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Im Visier: Schmale Landstraßen und betrunkene Radler

30.01.2015 – Promillegrenze für Fahrradfahrer und Tempolimit auf Landstraßen: Der Verkehrsgerichtstag geht heute zu Ende und wird mit seinen Schlussfolgerungen – wie nachweislich in der Vergangenheit geschehen – die politische Agenda mitgestalten, Entscheidungen anstoßen.

Zentraler Diskussionspunkt ist die Promillegrenze für Fahrradfahrer. Derzeit gibt es keinen Gefahrengrenzwert, sondern nur eine absolute Grenze: Ab 1,6 Promille wird sofort ein Strafverfahren eingeleitet, wenn einer erwischt wird. “Dieser Wert ist nicht mehr zeitgemäß”, sagt Jürgen Koglin, Vizepräsident des Automobil-Clubs Verkehr ACV. “Wer kein vierrädriges Fahrzeug mehr unter Kontrolle hat, hat auch kein zweirädriges mehr im Griff.” Beim Pkw gilt die Grenze von 0,5 Promille.

Kay Nehm, Präsident des Verkehrsgerichtstages pflichtet bei: “1,6 Promille, das ist schon reichlich”, sagt er im ZDF. Auch der ADAC fordert hier strengere Regeln. Denn neuere Untersuchungen zeigten, dass alkoholbedingte Ausfallerscheinungen bei Fahrradfahrern bereits ab 1,1 Promille stark zunähmen, wird Sprecher Andreas Hölzel zitiert.

Einer Studie des Auto Club Europa ACE zufolge ist der Anteil von Unfällen unter Alkoholeinfluss bei Fahrradfahrern mit 4,4 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Autofahrern (2,3 Prozent). Mehr als 20 Prozent der betrunkenen Radler weisen mehr als zwei Promille Alkohol im Blut auf.

Dagegen kommt eine aktuelle Studie der Uni Düsseldorf – im Auftrag des GDV – zum Ergebnis, dass man keineswegs pauschal davon ausgehen kann, dass Radler ab 1,6 Promille grundsätzlich fahruntüchtig sind. “Nach unseren Ergebnissen müsste die Rechtsprechung eigentlich in dem Sinne revidiert werden, dass es keine Obergrenze mehr gibt”, sagt Thomas Daldrup der FAZ. Er hat die Studie verantwortet und gestern in Goslar vorgestellt. Trotzdem unterstützt der GDV die Forderung nach einer Promillegrenze von 1,1.

Promillegrenzen im Ausland

(Klicken zum Vergrößern) Grafik: Welche Grenzen gelten im Ausland und mit welchen Bußgeldern haben Radler zu rechnen, die erwischt werden? (Quelle: ADAC)

Diskutiert wird beim Verkehrsgerichtstag auch ein Tempolimit von 80 km/h für Landstraßen. 60 Prozent der Verkehrstoten sind hier zu beklagen. 2013 starben 1934 Menschen bei oder in der Folge von Crashs auf Landstraßen. Nach jüngsten Hochrechnungen könnten es laut Auto-Bild 2014 sogar noch etwas mehr gewesen sein.

Für die allgemein zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern seien viele Landstraßen nicht gebaut, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrates. Seiner Forderung nach einem grundsätzlichen Tempolimit auf schmalen Landstraßen schlossen sich Siegfried Brockmann (UDV) und Hannelore Herland (Deutsche Verkehrswacht) an.

Auch bauliche Maßnahmen werden hier diskutiert: „Hier hilft vor allem Geld für den Einbau von Schutzplanken und manchmal auch die Bereitschaft, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Überholverbote anzuordnen“, betonte GDV-Präsident Alexander Erdland anlässlich des Verkehrsgerichtstages 2015.

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe von VWheute das Resümee vom Goslaer Verkehrsgerichtstag zur Diskussion um das autonome Fahrzeug. (vwh/ku)

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