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Katrina hat die Branche durcheinander gewirbelt

28.08.2015 – Sturm_Rainer Sturm_pixelioHurrikan Katrina gilt bis heute als einer der gewaltigsten Wirbelstürme, die jemals im Atlantik zu beobachten waren – und bislang verheerendste Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Dabei hat Katrina nicht nur New Orleans und dessen Umgebung durcheinander gewirbelt. Auch die Folgen für die Versicherungsbranche sind bis heute deutlich spürbar.

So war “die Abwicklung der Schäden zum Teil sehr komplex. Deckungsfragen, wie die Abgrenzung zwischen Flut und Sturm, die anschließenden Plünderungen, stellten viele Versicherer, Broker und Kunden vor große Herausforderungen”, sagt Beatrix Hartinger, die als Chief Underwriting Officer bei Corporate Inmurance Partner das globale Property Geschäft der Munich Re verantwortet.

Seitdem hat der Rückversicherer seine Naturgefahrenmodelle und die Einzelrisikomodellierungen überarbeitet. Zudem “haben wir die Kumulszenarien und die damit verbundenen Gesamtexponierungen verbessert und den Auswirkungen auf unsere Versicherungsdeckungen gelernt”, ergänzt Hartinger. Demnach sei der Rückversicherer nunmehr in der Lage, “mehrere tausende Standorte von einem Kunden durch die Unterstützung von Tools auf Geokoordinaten-Level zu analysieren”. Durch die Bewertung jedes einzelnen Standortes nach versicherten Gefahren durch die Geokoordinaten könne die Munich Re die Haftungsspitzen exakt erkennen.

“Das Treffen von Vorkehrungen ist ein entscheidender Faktor bei der Begrenzung des Sturmschadenrisikos und die Erkenntnisse, die wir auf Grund großer Katastrophen wie Katrina gewinnen, können Unternehmen helfen, die Auswirkungen künftiger Katastrophen abzufedern”, ergänzt Chris Fischer Hirs, Vorstandsvorsitzender der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Laut einer Analyse des Spezialversicherers stehen Windstürme bei der Schadenhöhe nach an fünfter Stelle der zehn Hauptursachen für Geschäftsverluste. Demnach seien Hurrikane in den USA, Taifune in Asien oder Winterstürme in Europa für etwa 40 Prozent der auf Naturkatastrophen zurückgehenden Versicherungsschäden verantwortlich, und für 26 Prozent gemessen am Schadenwert.

Auch wenn das Schadenrisiko in den vergangenen Jahren deutlich reduziert wurde: “es besteht immer noch ein bedeutendes Restrisiko”, betont Lewis E. Link, Senior Research Engineer und Professor an der Universität Maryland gegenüber der Munich Re. So könne keine Stadt am Meer angesichts der klimatischen Herausforderungen mehr als sicher bezeichnet werden, betont der Experte. Neben New Orleans und New York zählen allein in den USA Miami, Tampa Bay, Boston, Baltimore und Los Angeles “zu den 20 Städten mit dem weltweit größten Überschwemmungsrisiko”, ergänzt Link.

Dabei nehmen die USA mit 49 Prozent weltweit die Spitzenposition aller analysierten Schäden ein – gefolgt von Europa (19 Prozent), Asien (sechs Prozent) und Zentralamerika (drei Prozent). Allerdings gehen die Experten der AGCS davon aus, dass in den kommenden 50 Jahren 80 Prozent der zehn am stärksten von Küstenüberschwemmung durch Sturmflut und Windschäden gefährdeten Standorte in Asien liegen werden. Dabei weise insbesondere die maritime Industrie ein besonders hohes Schadensrisiko auf.

Ob sich der Klimawandel tatsächlich auf die Stürme auswirken wird, können die Wissenschaftler bislang nicht abschließend beantworten. Die Allianz verzeichnet jedenfalls jetzt schon einen Anstieg der Schwere von Sturmschäden: Demnach stiegen diese von einst 15 Mrd. US-Dollar pro Jahr zwischen 1980 und 1989 auf durchschnittlich 70 Mrd. US-Dollar jährlich im Zeitraum von 2010 bis 2013. (vwh/td)

Link: AGCS: “Hurricane Katrina 10: Catastrophe Management And Global Windstorm Peril Review” (PDF)

Bildquelle: Rainer Sturm / Bpixelio.de

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