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Karch verteidigt Garantieverbot in der Tarifrente

14.12.2016 – heribert_karch_epoBetriebliche Altersversorgung steht ganz oben auf der Agenda des “Dialogs zur Altersvorsorge” in Köln. Faktischer Geldverlust sorgt bereits heute für Aufregung in den Netzen, schreibt Heribert Karch, aba Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung, in einem Gastbeitrag zum Thema Sozialpartnermodell und Beitragszusage. Er spricht heute in Köln.

Sozialpartnermodell und Beitragszusage

Gehen wir nüchtern an die Dinge heran. Das Sozialpartnermodell wäre für manche ein Riesenschritt nach vorne, andere bleiben skeptisch. Aber das alles ist manageable. Wäre da nicht – die Beitragszusage – vor allem: mit oder ohne Garantie?

Es geht am Ende um Geschäftsmodelle, die allesamt sehr legitim sind. Aber für eine fruchtbare Debatte sollten wir diese zunächst auf Eis legen, bevor sie wieder das Handeln aller Akteure prägen. Die bAV hat in den letzten drei Jahren nicht mehr mit dem Wachstum der Beschäftigung Schritt gehalten, die private Rente schon gar nicht. Die Verbreitung allein über einen Markt ist keine nachhaltige Perspektive.

Die gesamte Entwicklung des öffentlichen Bewusstseins hätte nach 15 Jahren intensiver Werbemaßnahmen wachsende Bereitschaft zeigen müssen, also einen der heutigen misstrauischen Haltungen genau entgegengesetzten Verlauf nehmen müssen. Aber das Vertrauen in die Kapitaldeckung ist massiv gesunken, in der ersten Säule gewachsen.

Alle Akteure stellen sich – vorsichtigem Optimismus in jüngerer Zeit zum Trotz – immer noch auf ein längeres Szenario niedriger Zinsen ein. Und nach einer Zinswende werden die Dinge auch nicht einfacher. Gerade bei kürzeren Anlagezeiträumen ist schon jetzt selbst die Beitragszusage mit Mindestleistung für manche ein so hochambitioniertes Angebot, dass es nicht mehr verfolgt wird. Garantien nach Kosten können für einen Arbeitnehmer, der einen Anlagehorizont von weniger als 20 Jahren hat, unter das Niveau des eingebrachten Geldes fallen.

Subjektive Haltungen sind also nichts weiter als der Reflex auf objektive Fakten. Realistischerweise würden Garantien unterhalb des eingesetzten Geldes zu einem Garantie-Formalismus werden. Sie würden eher als Modelle angesehen, mit welchen die Illusion werthaltiger Altersversorgung genährt würde. Faktischer Geldverlust sorgt bereits heute für Aufregung in den Netzen, Blogs und Kommentaren. Das könnte man niemandem erklären. Sofern man Garantien gibt, kann man Vertrauen nur mit einem Surplus oberhalb des eingesetzten Geldes erwecken. Nur dann kann der Bürger klare Entscheidungen treffen. Nur dann kann auch der Arbeitgeber eine wertgeschätzte Altersversorgung im Unternehmen organisieren. Sonst wären Nadel, Faden und Kopfkissen für’s Geld der bessere Durchführungsweg.

Wir haben ein gemeinsames Interesse über alle Geschäftsmodelle hinweg: Die Glaubwürdigkeit der kapitalgedeckten Altersversorgung.

Die Beitragszusage stellt keine unkalkulierbare Risikowelt für die Beschäftigten dar. Der Erwartungswert der Gesamtrente im Alter wird höher. Es sind stets die Erwartungswerte, mit denen gespart wird. Das gilt für die beitragsorientierte Leistungszusage ebenso wie für die Beitragszusage mit Mindestleistung. Die Erzielung einer Bottom Line wäre für niemanden ein Sparmotiv. Entscheidend für das Anlageergebnis ist nicht die Existenz formaler Garantien der Einrichtung, sondern das Risikomanagement der Kapitalanlage. Bereits heute kann eine Einrichtung Kapitalanlage durch versicherungsbasierte Garantieprodukte wie Lebensversicherungen, Kapitalisierungsprodukte, Risikoversicherungen, Rückdeckungsversicherungen etc. ergänzen – in der Praxis vollkommen gängige Mittel, um Volatilitätsrisiken, Invalidität und Todesfall oder zusätzliche Absicherung von rentennahen Jahrgängen zu managen.

Es gibt wohl keinen einzigen Pensionsfonds, der nicht zumindest temporär auch in Garantieprodukte eines Lebensversicherers investiert und damit implizite Garantien stellt. Die Flexibilität wird erhöht, Kosten für eine eingekaufte Garantie sind – aufgrund der Skaleneffekte und der Fokussierung auf bestimmte Risiken – erheblich geringer als die Kosten für eine eigene Garantie der Einrichtung. Und an der Benutzerschnittstelle ist es völlig unerheblich, ob die Garantie durch die Einrichtung selbst gegeben oder von dieser eingekauft wird. Aber bei alledem bliebe es bei einer echten Beitragszusage.

Was würden wir dem Bürger zumuten, wenn innerhalb dieser neuen Beitragszusage zwei grundlegend unterschiedliche Philosophien in einem kaum durchschaubaren Markt gegeneinander konkurrieren – eine versicherungsförmige auf Garantien abstellende gegen eine auf formal garantiefreies Risikomanagement zielende? Wie sollten Nicht-Experten es verstehen, wenn gleichzeitig neue Produktwelten ohne oder mit extrem niedrigen Garantien um die Wette entwickelt und weitere Deckungsstöcke für Neuzugänge geschlossen würden?

So wird kein Schuh daraus. Mut und Innovationskraft an allen Orten für eine neue Welt ist gefragt – und zwar mit einer klaren Bejahung eines neuen Weges. In dieser Situation müssen wir klare Manöver zeigen. Ein solches ist auch das teilweise ungeliebte Garantieverbot im Gesetzentwurf. Es wird erhebliche Anstrengungen brauchen. Gerade kleinere Unternehmen und ihre Arbeitnehmer brauchen Beratungsprozesse mit völlig neuen Konzepten. Die Sozialpartner – stets auf gute Reputation angewiesen – tragen eine riesige Last, wenn sie diese Herausforderung annehmen. Am besten unterstützt man sie mit innovativen Angeboten für eine neue Welt der Zusage.

Einerlei wie es kommt – mit dem Ergebnis der Debatte werden wir alle leben müssen. Aber mit den Folgen einer für die Betroffenen noch unübersichtlicheren Situation auch.

Mit Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, hat VWheute einen weiteren Teilnehmer der Veranstaltung “Dialog zur Altersvorsorge” für sich gewinnen können (siehe KÖPFE).

Bild: Heribert Karch (Quelle: aba)

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