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Beiträge für Problemkunden um 30 Prozent erhöhen

25.02.2015 – MorawetzDie Verluste der Kfz-Versicherer belaufen sich derzeit auf bis zu 30 Prozent, sagt Marco Morawetz, Leiter der Gen Re Consulting Non-Life in Köln. Um diese auszugleichen, müssten v.a. die Prämien für Problemkunden entsprechend erhöht werden. VWheute-Korrespondent Uwe Schmidt-Kasparek sprach mit ihm anlässlich der 12. BF21-Jahrestagung “Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus” über die aktuellen Probleme in der Kfz-Versicherung.

VWheute: Herr Morawetz, derzeit ist die Ertragslage der Autoversicherung in Deutschland “sehr gut”. Trotzdem hat die Gen Re Problemsegmente ausgemacht. Welche sind das?

Marco Morawetz: In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind das beispielsweise ältere Nutzer über 75 Jahre, junge Nutzer unter 20 Jahre, Rentner und Pensionäre sowie Vielfahrer mit mehr als 30 Kilometer Fahrleistung pro Jahr. In der Vollkaskoversicherung sind ebenfalls junge Fahrer betroffen, die den Führerschein ohne begleitendes Fahren gemacht haben. Außerdem Kunden mit Gebrauchtwagen, die über 20.000 Euro wert sind oder Neuwagen, die über 50.000 Euro kosten sowie Versicherte, die beliebige Nutzer für ihre Fahrzeuge zugelassen haben. Auch Rabattschutz ist problematisch. Weitere Segmente können Versicherer unserer detaillierten Analyse entnehmen. Betroffen sind nach unserer Einschätzung eigentlich alle Kfz-Versicherer in Deutschland.

VWheute: Diese Nutzer und Kunden zahlen somit keine ausreichende Prämie. Wie hoch ist der Verlust? Was ist beim Rabattschutz problematisch?

Marco Morawetz: Die Verluste belaufen sich auf bis zu 30 Prozent. Was gerade in der Vollkasko besonders problematisch ist, weil sich die Einbußen hier besonders schnell realisieren. In der Autohaftpflicht passiert dies auch, aber mit einer gewissen Zeitverzögerung. Kunden, die einen Rabattschutz abschließen, haben im Vergleich zu allen Versicherten höhere Schadenaufwendungen, so unsere Analyse. Zudem werden sie, wegen der fehlenden Rückstufung der Rabattklasse, nach einem Schaden jahrelang besser gestellt. Beide Effekte sind aktuell in den von den Versicherern erhobenen Zuschlägen für den Rabattschutz nicht berücksichtigt.

VWheute: Was raten Sie den Kfz-Versicherern, um diese Problembereiche in den Griff zu bekommen?

Marco Morawetz: Unabhängig von der Ertragslage sollten die Versicherungsunternehmen ihre Tarifmodelle überprüfen. In den von uns ermittelten Segmenten müssten die Beiträge um bis zu 30 Prozent erhöht werden. Eine solche Sanierung kann natürlich zu Kundenverlusten führen. Doch nach unserer Meinung ist dies ein notwendiger Preis für eine saubere und nachhaltige Kalkulation.

Bild: Marco Morawetz (Quelle: Gen Re Consulting Non-Life)

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