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“Keine Rückschlüsse auf die Fahrweise”

17.03.2016 – heitmann_hukMit dem neuen Notfall-Stecker lassen sich keine “Rückschlüsse auf die Fahrweise zu ziehen”, betont Klaus-Jürgen Heitmann, Vorsitzender des Lenkungsausschusses für den Unfallmeldedienst, im Exklusv-Interview mit VWheute. Ebenso wenig ließen sich damit Bewegungsprofile erstellen, ergänzt der Huk-Vorstand. Zudem zeichne sich der neue Dienst “durch größtmögliche Datensparsamkeit aus”.

VWheute: Was kann der GDV-Unfallmeldedienst mit seinem Stecker?

Klaus-Jürgen Heitmann: Der Unfallmeldedienst erkennt eine Kollision und meldet den Unfall automatisch an eine Notrufzentrale. Dadurch werden die Rettungskräfte in vielen Fällen deutlich schneller am Unfallort sein als bisher. So helfen wir, Leben zu retten und Verletzte so schnell wie möglich zu versorgen.
Zudem machen wir die bisher unsichtbare Schutzfunktion und den Service der Kraftfahrtversicherer unmittelbar erlebbar. Wir machen mit dem Unfallmeldedienst nicht nur das Leben unserer Kunden sicherer, sondern geben ihnen bei jeder Fahrt das gute Gefühl, dass im Ernstfall schnell Hilfe kommt.

VWheute: Was kann er nicht?

Klaus-Jürgen Heitmann: Der Unfallmeldedienst zeichnet sich durch größtmögliche Datensparsamkeit aus. Die Unfallmelde-App sendet Daten nur nach einem Unfall oder einem manuellen Hilferuf – und auch dann übermittelt es nur wenige Informationen. Rückschlüsse auf die Fahrweise zu ziehen, ist mit dem Unfallmeldedienst ebenso unmöglich, wie Bewegungsprofile zu erstellen.

VWheute: Inwiefern wollen Sie sich mit dem Meldedienst bei Neuwagen gegen Lösungen On-Board durchsetzen?

Klaus-Jürgen Heitmann: On-Board-Lösungen finden sich derzeit noch vorwiegend bei Wagen der Oberklasse und der oberen Mittelklasse und kosten zum Teil viel Geld. Selbst mit dem europäischen eCall wird der automatische Notruf nur für neue Fahrzeugmodelle Pflicht – nicht jedes neue Auto wird also ab April
2018 mit einem automatischen Notruf ausgeliefert.

Angesichts der langen Lebensdauer vieler Gebrauchtwagen wird es noch lange dauern, bis On-Board-Lösungen tatsächlich in jedem oder auch nur in den meisten Autos zu finden sind. Damit der Fahrer auch mit dem europäischen eCall und der damit einhergehenden Vernetzung seines Autos jederzeit frei entscheiden kann, ob und wem er seine Daten zur Verfügung stellt, setzt sich die Versicherungswirtschaft für eine offene und standardisierte Schnittstelle zum Austausch von Kfz-Daten ein. Nur so behält der Verbraucher die Kontrolle über seine Daten und kann das beste Angebot auswählen – ob es vom Automobilhersteller, Kfz-Betrieb, Automobilclub oder eben vom Versicherer kommt.

VWheute: Welche Rolle spielt die Dienstleistungs-GmbH des GDV? Wie kann der Verband bei weiteren Digitialisierungs-Vorhaben noch helfen?

Klaus-Jürgen Heitmann: Die GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG hat den Unfallmeldedienst in Zusammenarbeit mit den Industriepartnern Bosch und IBM entwickelt. Zahlreiche Kraftfahrtversicherer waren frühzeitig in die Entwicklung eingebunden. Darüber hinaus betreibt GDV Dienstleistungs-GmbH die Notrufzentrale der Autoversicherer, an die schwere Unfälle sowie manuell ausgelöste Notrufe gemeldet werden, und unterstützt die teilnehmenden Kfz-Versicherer bei der technischen und logistischen Anbindung an den Unfallmeldedienst.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Huk-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann, Vorsitzender des Lenkungsausschusses für den Unfallmeldedienst. (Quelle: Huk)

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