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“Rahmenbedingungen erschweren positives Ergebnis”

08.12.2014 – michael_huetherDer bevorstehende Jahreswechsel gibt Anlass zum Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2015. Michael Hüther, Direktor und Präsidiumsmitglied des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, gibt sich im Interview mit VWheute verhalten optimistisch. Die deutsche Wirtschaft sieht er im internationalen Wettbewerb zwar gut gerüstet, aber seitens durch die Politik zunehmend geschwächt.

VWheute: Aus Ihrer wissenschaftlichen und branchenübergreifenden Sicht: Ist die deutsche Wirtschaft im zurückliegenden Jahr stärker oder schwächer geworden?

Michael Hüther: Beides. Einerseits wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem und voraussichtlich auch im Jahr 2015 in einer Größenordnung von etwa 1,25 Prozent steigen. Der Beschäftigungsaufbau wurde ungehindert fortgesetzt. Andererseits erschwerten in letzter Zeit wirtschaftspolitische Maßnahmen die Bemühungen um mehr Wettbewerbsfähigkeit. Deutsche Unternehmen kämpfen mit innovativen und hochwertigen Produkten um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten. Der exportorientierten, industriebasierten deutschen Wirtschaft ist das bisher gut gelungen. Die Exporte stiegen im Jahr 2013 sogar auf über eine Billion Euro.

Die deutsche Wirtschaft wurde im laufenden Jahr aber seitens der Politik geschwächt. Hierzu zählen die Maßnahmen der Mütterrente, des Mindestlohns, die immer noch fehlende Tarifeinheit und die abschlagsfreie Rente ab 63. Diese Maßnahmen verteuern den Faktor Arbeit, beschränken die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und erschweren damit die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der deutschen Exportwirtschaft.

Versicherer sind zum einen Risikoträger einer wachsenden, innovativen und exportintensiven Industrie; zum andern zunehmend auch Finanziers von gewerblichen und industriellen Vorhaben. Wie bewerten Sie das Vordringen in diese Bereiche, die doch eher Kerngeschäftsfelder der Banken sind oder waren?

Im direkten Vergleich mit Banken ist der Anteil vergebener Kredite durch Versicherungen sehr gering. Banken verfügen nicht nur über eine größere Expertise in der Bewertung von Kreditrisiken und über eine besser ausgebaute Vertriebsinfrastruktur. Sie haben auch aufgrund ihres größeren Kreditportfolios die Möglichkeit, die vergebenen Kredite breiter über verschiedene Wirtschaftszweige und Regionen zu streuen und so Klumpenrisiken zu vermeiden. Da das primäre Ziel der Versicherungen in der Erzielung einer angemessenen und risikoadjustierten Rendite für die Versicherten besteht, werden sie selbst bei einer weiteren Ausweitung ihres Kreditgeschäfts nur eine ergänzende, aber keine tragende Rolle in der Kreditvergabe spielen können.

Wie wird der Wirtschaftsstandort Deutschland Ende kommenden Jahres im internationalen Wettbewerb dastehen?

Von den politischen Rahmenbedingungen wird ein positives Ergebnis immer weiter erschwert – neben den hohen Energiepreisen durch Bürokratie und dem jetzt bereits schon akuten Fachkräftemangel. Allerdings haben wir in Deutschland sehr innovative, wandelbare und leistungsfähige Unternehmen. Diese Eigenschaften stimmen mich optimistisch. Jedoch wäre es wünschenswert, wenn nicht sogar notwendig, dass die Politik diese Kräfte nicht durch wachstumsschädliche Politik torpediert.

Das Interview führte VWheute-Chefredakteur Heinz Klaus Mertes.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft (12/2014).

Bild: Michael Hüther (Quelle: vw)

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