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HDI-Gerling macht Englands Straßen sicherer

16.09.2015 – Edgar Puls - HDI - Gerling quelle TalanxIm Interview mit VWheute spricht Edgar Puls, Leiter des Ressorts Kraftfahrtversicherung bei HDI-Gerling, über die zweijährige Erfahrung des telematik-basierten Risk-Management eines Fuhrparks in Großbritannien. Reine Telematik-Tarife in der Flottenversicherung werde es so bald weder auf dem deutschen noch englischen Markt geben. “Wir können auch heute schon die Risikoprämie sehr genau bestimmen.”

VWheute: Während Telematik in der deutschen Flottenversicherung noch wenig verbreitet ist, setzen Sie bei Ihren Kunden in England diese Technologie bereits seit zwei Jahren ein. Mit welchen Erfahrungen und Ergebnissen?

Edgar Puls: Wir bieten unseren Kunden in Großbritannien ein aus unserer Sicht sehr wirkungsvolles telematik-basiertes Risk-Management an. Die Nachfrage danach ist groß – vor allem bei Kunden, die ihre Flotten-Kosten monitoren und Kosten senken wollen. Telematik-Treiber ist also vor allem das Ziel, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Flottenmanager verfolgen den Total-cost-of-Ownership-Ansatz. D. h. eine Flotte wird einer ganzheitlichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unterzogen. Neben Anschaffungskosten sind die Hauptkostentreiber einer Flotte: Kraftstoffverbrauch, Verschleiß und Schäden bzw. Versicherungsprämie. Durch den intelligenten  und nachhaltigen Einsatz von Telematik können die drei letztgenannten Kostenblöcke reduziert werden. Daher gewinnt Telematik im Bereich des Flottenmanagements immer mehr an Bedeutung.

VWheute: Wie reagieren Kunden und Fahrer auf diesen Einsatz von Telematik?

Edgar Puls: Unsere Niederlassung in London bietet ausschließlich für solche Flottenbetreiber Kraftfahrtversicherungsprodukte an, die bereit sind, telematische Einheiten in allen ihren Fahrzeugen einzusetzen und diese auch zu nutzen, um das Fahrerverhalten zu optimieren. Es gibt Fahrer, die fahren ihr Fahrzeug oft im Grenzbereich, bremsen abrupt, beschleunigen bis in den roten Bereich usw. Neben dem offensichtlich erhöhten Kraftstoffbedarf und Verschleiß bei dieser Fahrweise steigt auch die Unfallwahrscheinlichkeit. Unsere Mitarbeiter beraten die Kunden deshalb dahingehend, wie sie auf das Fahrverhalten ihrer Fahrer mit Telematik-Unterstützung einwirken können. Wenn Sie so wollen, helfen wir dabei, die Straßen in England sicherer zu machen.

VWheute: Wirkt sich das dort auch für die Kunden auf den Tarif aus?

Edgar Puls: Wir gehen dort an eine Flottenkalkulation zunächst genauso heran, wie wir das für einen Kunden ohne telematische Einheiten tun würden. Auf Basis dieser Kalkulation setzen wir eine Zielvereinbarung mit unserem Kunden auf. Diese kann z.B. lauten: Wenn deine Schadenfrequenz und der Schadendurchschnitt so stark sinken, dass die Flotte das von uns formulierte Ziel erreicht, dann reduzieren wir im Folgejahr den Beitrag für deine Flotte um einen Faktor X. Der Flotten-Manager wird damit motiviert, die telematischen Informationen zu nutzen, um auf das Verhalten der Fahrer so einzuwirken, dass die Schadenfrequenz der ganzen Flotte sinkt. Bei einigen Kunden in England haben wir Spitzenwerte von einem Rückgang der Schadenfrequenz um rund ein Drittel erreicht.

VWheute: Was könnte man davon für den deutschen Markt ableiten?

Edgar Puls: Wir sehen an unseren Erfahrungen, dass Telematik zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit eines Fuhrparks sehr nützlich sein kann. Mittelfristig kann damit wahrscheinlich auch der erhöhte Aufwand kompensiert werden, den Investitionen in Technik und die erforderliche Management-Attention im Unternehmen bereiten. Einen reinen Telematik-Tarif sehen wir derzeit in der Flottenversicherung auf dem deutschen Markt aber genauso wenig wie auf dem britischen. Denn wir können auch heute schon bei unseren deutschen Kunden die Risikoprämie sehr genau bestimmen, wenn die üblichen Informationen zur Tarifierung einer Flotte vorliegen – also z.B. Flottengröße, detaillierte Schadenhistorie über mehrere Jahre, Einsatzzweck, etc. Unser Ansatz geht deshalb in die Richtung, das gesamte Flottenmanagement zu optimieren und damit die Gesamtkosten zu reduzieren. Das kann dann z. B. auch beinhalten, dass der Einsatz von Telematik zu einem sicheren Fahrverhalten und schließlich auch zu einem geringeren Schadenaufwand führt.

VWheute: Wie lautet Ihre Prognose für die Mobilität 2030? Braucht es bei selbstfahrenden Autos überhaupt noch eine Kfz-Versicherung?

Edgar Puls: Der Betrieb eines Fahrzeugs stellt immer ein Risiko dar. Das wird wohl auch in der Zukunft bei autonom fahrenden Autos grundsätzlich so sein. Ebenso wird es weiter Bedarf für Versicherungsschutz des Fahrzeugs selbst geben, z.B. gegen Schäden durch Diebstahl oder Hagel. Insgesamt bleibt abzuwarten, ob es zu einer Verschiebung innerhalb der Versicherungsdeckungen bzw. Versicherungsprodukte kommen wird. Soweit man das heute beurteilen kann, werden auch in zehn oder zwanzig Jahren von Kraftfahrzeugen Risiken ausgehen, die zu versichern sein werden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Edgar Puls, Leiter des Ressorts der Kraftfahrversicherung bei HDI-Gerling (Quelle: Talanx)

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