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Ist “mHealth” die medizinische Versorgung 2.0?

21.09.2016 – uv_albrecht_unihannoverKann eine Handy-App beim gesund bleiben helfen und die Ärzte-Unterversorgung in den ländlichen Regionen abmildern? Zunächst klingt das absurd, könnte aber bald Realität sein: “mHealth bietet der GKV die Chance, eine versichertenzentrierte Versorgung zu unterstützen”, sagt “mHealth”-Experte Dr. med. Urs-Vito Albrecht. Notwendige Voraussetzung sei hingegen die notwendige Infrastruktur.

VWheute: Telemedizinische Angebote scheinen bei den Bundesbürgern auf großes Interesse zu stoßen. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom würde jeder Fünfte (20 Prozent) im Krankheitsfall auf jeden Fall seinen eigenen Gesundheitszustand telemedizinisch überwachen lassen würde. Welche Potenziale sehen Sie darin für die GKV?

Urs-Vito Albrecht: Wenn eine technologische Unterstützung in Form von Telemedizin eine Komfortverbesserung ohne Versorgungseinbußen für die Versicherten bietet, sind letztere sicherlich gern bereit, diese zu nutzen. Sie lehnten eine solche Versorgungsform wohl eher ab, wenn es hierdurch zu einer Kontrolle und Überwachung mit Sanktionen und längerfristigen Einschnitten bezüglich des eigenen Lebensstils kommt. Modelle für diese Überwachung des Gesundheitszustands der Versicherten müssen diesbezüglich gut abgewogen sein, wenn sie erfolgreich sein sollen. Das Potenzial dieser Lösungen liegt eindeutig in der Unterstützung einer Versicherten-orientierten Versorgung mit Wahrnehmung des Wunsches der Versicherten nach komfortabler Versorgung unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnissen und Lebenswirklichkeit. Hierzu muss die GKV allerdings erst Strukturen schaffen und effiziente Versorgungspfade nach dieser neuen Philosophie entwickeln.

VWheute: Online-Sprechstunden oder Tele-Monitoring könnten die Versorgung kranker Menschen deutlich verbessern. Gerade auf ländlichen Gebieten. Welche Versorgungslücken könnten damit aus Ihrer Sicht geschlossen werden?

Urs-Vito Albrecht: eHealth birgt hier sicherlich ein großes Potenzial, auch unterversorgte ländliche Bereiche mit medizinischem Know-How zu unterstützen. Allerdings muss auch hierfür in denen von Ihnen angeführten Bereichen die Infrastruktur vorgehalten werden. Beispielsweise kann auch dort ohne ausreichendes Breitband-Internet keine Online-Sprechstunde durchgeführt werden. Genauso reicht es nicht, nur die Technologie vorzuhalten und nicht auch die digitale Bildung der betreffenden Nutzergruppen voranzutreiben. Vielerlei Faktoren spielen hier zusammen und diese müssen entsprechend bedient werden, wenn eHealth-Methoden greifen sollen.

VWheute: Gesundheits-Apps sind gerade bei privaten Krankenversicherern derzeit sehr gefragt. Welche Chancen sehen Sie darin für die GKV?

Urs-Vito Albrecht: mHealth bietet der GKV die Chance, eine versichertenzentrierte Versorgung zu unterstützen. Das beinhaltet allerdings mehr als das derzeitig überwiegende Angebot von Service-Apps oder von Vitaltracking-Anwendungen. Es wären vielmehr Modelle zu entwickeln und zu fördern, die den Versicherten bei seinen Gesundheitsbemühungen, seien es präventive, kurative oder die Rehabilitation, zu stärken und ihn ins Zentrum zu stellen. Hierzu müsste sich aber auch das Bild des Versicherten vom Antragsteller zum aktiven Partner im Gesundheitsprozess ändern. Das stellt sicherlich eine Herausforderung an die GKV dar. Die Versicherten sind in der Wahrnehmung ihrer Rolle schon einen Schritt weiter und bewerten die Kassen sicherlich (auch) auf dieser Grundlage.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Dr. med. Urs-Vito Albrecht, MPH, ist stellvertretender Direktor des hannoverschen Standorts des Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie ist Geschäftsführender Arzt der Ethikkommission der Medizinischen Hochschule Hannover. (Quelle: Medizinische Hochschule Hannover)

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