Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Ja, wir halten Gewinne zurück!

12.12.2013 – talsperreWie eine Talsperre, die den Wasserabfluss reguliert, organisieren die Lebensversicherer stetige Kapitalströme an die Versicherten. Sie federn die Bodendellen ab, die Aktienkurse verursachen. Gleichwohl seien sie keine Zauberer, die eine bessere Kapitalanlage aus dem Hut zaubern können.

Mit diesen und ähnlich  anschaulichen Bildern versuchte der GDV gestern in Berlin die schwere und trockene Materie „Lebensversicherung“ anschaulicher zu machen und Licht in die Blackbox zu bringen, die das Produkt für Verbraucher und häufig auch für Journalisten darstellt. An drei Funktionsweisen – Ausgleich über die Zeit, die Gemeinschaft und die Kostenverteilung – erklärten die beiden Fachleute des GDV die Besonderheiten von Lebens- und hier im besonderen von klassischen Rentenversicherungen. Johannes Lörper, Vorstand der Ergo Leben, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarsvereinigung und Vorsitzendes des GDV-Mathematikausschusses, erklärte wie mit Hilfe einer langfristigen Kapitalanlage, von Bewertungsreserven sowie den Auf- und Abbau von Reserven Kapitalmarktschwankungen abgepolstert werden und Kunden dadurch von einer stabilen Wertentwicklung profitieren. Vor allem die Bedeutung der Bewertungsreserven in diesem Prozess standen im Zentrum der Diskussion, an der vonseiten des GDV auch Hauptgeschäftsführer Peter Schwark teilnahm. „Uns wird immer vorgeworfen, wir halten Gewinne zurück. Und wir sagen: Ja, das machen wir. Denn das ist unser großer Vorteil“, brachte Lörper die Sache auf den Punkt.

Denn ohne die Bewertungsreserven, die die Zinszahlungen der Zukunft vorweg nehmen und die Zinsschwankung abfedern, sei es unmöglich unregelmäßige Werteverläufe in regelmäßige Erträge umzuwandeln, was schließlich von den Versicherern erwartet würde. Dabei könne man auch nur mit dem arbeiten, was der Kapitalmarkt anbiete. „Wir schirmen uns nicht komplett vom Kapitalmarkt ab, aber wir schirmen unsere Kunden davon ab“, so Schwark. Allerdings sei eine klare und langfristige Planung der Kapitalanlageentscheidungen einer der Vorteile von Lebensversicherern, führte Lörper weitere aus. Man versuche, sich in einem vernünftigen Durchschnitt zu bewegen. Insofern sei die Ausschüttung der Bewertungsreserven an jetzt ablaufende Verträge eine Schwächung der Ausgleichsfunktion.

„Die Ausschüttung von Bewertungsreserven auf festverzinsliche Produkte richtet sich gegen die Intention des Bundesverfassungsurteils von 2005, weil es damals ausschließlich um Aktien und Beteiligungen ging“, erklärt Lörper den Widersinn dieses Vorgangs. Gerade in der Niedrigzinsphase müsse man die guten Kapitalanlagen halten,um entstehende Löcher zu stopfen. Wenn keine gesetzliche Regelung komme, müsse man für das Jahr 2013 nach GDV-Schätzungen Sonderausschüttungen in Höhe von drei Milliarden Euro tätigen, die lediglich fünf Prozent der Kunden zugute kämen, beklagte Schwark. Bei einer Gesamtanlage der Lebensversicherer von 750 Milliarden Euro verlieren demnach 95 Prozent der Kunden 0,4 Prozent der Verzinsung, während fünf Prozent etwa sechs Prozent gewinnen. Das sei eine enorme Verteilungsungerechtigkeit. (epo)

Foto: Lebensversicherer arbeiten wie Talsperren: Wasser bzw. Kapital wird gesammelt und in kleinen Dosen wieder abgegeben. (Quelle: ak)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten