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Kfz-Versicherer müssen Individualtarife und Tagespolicen umsetzen

03.12.2014 – Nachtweh_Software_AGJulian Nachtweh, Vice President Sales Operations & Strategy bei der Software AG, fordert ein radikales Umdenken gerade im Bereich der Kfz-Versicherung. Den meisten Unternehmen, erklärt er im exklusiven Interview mit VWheute, fehle es an Konzepten, die umfangreichen Datenbestände zu nutzen. Sein Vorschlag: kontextbasierte Versicherungspolicen.

VWheute: Sie bringen die Vollkasko-Tagesversicherung ins Spiel. Was braucht ein Versicherer bei einem derartigen zukunftsträchtigen Modell der kontextbasierten Versicherung an Infrastruktur, Software und Personal, um derartige Policen erfolgreich anbieten zu können?

Julian Nachtweh: Versicherungen müssen radikal umdenken: Alle Kunden pauschal für eine Mindestlaufzeit von einem Jahr zu versichern, genügt in Zukunft nicht mehr. Versicherungen müssen ihre Geschäftsmodelle erweitern und ihre Portfolios um individuelle Tages- und Kurzzeitpolicen im Privatkundensegment ergänzen. Das ist eine strategische Entscheidung, die den meisten Assekuranzen schwerfällt. Zudem müssen die Mitarbeiter der Versicherungstechnik unter der Berücksichtigung einer Kombination von bestehenden Kundendaten, veränderten Risikofaktoren und kommerziellen Aspekten neue Produkte und Tarife entwickeln, die zu der Unternehmensstrategie passen. Technologisch benötigen Versicherungen hierzu eine IT-Infrastruktur, die in der Lage ist, vorhandene Massendaten aus integrierten Systemen (slow data) mit großen Mengen an laufend neu generierten Individualdaten (fast data, z.B. aus einem Connected Car) zu korrelieren und in Echtzeit auszuwerten.

An welcher Anforderung mangelt es bei deutschen Versicherern aktuell besonders?

Es mangelt sowohl an der Technologie und der Strategie als auch am Willen zur Umsetzung. Die Mehrheit der deutschen Versicherungen ist noch nicht so weit, Individualtarife oder Tagespolicen im Privatkundensegment auf den Markt bringen zu können und zu wollen. Den meisten Versicherungsunternehmen fehlen heute bereits die grundlegenden Konzepte zur Nutzung ihrer existierenden, sehr umfangreichen Datenbestände. Dieses Defizit tritt umso stärker zutage, wenn zukünftig beispielweise bei den Kfz-Versicherern große Datenmengen hinzukommen, welche von Connected Cars generiert werden.

An welchem Punkt und mit welchen Produkten kommen Sie mit der Software AG hier ins Spiel?

Wir sind Marktführer in der Integration, Verarbeitung und Echtzeit-Auswertung großer Datenmengen, sowie bei Intelligent Business Operations (IBO) und In-Memory Technologien. Im Bereich Integrated IT Portfolio Analysis Applications haben uns jüngst die Gartner-Analysten zum vierten Mal in Folge als Leader positioniert. Die Digital Business Platform, die diese Lösungen bündelt, wird bereits von namhaften Versicherungen eingesetzt.

Wie machen Sie Versicherern und deren Kunden – angesichts des eher negativen Echos auf die aktuelle Generali-Geschichte, Stichwort: “Telematik für Patienten” – Big Data Analytics schmackhaft?

Anders als das Fahrverhalten kann man Gesundheitsdaten nicht immer beeinflussen. Wenn der Versicherer bestimmte Informationen korreliert, etwa Übergewicht und Sport, dann diskriminiert das unter Umständen langfristig bestimmte Kunden oder Kundengruppen. Wenn es hingegen um eine freiwillige, situationsbezogene Informationsauswertung geht, hat der Versicherte selbst die Möglichkeit, seine Risikobewertung zu beeinflussen, zum Beispiel, indem er immer dann eine angepasste Fahrweise an den Tag legt, wenn die Daten an die Versicherung übermittelt werden. Um Akzeptanz bei Kunden zu schaffen, ist hierbei vor allem ein größtmögliches Maß an Transparenz auf Seiten der Versicherungen gefordert.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz

Bild: Julian Nachtweh, Vice President Sales Operations & Strategy, Software AG. (Quelle: Software AG)

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