatzversicherungen und IGEL-Leistungen nachzudenken”, stellt Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW fest. Er sieht Deutschland auf dem Weg zu einer Drei-Klassen-Medizin. Außerdem konstatiert er, dass Zusatzversicherte häufiger beim Arzt sind.

Markus Grabka wertet dies als “Anzeichen für Moral Hazard bei denjenigen, die eine private Zusatzversicherung haben, insbesondere bei Zahnzusatzversicherungen”, sagt er gegenüber VWheute im Nachgang einer Veranstaltung in Berlin. “Hier sehen wir – auch unter Kontrolle von anderen soziodemographischer Variablen – dass diese sowohl eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Arztbesuch in den letzten drei Monaten haben, als auch eine höhere Kontaktfrequenz.”

Sein Befund: Der Anteil der GKV-Versicherten mit einer privaten Krankenzusatzversicherung hat sich seit 2000 von neun auf 22 Prozent mehr als verdoppelt. In absoluten Zahlen hat das sozioökonomische Panel des DIW hier 24 Mio. Zusatzversicherungen festgestellt. Insbesondere Zahntarife seien im Zuge wiederholter Leistungseinschränkungen gefragt.

Zusatzversicherung

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Struktur der GKV-Versicherten mit Zusatzversicherungen nach Art der Zusatzversicherung. (Quelle: SOEP)

Trotzdem fürchtet Grabka mittel- bis langfristig Versorgungsdefizite insbesondere bei zahnärztlicher Versorgung und Pflege, “da die Verbreitung der Zusatzversicherung mit der Höhe der Haushaltseinkommens korreliert.”

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(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Struktur der GKV-Versicherten mit Zusatzversicherungen nach Haushaltseinkommen. (Quelle: SOEP)

“Besonders problematisch halte ich die Entwicklung im Bereich der Pflegeversicherung, da die Gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teilkaskoschutz bietet, und diejenigen, die es sich leisten können sich mit einer privaten Zusatzversicherung den fehlenden Schutz einkaufen können.”

Dass aber ein rückgängiges Geschäft mit der Vollversicherung komplett durch den Verkauf von Zusatzversicherungen ersetzt werden könnte, sieht Grabka indes nicht. Auch wenn Interesse an alternativen Heilmethoden, Zahnersatz, Vorsorge und Pflegeversicherung besteht, sieht er mit der OECD Gesundheitsstatistik den Markt eher gesättigt.

Sogenannte “Out-of-Pocket” Ausgaben sind von 2007-2012 in Deutschland leicht zurückgegangen, monatliche Ausgaben für Zusatzversicherungen gar zurückgegangen. (ku)

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(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Höhe der monatlichen Beiträge in der Krankenzusatzversicherung. (Quelle: SOEP)

Bild: Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Quelle: DIW)

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