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IDD schafft neue Spielräume

11.08.2015 – EuropaEnde Juni haben sich die EU-Mitgliedsstaaten, das Europaparlament und die EU-Kommission auf eine neue Insurance Distribution Directive (IDD) geeinigt. Thomas Köhne und Markus Engelhorn von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin gehen davon aus, dass sich durch die IDD die Vergütungssysteme in vielen europäischen Ländern stark verändern werden.

Die nationalen Vergütungsregulierungssysteme in Europa sind sehr unterschiedlich. Dies gelte sowohl für die untersuchten Offenlegungspflichten als auch für die Courtage- oder sogar generellen Provisionsverbote. So existieren in den deutschsprachigen Ländern sowie in Frankreich und Italien keine oder nur spezielle Offenlegungspflichten. Zudem gibt es dort keine Provisions- und Courtageverbote. In Skandinavien unterscheiden die Regulierer stark nach Maklern und den übrigen Versicherungsvermittlern. Mit Ausnahme von Schweden gilt hier zudem ein Courtageverbot für Makler.

In Großbritannien und den Niederlanden herrscht ebenfalls eine stärkere Regulierung. Allerdings orientiert sich diese im Unterschied zu den skandinavischen Ländern nicht nach den Vertriebswegen, sondern an den vermittelten Produkten. Dabei besteht vor allem für komplexe Produkte sowie Vorsorge- und Investmentprodukte eine strenge Offenlegungspflicht (hard disclosure). Zudem gilt für diese Produkte ein generelles Provisionsverbot für alle Vermittler.

Die Ursachen für die länderspezifische Vergütungsregulierung sehen die Experten vor allem in den sehr heterogenen Vertriebswegestrukturen und deren zugrundeliegenden historischen Entwicklungen sowie in den länderspezifischen Marktverhältnissen und den unterschiedlichen Vertriebskulturen auf der Angebots- und Kundenseite.

Ebenfalls zu berücksichtigen ist der Umstand, über welche Vertriebswege Versicherungsschutz überhaupt zu erwerben ist und wie sich die Bevölkerung diesbezüglich verhält. Somit sollte der deutsche Gesetzgeber aus Expertensicht behutsam mit der Gestaltung der Vergütungsregulierung umgehen und die Freiräume der IDD nutzen. Auch in den sogenannten “Vorbildländern” des Verbraucherschutzes wird die Entwicklung genau zu beobachten sein. Hier sollte nach Ansicht von Köhne und Engelhorn kritisch zu hinterfragen sein, welcher Teil der Bevölkerung dadurch noch Zugang zu unabhängiger Beratung hat, sei es wegen der prohibitiv hohen Kosten oder wegen des Verschwindens von Versicherungsmaklern. (vwh/td)

Bildquelle: Schmuttel / pixelio.de

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Expert: Entschärfte Vermittlerrichtlinie schafft neue Spielräume, in VW 8/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

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