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“Individuell auf Bedürfnisse der Kunden eingehen”

16.08.2016 – mathias_pahl_willisDie Unternehmen werden durch die zunehmende Globalisierung “und die damit einhergehenden Abhängigkeiten immer angreifbarer und bedrohbarer”, konstatiert Mathias Pahl von Willis Towers Watson Deutschland. Mit entsprechenden Folgen für die Versicherungsbranche, haben die “grundlegenden Veränderungen in der Risikolandschaft auch zur Folge, dass sich das Geschäftsmodell verändern” werde.

VWheute: Politische Krisen, globaler Terror und Angriffe aus dem Cyberspace: Wie bewertet ein Risikomanager die aktuelle weltweite Gefahrenlage?

Mathias Pahl: Vorstände, Geschäftsführer und Risk-Manager dieser Unternehmen prüfen vermehrt die aktuelle Risikosituation in ihrem eigenen Portfolio und evaluieren die möglichen Auswirkungen und Einflüsse dieser Risiken auf ihr Unternehmen. Hierbei sondieren sie nach Risikominimierung bzw. sinnvoller und wirtschaftlicher Absicherung durch den Einkauf einer Cyber-Versicherung.

Das eher noch als zurückhaltend zu bezeichnende Einkaufsverhalten bezüglich Versicherungslösungen ist darauf zurückzuführen, dass bei den Unternehmen gegebenerweise Unsicherheit darüber besteht, wie belastbar eine Cyberdeckung im Schadenfall ist und wie sich das Leistungsversprechen der Versicherer in der Praxis auswirkt.

Mögliche Schäden aus Cyberangriffen können für die Unternehmen existenzielle Ausmaße annehmen. Cyber-Risikomanagement wird deshalb künftig aus dem betrieblichen Risikomanagement nicht mehr wegzudenken sein.

VWheute: Welche Konsequenzen resultieren daraus für den deutschen Industrieversicherungsmarkt? Welche Chancen, welche Risiken?

Mathias Pahl: Industrieversicherer müssen jetzt neue Lösungsansätze anbieten, welche die Absicherung von Terror- und Cyberrisiken verbinden und neue Deckungselemente, wie Non-Damage-Cyber-Business-Interruption, beinhalten.

Die grundlegenden Veränderungen in der Risikolandschaft haben auch zur Folge, dass sich das Geschäftsmodell der Versicherungswirtschaft verändern wird. Versicherer müssen zunehmend individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmenskunden eingehen.

VWheute: Der Industrieversicherungsmarkt ist hart umkämpft. Welche Möglichkeiten haben die Unternehmen aus Ihrer Sicht, um sich von der Konkurrenz abzuheben?

Mathias Pahl: Internationale Versicherer können sich – da oftmals keine Differenzierung mehr durch das Ergebnis gegeben ist – allein durch Reputation hinsichtlich der Fachexpertise und Mehrwert bringenden Zusatzdienstleistungen von ihren Mitbewerbern abheben.

Erfolge werden die Versicherer haben, die ihre Kundendaten geschickt nutzen, um so zu einer verbesserten Risikoeinschätzung zu gelangen, was als Folge wettbewerbsfähige und risikogerechte Prämien mit sich bringen sollte.

VWheute: Ist Versicherungsschutz in Zeiten umbrechender Märkte zu teuer geworden? Welche Rolle spielen niedrige Zinsen?

Mathias Pahl: Versicherer konzentrieren sich daher verstärkt auf die individuelle Versicherungssparte eines Kunden und betrachten den Kunden nicht mehr in seiner Gesamtheit. Entgegen der Annahme, dass aufgrund der fehlenden Subventionierungsmöglichkeit die Prämien steigen müssten, ist dies in der Breite nicht erkennbar.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die weiterhin vorhandenen Überkapazitäten am Versicherungsmarkt ein sehr wettbewerbsintensives Umfeld schaffen, was sich letztendlich unverändert positiv für die Versicherungseinkäufer auswirkt.

VWheute: In welchen Geschäftsfeldern der Industrie entwickelt sich neuer Schutzbedarf mit welchen Innovationserfordernissen?

Mathias Pahl: Die Innovationserfordernisse hören nicht bei der eigentlichen Absicherung des Risikos auf, sondern beziehen auch weitere Dienstleistungen wie sachgerechte Serviceleistungen ein. In diesem Zusammenhang spielt das Thema Digitalisierung eine zentrale Rolle, um einerseits den Kostenanteil in der Prämie weiter zu minimieren und andererseits einen Mehrwert für den Kunden zu generieren.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.

Bild: Mathias Pahl leitet als Managing Director den Bereich Corporate Risk and Broking bei Willis Towers Watson Deutschland.

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