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Katastrophenhilfe: Eine Frage der Logistik

26.08.2016 – Duerre_Kurt Michel_pixelioMittelitalien erlebte diese Woche das zweite schwere Erdbeben binnen weniger Jahre. 247 Tote sind beim Beben von Accumoli mittlerweile zu beklagen. Um die Folgen eines solchen Ereignisses entsprechend zu bewältigen, spielt die Logistik eine entscheidende Rolle. Notwendig hierfür ist jedoch auch eine ausreichende Infrastruktur. Doch genau darin liegt oftmals das Problem, glaubt man dem neuen Weltrisikobericht der Vereinten Nationen.

So ist das größte Problem nach Ansicht der Experten oftmals nicht die Bereitstellung der Hilfen selbst, sondern den Transport trotz zerstörter Straßen und Brücken zu organisieren. Denn der Zusammenhang klingt nach Aussage der Experten so simpel wie zutreffend: “Solange die Infrastruktur in einem unzureichenden Zustand ist und die Regierungen wie Behörden nicht adäquat reagieren sowie die erforderliche Logistik bereitstellen und koordinieren können, werden extreme Naturereignisse katastrophale Auswirkungen haben”, heißt es im Weltrisikobericht.

Dabei berechnen die Forscher einen Index aus insgesamt 28 Einzelindikatoren, der die Gefahren von Erdbeben, Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Dürren und einem Meeresspiegelanstieg berücksichtigt. Diese Risiken werden dann mit anderen gesellschaftlichen Faktoren verbunden. Dabei entscheiden vor allem die Ernährungssituation, die medizinische Versorgung oder die Regierungsführung zu einem nicht unwesentlichen Teil darüber, ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird.

So weist der aktuelle Weltrisikoindex die globalen Hotspots eines hohen Katastrophenrisikos in Ozeanien, Zentralamerika, Südostasien und im südlichen Sahel. Trauriger Spitzenreiter ist demnach derzeit der Inselstaat Vanuatu mit einem Risiko von 36,28 Prozent, gefolgt von Tonga (29,33%) und den Philippinen (26,70%).

Dass allerdings einen durchaus wesentlichen Zusammenhang gibt zwischen Verwundbarkeit einerseits und Katastrophenrisiko andererseits gibt, zeigt das Beispiel Australiens. So liegt das Land trotz Bedrohung durch Dürre, Erdbeben und Meeresspiegelanstieg lediglich auf Rang 121 von insgesamt 171 Staaten. Das niedrigste Katastrophenrisiko weisen demnach Saudi-Arabien auf Rang 169 (1,14 Prozent), Malta mit 0,60 Prozent (Rang 170) und Katar mit 0,08 Prozent (Rang 171) auf. Deutschland liegt im aktuellen Risikoindex derzeit auf Rang 148 mit einem Risiko von 2,95 Prozent.

Besonders kritische Infrastruktur ist Ansicht der Experten jedoch vor allem an Orten mit einer hohen Exposition gegenüber Naturgefahren zu finden. So liegen Kernkraftwerke aufgrund ihres Kühlwasserbedarfs meist an Flüssen oder Küsten. Mit durchaus verheerenden Folgen, wie das Beispiel Fukushima im Jahr 2011 belegt. Aber auch Flughäfen, die eine wichtige Rolle bei der Logistik von Soforthilfemaßnahmen liegen, sind bei Naturkatastrophen ebenso stark gefährdet.

Demnach sind viele Airports im Zuge der Urbanisierung häufig in Küsten-, Delta- oder Flusslagen zu finden. Welche Folgen dies haben kann, zeigen die Beispiele des Flughafens Bangkok, der 2011 infolge eines Hochwassers mehrere Tage lahmgelegt war, sowie der John-F.-Kennedy-Flughafen in New York. Dieser liegt knapp unter dem Meeresspiegel und musste 2012 wegen des Hurrikans Sandy zwei Tage lang geschlossen werden.

Noch viel stärker von Naturereignissen betroffen sind hingegen die Eisebahn- und Straßenbahnlinien. Demnach schätzen die UNO-Experten allein die hochwasserbedingten Schäden an Straßen und Bahntrassen in Europa auf jährlich rund 470 Mio. Euro – mit steigender Tendenz. Neben der Anfälligkeit der vorhandenen Infrastruktur stellt jedoch auch die entsprechende Unterversorgung ein wesentliches Risiko dar. Demnach finden sich in Afrika durchschnittlich nur 65 Kilometer asphaltierte Straßen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Europa liegt der Wert bei 832 Kilometern, in Nordamerika bei 552 Kilometern.

Demnach sind nach Schätzungen der Weltbank in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen bis 2020 zusätzliche Investitionen von bis zu eineinhalb Bil. US-Dollar pro Jahr in die Infrastruktur notwendig. Der größte Bedarf besteht vor allem in der Elektrizitäts-, Wasser- und Transportinfrastruktur. “Die internationale Gemeinschaft muss bereits vor dem Eintritt von Katastrophen mehr in den Aufbau und Ausbau von kritischer Infrastruktur investieren”, sagt Matthias Garschagen, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Abteilungsleiter am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS).

“Ausreichend Infrastruktur von hoher Qualität, die institutionell gut gemanagt wird, kann nicht nur die oft katastrophalen Folgen von Naturgefahren wie Überflutungen oder Stürmen verhindern, sondern sie kann auch eine entscheidende Rolle bei der Verteilung von humanitären Hilfsgütern im Katastrophenfall spielen. Kritische Infrastruktur kann somit die Risiken von Naturgefahren für Bevölkerungen reduzieren und wirtschaftliche Verluste abfedern”, ergänzt der Experte. (vwh/td)

Bild: Kurt Michel / pixelio.de

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