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“Königsklasse ist das Chip-Implantat”

16.10.2015 – thomas_eckert_telekomDie Kfz-Versicherer werden durch die autonomen Fahrzeuge “wieder zum Umdenken bzw. Neudenken aufgefordert”, sagt Thomas Eckert von der Telekom. Allerdings sind noch viele technische, sicherheitskritische und auch rechtliche Fragen zu klären. “Das selbstfahrende Auto wird Realität”, prognostiziert der Experte im Interview mit VWheute.

VWheute: Autonomes Fahren bietet Potenziale und Chancen, aber auch Grenzen und Risiken. Wo sehen Sie als IT-Fachmann die derzeitigen Markttrends?

Thomas Eckert: Digitalisierung und Internet der Dinge sind derzeit die großen generellen Trends, und das in allen Branchen. Speziell Versicherungen müssen sich mit dem digitalen Auto, dem digitalen Menschen und auch dem digitalen Zuhause intensiv auseinandersetzten. Die Königsklasse beim digitalen Menschen wird irgendwann ein Chip-Implantat sein, das persönliche Daten zu Gesundheit oder Fitness verarbeitet und die möglicherweise auch für Krankenkassen relevant sein können. In der Autobranche wiederum steht das autonom fahrende Auto für den höchsten Grad der Digitalisierung.

Viele technische, sicherheitskritische und auch rechtliche Fragen müssen hier zwar noch geklärt werden. Aber: das selbstfahrende Auto wird Realität und es wird mit seiner Umwelt vielfältig kommunizieren. Beispielsweise kann ich schon heute unterwegs im Auto die Lichter oder die Heizung in einem vernetzten Haus steuern – über eine Fahrzeug-App. Oder ein Paketzusteller nutzt den Auto-Kofferraum als Briefkasten, verschafft sich also über eine App Zugang zu Privateigentum. Die Beispiele zeigen: Software wird eine immer wichtigere Rolle übernehmen und entscheidet letztendlich mit über den Geschäftserfolg.

VWheute: In der Versicherungsbranche sind autonome Fahrzeuge derzeit ein zentrales Zukunftsthema. Wo sehen Sie die Chancen für die Kfz-Versicherer?

Thomas Eckert: Durch autonome Fahrzeuge werden die Kfz-Versicherer wieder zum Umdenken bzw. Neudenken aufgefordert. Denn hierdurch verlagert sich die Verantwortung für das Fahren und damit auch die Risiken beim Fahren auf das autonome Fahrzeug. Sicher ist, dass autonomes Fahren insgesamt sicherer sein wird, jedoch vermutlich nicht völlig unfallfrei. Wer ist nun für den Schaden verantwortlich, den ein autonomes Fahrzeug verschuldet hat? Der Besitzer oder der Fahrzeughersteller? Was ist, wenn ein Fahrer selbst einen Unfall verursacht, in einer Situation, in der das Auto hätte autonom fahren können und der Unfall somit vielleicht hätte vermieden werden können?

Auf diese Fragen müssen Fahrzeughersteller, Versicherer und auch die Nutzer, die ein Recht auf den Schutz ihrer Daten haben, noch Antworten finden. Dass die Digitalisierung Kfz-Versicherern auch viele Chancen bietet, zeigt das Thema Pay-as-you-Drive. Durch die Vernetzung des Autos können ganz neue Versicherungsangebote auf die Versicherungsnehmer zugeschnitten werden. Wenn wir davon ausgehen, dass das autonome Fahren insgesamt zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führt, hoffe ich, dass es auch hier mehr Chancen als Risiken gibt.

VWheute: Der Datenschutz spielt natürlich auch hier eine nicht unwesentliche Rolle, auch angesichts des jüngsten Safe-Harbor-Urteils des EuGH. Welche Rolle wird der Datenschutz hier künftig einnehmen?

Thomas Eckert: Datenschutz ist gerade nach dem EuGH-Urteil ein sehr umfangreiches, zentrales und wichtiges Thema, welches mit dem Grad der Digitalisierung und der Automatisierung weiter an Bedeutung gewinnt. Man kann überspitzt sagen, dass wir heute in einer Welt der Extreme liegen: Auf der einen Seite werden alle neuen Themen, bei denen Datenschutz eine Rolle spielt, verteufelt. Auf der anderen Seite geben viele Nutzer bereitwillig alle persönlichen Daten und Informationen auf Facebook und Co. preis.

Die Wahrheit liegt aus meiner Sicht in der Mitte. Hierzu sind Transparenz und Einfachheit für den Nutzer der Schlüssel zum Erfolg, um fundierte Entscheidungen selbst treffen zu können. Als Telekommunikationsunternehmen haben wir bereits viel unternommen, um den Datenverkehr für unsere Kunden sicherer zu machen. Wir haben schon frühzeitig ein “Internet der kurzen Wege” gefordert, durch das beim Transport von Daten der direkte Weg vom Absender zum Empfänger gewährleistet wird. In unseren Netzen haben wir das bereits umgesetzt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Thomas Eckert, Leiter Vertriebsentwicklung Industrial Solutions der Telekom Deutschland GmbH, referiert heute auf dem MCC-Fachforum “Mobilität, Telematik & Fahrerassistenzsysteme” über Wege zum automatisierten, pilotierten und autonomen Fahren.

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