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Immobilien sind auch mittelfristig eine Stütze

24.06.2015 – dietmar_fischer_eyImmobilien werden auch mittelfristig “eine Stütze in der Anlagestrategie” der Versicherer sein, sagt Dietmar Fischer, Strategieberater bei Ernst & Young Real Estate. Auch Solvency II werde daran nichts ändern. Wichtiger sei vielmehr eine “Ankaufsprüfung und die passgenaue Strukturierung von Immobilienkäufen”, so der Experte im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen?

Dietmar Fischer: Das durchschnittliche Investitionsvolumen ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zugleich stabilisieren sich die Renditeerwartungen mit einer leichten Tendenz in Richtung Renditekompression. Ein Schwerpunkt in der Anlage liegt auf Deutschland. Ich bewerte die Entwicklung als wenig überraschend. Ich meine das im positiven Sinne.

Die Assekuranz reiht sich hier in die generelle Entwicklung ein, wie wir sie bei vielen sicherheitsorientierten und langfristig orientierten deutschen Investoren sehen. Die Assekuranz setzt im anhaltenden Niedrigzinsumfeld noch mehr auf die Immobilie als früher – trotz steigender Preise. Weil der Kapitalfluss aus der Immobilie vergleichsweise sicher ist und Immobilien mit den richtigen Fundamentaldaten wertbeständig sind.

VWheute: Wie können Versicherer Ihr Anlageportfolio maßgeblich um Immobilien erweitern vor dem Hintergrund von Solvency II und der aktuellen Marktsituation? Welches Potenzial sehen Sie für Real Estate mittelfristig?

Dietmar Fischer: Ich denke, dass die Immobile auch mittelfristig eine Stütze sein wird in der Anlagestrategie der Assekuranz. Daran wird Solvency II wenig ändern, zumal die Unternehmen ja Zeit hatten, sich auf die neuen Spielregeln einzustellen. Die Ankaufsprüfung und die passgenaue Strukturierung von Immobilienkäufen wird allerdings wichtiger, da es die jeweilige Eigenkapitalunterlegung in die Überlegungen einzubeziehen gilt. Mit Blick auf die aktuelle Marktsituation gilt ähnliches. Die Ankaufsprüfung wird wichtiger.

Denn einerseits steigen zwar die Preise, aber andererseits gibt es nach wie vor Gelegenheiten. Insbesondere dann, wenn man abseits der klassischen Core-Immobilie in robuste Objekte oder Portfolios investiert, die aber dennoch Asset Management-Bedarf haben. Hier Gelegenheiten zu identifizieren, bei denen das Rendite-Risiko-Verhältnis attraktiv ist, und dann die Aufgaben abzuarbeiten, das erfordert einen gewissen Mehraufwand. Der sich aber lohnen kann. Die Umfrage zeigt ja auch, dass das Core Plus-Segment für viele Unternehmen der Assekuranz auf der Agenda steht.

VWheute: Welche Auswirkung hat die jüngst beschlossene Mietpreisbremse inklusive Bestimmung zur Bezahlung von Maklerdiensten auf die Attraktivität deutscher Immobilien für Versicherer?

Dietmar Fischer: Die Mietpreisbremse ist ein Phänomen, das beobachtet werden muss. Generell sehen viele Unternehmen, die auf deutsche Wohnimmobilien spezialisiert sind, im Moment noch keine große Gefahr für ihr Geschäftsmodell. Die Assekuranz, die ja größtenteils in Gewerbeimmobilien investiert, dürfte entsprechend noch weniger betroffen sein. Die Praxis wird hier aber erst noch zeigen müssen, wo und in welchem Umfang von dem Instrument Gebrauch gemacht wird, und wie sich die jeweiligen Wohnimmobilienbestände dann verhalten.

Auch das Thema Maklerdienste dürfte für die meisten Unternehmen der Assekuranz eher ein Randthema sein. Die Vermietung ist Aufgabe des Asset Managements oder des Property Managements, und die Aufgaben sind üblicherweise ausgelagert. Der Dienstleister wird im Sinne seines Auftraggebers schauen, dass er für ihn eventuelle Mehrkosten an anderer Stelle kompensiert. Es ist denkbar, dass das Thema eher den Wettbewerb unter den Dienstleistern anfacht.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Strategieberater bei Ernst & Young Real Estate (Quelle: Ernst & Young)

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