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Kfz-Versicherer müssen Geschäft neu denken

09.11.2016 – maus_auto_fotolia_ - quelle fotolia alphaspiritVon Werner Rapberger, Experte für digitale Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft bei Accenture. Die geringe Profitabilität bestimmt auch künftig das Geschäft mit Kfz-Versicherungen. Ganz gleich ob neue Tarifmodelle wie Telematiklösungen oder die eingeleitete digitale Transformation – das Kernproblem des schwachen versicherungstechnischen Ergebnisses wird wohl mittelfristig erhalten bleiben.

Viele Marktteilnehmer haben in letzter Zeit Pay-as-you-drive-Systeme getestet und pilotiert. Doch ihre Verbreitung bei den Kunden ist im Vergleich zu anderen Märkten wie z.B. Italien nach wie vor gering, auch angesichts der hohen Gewichtung des Datenschutzes und eines relativ späten Marktstarts in Deutschland. Allerdings haben auch Versicherer nach Pilotierungen von einem Marktstart aus verschiedenen Gründen (z.B. hohe Kosten) Abstand genommen.

Zugleich nutzen viele Versicherer ihr Digitalisierungspotenzial nach wie vor nicht umfassend. Viele Prozesse sind nicht vollständig digital. Ganz gleich ob in der Angebotsphase, bei Vertragsabschluss oder bei der Schadenabwicklung: Medienbrüche sind an der Tagesordnung – auch weil Versicherer dem traditionellen Vertrieb die analoge “Hintertür” für kundenindividuelle Lösungen offen lassen möchten. Zudem wird die Kfz-Versicherung noch immer als Einstiegsprodukt für eine langfristige Kundenbeziehung wahrgenommen.

Eine konsequente Digitalisierung – einschließlich Underwriting, Schadenregulierung, Kundenbindung sowie der Beschleunigung der Schadenprozesse über Telematik-Daten – werden wir trotz des Potentials in der Breite daher kurzfristig nicht sehen. Gleichwohl sind Rückzüge aus dem Segment dennoch wenig wahrscheinlich, bedenkt man die Funktion der Kfz-Versicherung als wichtige Säule im Gesamtportfolio der Assekuranzen.

Um gegenzusteuern und sich digital auszuprobieren, stellen “Green Field-Lösungen” eine interessante Option dar. Dabei werden unter eigener Flagge vollständig digitale Versicherer aufgebaut, die über eine weit bessere Kostenstruktur und digitale Services verfügen als im traditionellen Stammgeschäft. Dabei können sie wichtige Erfahrungen in Bereichen wie Omnikanal und neuen Services sammeln. Zugleich bieten diese Initiativen die Möglichkeit, der wachsenden Insurtech-Konkurrenz mit neuen Konzepten und kompetitiven Preisen zu begegnen.

An den bestehenden Strukturen der Kfz-Versicherung wird sich kurzfristig aber nichts ändern – trotz aktueller Entwicklungen in der Automobilindustrie wie E-Mobilität oder der wachsenden Verbreitung von Fahrassistenzsystemen. Die geringe Akzeptanz von Telematiklösungen zeigt, dass sich der Markt hier nur sehr langsam bewegt.

Zudem stellt sich die Frage, welche Strategien die Versicherer mit ihren Ansätzen verfolgen wollen. Wollen sie ihren Kunden nur Rabatte auf die Versicherung oder auch neue Services anbieten – und damit ein neues Kundenerlebnis, mit all seinen Folgen für die Beziehung zwischen Unternehmen und Versicherungsnehmer?

Erste Ansätze in Richtung angrenzender Services wie Autohandel durch Versicherer sind bereits am Markt vorhanden. Es ist aber durchaus denkbar, dass sich Versicherer mit neuen Services weit stärker vom Auto lösen und dafür die Telematikdaten nutzen. Beispielsweise können Kunden Rabatte in Einkaufszentren erhalten, der Betreiber des Zentrums dafür einen Überblick, woher diese Kunden kommen und wann sie genau das Zentrum besucht haben.

Die digitale Transformation vieler Branchen wird hier die Karten neu mischen. Auch wenn die aktuellen Pilotprojekte spannend sind, sollten sich Kfz-Versicherer weit stärker mit den mittel- und langfristigen Folgen der Digitalisierung für ihre Geschäftsmodelle beschäftigen. Die Auswirkungen von vernetzten Fahrzeugen, autonomen Fahren etc. werden massiv sein und schneller kommen als erwartet.

Bildquelle: Fotolia

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