Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Keine einfachen Lösungen für Kliniken in Sicht

12.02.2014 – Seit 2012 herrscht Aufruhr im überschaubaren Kreis der Anbieter für Haftpflichtdeckungen in der Medizinbranche. Die Zurich hatte bekanntgegeben, keine Haftpflichtdeckungen mehr zeichnen zu wollen. Ein Jahr zuvor wurden enorme Reservelöcher bei dem Schweizer Versicherer offenbart. Nach derzeitigem Stand fehlen 800 Mio. Euro. Auch die Westfälische Provinzial hatte sich zurückgezogen. Die verbleibenden Versicherer Allianz, R+V, Ergo, Basler und HDI teilen den auf 350 Mio. Euro Prämienvolumen geschätzten Markt nun untereinander auf.

Zwar ist in der Anzahl der Schadensfälle kein Anstieg zu verzeichnen, verändertes Anspruchsverhalten, gestiegene Lebenserwartung von geschädigten Patienten durch medizinischen Fortschritt, patientenorientierte Rechtsprechung, Spätschadenrisiko aus unkalkulierbaren Zukunftsrisiken und Inflation haben die Prämien in den vergangenen zwei Jahren erheblich steigen lassen.

Problematisch für die Versicherer ist der im deutschen Markt übliche Mechanismus der Deckung nach dem Schadenereignisprinzip (Loss Occurence), der ein Kumulrisiko aus verschiedenen Zeichnungsjahren verursacht. Von einem Schaden „betroffen“ ist immer die Police des Jahres, in dessen Verlauf sich der Schaden ereignete. Zeigen sich Schäden aus den gleichen Behandlungsfehlern bei verschiedenen Patienten erst Jahre später, können ganze Generationen von Policen betroffen sein.

Diese akuten Probleme werfen ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten in der Haftpflichtversicherung. Eine Unterdotierung der Reserven wird erst sehr spät offenbart. Löcher in den Reserven bleiben unsichtbar. Die Probleme der Zurich waren deshalb so überraschend, weil deutsche Versicherer eigentlich als ausgesprochen gut reserviert gelten. Nach Berechnungen der Bafin beliefen sich die Reserven in der Haftpflichtsparte im Jahr 2012 auf 23,1 Mrd. Euro, das waren 287 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen. In keiner anderen Sparte sind die Reserven im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen so groß wie in der Haftpflicht. Auch weil die Reserven steuerlich privilegiert sind. 2012 beliefen sich die Abwicklungsgewinne auf neun Prozent der Beitragseinnahmen. (jko)

Link: Versicherungswirtschaft 2/2014

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten