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Kleine Gegenseitigkeitsversicherer im Angesicht von Solvency II

05.06.2014 – KoestlinKleine Gegenseitigkeitsversicherer fürchten, dass sie ihre Apparate wegen Solvency II unnötig aufblähen müssen. Die Herausforderung: „Es geht nicht um die Anforderungen für das Eigenkapital. Die meisten unserer 165 Mitglieder sind sehr gut kapitalisiert“, erklärt Monika Köstlin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbandes der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG).

Solvabilitätsquoten von 300 Prozent und mehr sind die Regel und nicht die Ausnahme: „17 unserer Mitglieder liegen über der magischen Grenze von fünf Millionen Euro Prämienaufkommen. Für diese Vereine sollen laut Solvency II ebenfalls Regeln wie beispielsweise die verschärften Anforderungen an das Berichtwesen und die Einrichtung der sogenannten Governance-Funktionen gelten.“ Als Beispiel führt Köstlin den Kieler Rückversicherungsverein a.G. auf, bei dem sie zusammen mit ihren Kollegen Klaus Angresius und dem ehrenamtlichen Vorstandskollegen Horst Jungjohann den Vorstand bildet: „Darüber hinaus gibt es genau sechs Mitarbeiter – mitunter in Teilzeit. Die Vorschrift eng ausgelegt würde für kleine Versicherungsunternehmen bedeuten, dass zum 1.1.2016 eine Abteilungsleiterstufe mit bis zu vier zusätzlichen Stellen zwischengeschaltet werden müsste, um den Anforderungen an das Governance System formell gerecht zu werden.“ Es gibt allerdings einen Ausweg. Unter dem Stichwort der „Proportionalität“ sind Vereinfachungen und Erleichterungen möglich: „Diesen Platzhalter für Vereinfachungen gilt es mit Leben zu füllen, was sich in ersten Gesprächen mit der Aufsicht erfolgsversprechend darstellt. Dabei ist uns aber klar, dass auch vereinfachte Lösungsansätze dem individuellen Risikoprofil des jeweiligen Versicherungsunternehmens Rechnung tragen müssen.“

In einer Arbeitsgruppe unter anderem mit Professor Dietmar Pfeifer von der Uni Oldenburg und dem GDV erarbeitet der Verband der Versicherungsvereine a.G. e.V. konkrete Vorschläge. Die Gegenseitigkeitsversicherer treffen sich aktuell in Nizza zum Amice-Kongress. Dort will sich Monika Köstlin im internationalen Expertenkreis zum Thema austauschen, um dann in Brüssel und bei der Bafin weiter Lobbyarbeit zu leisten. Auch größere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit wie beispielsweise die Gothaer werden bei der Umsetzung von Solvency II in Teilbereichen versuchen, für sich ebenfalls die Proportionalität geltend zu machen: „Es leuchtet ein, dass größere Versicherungsvereine aber schon mit ganz anderen Voraussetzungen arbeiten, dennoch aber auch deutliche Unterschiede zu den Marktriesen aufweisen.“

Bei Monolinern wie beispielsweise Hagelversicherern mache ein Quartalsbericht beispielsweise wenig Sinn: „Drei von vier Berichten blieben im Prinzip leer, da es in der Regel nur in den Sommermonaten wesentliche Hagelereignisse gibt.“

Selbstverständlich unterstütze man das Kernziel von Solvency II, die Verbesserung des Schutzes vom Versicherungsnehmer. Gerade deshalb sei es wichtig, dass durch Solvency II das Geschäftsmodell des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit mit den vielen Vorteilen für seine Mitglieder (=Kunden) nicht ins Wanken gerät. Für die ganz Kleinen sei bereits die Institutionalisierung des Beschwerdemanagements kaum zu leisten: „Hier ruft der Kunde den Vorstand direkt an und klärt seine Frage so meist unmittelbar.“

165 Gegenseitigkeitsversicherer sind beim Verband der Versicherungsvereine Mitglied. Einige zeichnen jährlich Prämien von nicht mehr als 10.000 Euro. Um 130 Mitglieder liegen unter einem Beitragsaufkommen von 500.000 Euro. „Es geht hier auch um die Bewahrung einer Idee und um die Traditionspflege“, gibt Köstlin Auskunft über die Ziele des VVaG. „Viele Vereine arbeiten ehrenamtlich. Ein Modell, das heutzutage verständlicherweise kein Selbstläufer mehr ist.“

„In 20 Jahren wird sich der Marktanteil der Versicherungsvereine verdoppelt haben“, hat vor zwei Jahren, beim letzten Amice-Kongress, der damalige Präsident Asmo Kalpala gesagt. Monika Köstlin erscheint die Prognose gewagt: „Wenn wir die Vorteile für den Kunden noch besser kommunizieren können, bin ich zuversichtlich, dass wir unseren Einfluss vergrößern können. Doch auch ein gutes Geschäftsmodell vermarktet sich nicht von alleine.“ (ku)

Foto: Monika Köstlin ist für Verband der Versicherungen auf Gegenseitigkeit heute beim Amice-Kongress in Nizza (Quelle: VVaG)

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