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Kampf gegen Naturgewalten – Versicherungsaspekte des Klimawandels

22.04.2015 – Klimawandel_Kurt Michel_pixelioDer Klimawandel ist keineswegs ein softes Thema. Standard & Poor’s prognostizieren erhebliche Auswirkungen auf Kreditwürdigkeit und Liquidität von Unternehmen. Gebäudeversicherer fragen sich zu Recht, wie sie bei Großschäden durch Wetterereignisse Schieflagen vermeiden. Manch Versicherer wird selbst aktiv im Umweltschutz und übernimmt gar die Müllabfuhr für seine Kunden.

Im Rahmen ihrer Dienstleistungen für Ökohäuser – Green Home Services – lässt die Allianz Seguros Brasilien hier den Müll abholen und entsorgen. Selbst in Mexiko gibt der Versicherer einen Umweltbonus für Immobilienbesitzer. Die Allianz SE wirbt aktuell mit 150 grünen Produkten als Beitrag zum Umweltschutz.

Das Spektrum durchdringe sämtliche Geschäftsfelder in der Erst- und Rückversicherung, als Assistance-Leistungen und in der Vermögensverwaltung.

Wer meist “hautnah” die Auswirkungen des Klimawandels und damit einhergehenden Wetterereignissen zu spüren bekommt, sind die Landwirte. Insgesamt kann sich die deutsche Landwirtschaft für viele Risiken auf funktionierenden privatwirtschaftlichen Versicherungsmärkten absichern. In Notsituationen, die den Einzelbetrieb überfordern, greifen zusätzliche Hilfeleistungen des Staates.

Akute Schadensregulierungen darüber hinaus werden in den nächsten Jahren über mit rund acht Mrd. Euro ausgestatten Aufbauhilfefonds abgewickelt werden. “Für Versicherungssysteme mit staatlicher Beteiligung, wie sie es z.B. in den USA gibt, sehe ich für Deutschland unter diesen Voraussetzungen derzeit keinen Bedarf”, hatte unlängst Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, gegenüber der Versicherungswirtschaft erklärt.

Klimawandel

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Durch Naturkatastrophen betroffene Ratings nach Sparten (2005 – 2014): Quelle: S&P

Indirekt betroffen von Hagel, Sturm und weiteren extremen Schadenereignissen sind Industrie, Mittelstand und Unternehmen mit internationaler Lieferkette.

S&P indes befürchtet hier, dass die Maßnahmen, die in der Wirtschaft aktuell zur Risikominimierung ergriffen werden, künftig nicht mehr reichen werden. In einem aktuellen Bericht gehen die Analysten so weit, dass Liquiditätsmanagement, Versicherungsschutz, Risiko- und Schadenmanagement in ihrer aktuellen Ausprägung so keinen Effekt mehr zeitigen könnten.

Seit 2005 waren bei etwa 60 von 6.300 Ratingmaßnahmen die Folgen von Naturkatastrophen wie tropische Stürme, Hochwasser. Dürren und Erdbeben der oder einer der Auslöser für Herabstufungen oder Ausblicksänderungen. Dieses Risiko werde zunehmen. Nicht zuletzt auch die aufstrebenden Märkte in Risiko-Regionen sehen S&P hier betroffen. Lieferketten einer komplexen und hochvernetzten Wirtschaftswelt werden anfälliger.

Immer wieder versuchen die Versicherer, ihre Wohngebäude-Bestände zu sanieren, immer wieder werden sie von neuen Naturereignissen zurückgeworfen. Seit 2002 erhöhten die Gebäudeversicherer ihre Beiträge um 50 Prozent, bei gleich bleibendem Bestand – lediglich ein Opferpfennig angesichts des Klimawandels?

Kein Wunder, wenn pragmatisch orientierte Versicherer und Rückversicherer sich gemeinsam positionieren: Michael Diekmann (Allianz), Nikolaus von Bomhard (Munich Re) sowie Michel M. Lies (Swiss Re) haben im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris eine Erklärung unterzeichnet, die mehr privatwirtschaftliches Engagement für Umweltschutz für unabdingbar hält. (vwh/ku)

Bildquelle: Kurt Michel / pixelio.de

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Report. Opferpfennig für den Klimawandel. Wohngebäudeversicherung kommt nicht aus den roten Zahlen, in: Versicherungswirtschaft 4/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

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