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Käufermarkt in Baden-Baden

25.10.2016 – markt_pixelioBei den Vorgesprächen zur Erneuerung trafen die Rückversicherungseinkäufer auf einen gesunden Markt. Eine weitgehend positive Schadenlage hat dafür gesorgt, dass das Rückversicherungskapital im ersten Halbjahr um 20 Mrd. auf 585 Mrd. US-Dollar angewachsen ist. Die prohibitive Regelung des Marktzugangs für Rückversicherer aus Drittstaaten wird nach allgemeiner Einschätzung den Markt nicht signifikant verändern.

Wegen der strikten Auslegung bei der Einbeziehung von Rückversicherern aus Ländern ohne anerkannte Solvency-II-Äquivalenz ist bei dem einen oder anderen Versicherer in Baden-Baden ein Gesprächs-Slot frei geworden. Den Markt verändern wird diese Maßnahme nicht, sind Munich Re und E+S Rück überzeugt. “Das ist ein sehr limitiertes Segment des deutschen Marktes”, sagt Ludger Arnoldussen, Vorstand der Munich Re. “Für einzelne Marktteilnehmer mag das überraschend gekommen sein. Wachstum werden wir dadurch nicht sehen.” E+S-Vorstand Michael Pickel bestätigt: “Das dürfte für den deutschen Markt kein Thema sein.”

Seit dem vergangenen Jahr verlagern sich die Erneuerungsgespräche aus der plüschigen Atmosphäre der Hotelfoyers in das nüchterne und geräumige Kongresszentrum Baden-Badens. Dort hatten neben der E+S Rück auch zahlreiche Rückversicherer aus Drittstaaten wie Kenia (Kenya Re) oder China (Peak Re) ihre Fähnchen aufgestellt. Die Ausstrahlungskraft des Rückversicherungstreffens in Baden-Baden ist ungebrochen. Peak Re hat auf die verschärften Anforderungen der Bafin an Rückversicherer reagiert und wird ihr Büro in Zürich zu einer Niederlassung ausbauen.

Déjà vu: Für die Underwriter der Rückversicherer sind die Verhandlungen viel schwieriger als für die Versicherer. In den vergangenen acht Jahren lagen die Schaden-Kosten-Quoten der Rückversicherer zwischen äußerst auskömmlichen 90 bis 95 Prozent. Einzige Ausnahme war das Katastrophenjahr 2011 mit dem Erdbeben in Japan. Im ersten Halbjahr lag die Combined Ratio der großen Rückversicherer bei knapp 95 Prozent, ein “relativ stabiles Bild”, sagte Jan-Oliver Thofern vom Rückversicherungsmakler Aon Benfield auf dem Breakfast Briefing im Baden-Badener Kurhaus. Unter den Zuhörern befanden sich auch Helmut Söhler, Deutschland-Chef der Scor, und Frank Reichelt, Deutschland-Chef der Swiss Re.

Die geringen Schäden drücken auf die Preise: Nach Berechnungen von Guy Carpenter fällt der Rate on Line Index für Rückversicherung seit drei Jahren. Er befindet sich derzeit auf dem Niveau von 2004, ein Jahr vor Katrina, und nähert sich dem von 1999/2000, ein Jahr, das wegen seiner extrem schlechten Preise älteren Marktteilnehmern noch in unguter Erinnerung ist.

“Das Fahrwasser ist in diesem Jahr besonders eng”, sagt Pickel im Baden-Badener Kongresszentrum gegenüber Journalisten. “Die Raten sind sehr schlecht”, bestätigt Arnoldussen. Der Munich-Re-Manager glaubt, dass aber allmählich der Boden erreicht ist. “Es gibt starken Widerstand im Markt”, sagt Arnoldussen. “Wir sehen eine Reduktion der Reduktionen.”

“Stabile Rückversicherungsmärkte mit attraktiven Zedenten”, sieht Aon-Benfield-Mann Jan-Oliver Thofern. Wegen der steigenden Anforderungen durch Solvency II entdeckt er aber durchaus Wachstumsperspektiven für die Rückversicherer. 500 bis 700 Mio. Dollar mehr an Kapazität werden gekauft, sagte Thofern. Nach seiner Einschätzung fragen Kunden verstärkt Mehrjahresdeckungen nach. E+S-Vorstand Pickel konnte letzteres nicht bestätigen, sieht aber durchaus Potenzial für mehr Nachfrage, allerdings vorwiegend auf der Seite der Lebensversicherer. (ba)

Bildquelle: Jorma Bork / pixelio.de

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