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Institutionelle Investoren und zentrale Fragen zum Programm der EZB

22.01.2015 – EZBHeute um 14.30 Uhr wird EZB-Chef Mario Draghi vor die Presse treten und sich zum allgemein erwarteten Ankauf von Staatsanleihen äußern. Der Anlagenotstand, so die allgemeine Befürchtung auf Versichererseite, werde sich noch verschärfen. Zentrale Fragen, auch von institutionellen Investoren wie Versicherern, stehen nach wie vor im Raum.

Kritik am sogenannten QE1-Programm der EZB gab es bereits im Vorfeld: die zusätzliche Nachfrage durch die EZB in Sachen Staatsanleihen führe dazu, dass institutionelle Investoren nur noch kleine Tranchen von attraktiven Emissionen zugeordnet werden könnten, hatte Roland Vogel, Finanzvorstand der Hannover Rück moniert.

Der Branchendienst Risiko-Manager hat gestern die zentralen Fragen aufgeworfen, die Mario Draghi und sein Team beantworten müssten:

1. Wann geht es konkret mit dem Ankauf von Staatsanleihen los?

Die Details müssten auf den Tisch, um gerade bei Marktteilnehmern wie Versicherer Klarheit zur Investmentstrategie zu bekommen. Wird heute bloß ein Grundsatzbeschluss gefasst, können die Details auch bis zur nächsten Sitzung EZB Ratssitzung Anfang März warten.

2. In welchem Tempo und in welcher Größenordnung fällt das Quantitative Easing (QE) der EZB aus?

EZB-Direktor Benoit Coeure hatte darauf hingewiesen, dass nur ein tatsächlich großes QE auch Wirkung zeigt. Mindestens 600 Mrd. Euro stehen laut Experten im Raum, tatsächlich angepeilt aber wohl 1,4 Billionen Euro. Darüber hinaus laute die Devise um Zeitraum der Staatsanleihe-Ankäufe, “Je kürzer, desto besser.”

3. Was genau wird die Europäische Zentralbank EZB kaufen?

Staatsanleihen – davon sind naturgemäß mengenmäßig genug im Umlauf – werden den größten Teil des Programms ausmachen. Unternehmensanleihen und Anleihen überstaatlicher Institutionen kommen so ebenfalls in den Blick. Interessant auch, welche Papiere genau mit welcher Laufzeit und aus welchen Ländern gekauft werden sollen.

4. Wer kauft die Staatsanleihen?

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hatte unlängst den Vorschlag ins Spiel gebracht, dass die nationalen Banken ausschließlich Papiere des eigenen Staates kaufen. Denn die EZB kann, im Gegensatz zur Federal Reserve, keine “zentrale” Eurozone-Staatsanleihe kaufen. Möglicherweise kaufen die Zentralbanken im Namen der EZB die höchstwertigen Papiere, im eigenen die weniger guten.

Eine weitere Möglichkeit laut Risiko-Manager Autor Hans Bentzien: Die nationalen Zentralbanken erhalten einfach die Erlaubnis, bis zu 20 oder 25 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen ihres jeweiligen Landes zu kaufen. Möglicherweise würde die Bundesbank dann weniger kaufen, was angesichts der schon sehr niedrigen Bundesanleiherenditen nahe läge. Dass bei einem solchen Vorgehen der Eindruck einer Renationalisierung der Geldpolitik entstehen könnte, was den Grundgedanken einer einheitlichen Währung konterkariert, scheint den meisten Banken und ihren Volkswirten ein vertretbares Risiko zu sein.

5. Was kommt danach?

Würden die Zentralbanken tatsächlich 20 Prozent der ausstehenden Staatspapiere aufkaufen, dann bräuchte die EZB bei wöchentlichen Ankäufen von 20 Mrd. Euro mehr als ein Jahr, um die angepeilten 1,4 Bio. Euro zu erreichen. Dann müsste das Programm zu einer deutlichen Verbesserung des Inflationsausblickes gesorgt haben. (vwh/ku)

Bildquelle: EZB

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