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Haselsteiner: Versicherer bald so pleite wie Fluglinien

17.11.2016 – Robert Haselsteiner - quelle interhypInterhyp ging als erstes Internet-Unternehmen nach dem Dotcom-Crash an die Börse und ist zum größten Kreditvermittler für Immobilienfinanzierungen in Deutschland aufgestiegen. Mitgründer Robert Haselsteiner erklärt im Gespräch mit der Versicherungswirtschaft, warum Versicherer so enden können wie viele Fluglinien. “Jeder braucht sie und nutzt sie, jedes Jahr fliegen mehr Leute – aber praktisch keine Fluglinie verdient Geld.”

VWheute: Mit ihren Investitionen rangeln die vielen Fintechs und Insurtechs um die Führungsposition am Markt. Der Größte wird am Ende das Geschäft machen. Warum neigt das Internetgeschäft eigentlich so stark zu Monopolen?

Robert Haselsteiner: Größe und Relevanz bei der Zielgruppe führt im Internet zu Beschleunigungseffekten und selbstverstärkenden Trends. Der Google-Algorithmus stellt darauf ab und die viralen Effekte entstehen auch durch Userverständnis. Wenn Nutzer eine Internet-Marke “gelernt” haben, dann wird es für andere prohibitiv teuer, über Marketing anzukämpfen.

VWheute: Direktfinanzierer gibt es schon lange. Im Bankwesen haben sich Comdirect oder ING-Diba durchgesetzt. Im Versicherungswesen nur Check24. Eine Revolution sehe anders aus, echte Produktinnovation gebe es nicht, bemängeln Kritiker. Brauchen traditionelle Versicherer sich überhaupt Sorgen zu machen?

Robert Haselsteiner: Traditionelle Versicherer müssen sich sehr wohl Sorgen machen – denn das Kerngeschäft, in dem sie agieren, kommt durch die Transparenz, die der Kunde heute hat, immer mehr unter Margendruck. Genauso wie Banken schon in den vergangenen 15 Jahren durch den Eintritt von Direktbanken und Vergleichsplattformen Margen verlieren, so kommt das zunehmend auch bei Versicherungsprodukten. Es ist heute leichter, Preis und Leistung gegenüberzustellen. Damit werden mittelfristig nur die Versicherer erfolgreich sein, die ihre Produktionsprozesse optimal im Griff haben. Internet geht nicht mehr weg und Mobile ist mehr und mehr im Vormarsch. Viele hoffen darauf, dass das nur Modetrends sind. Nur ganz wenige Versicherer bewegen sich heute schnell genug, um Antworten auf diese Herausforderungen zu bieten.

Ein Beispiel: Banken und Versicherer könnte das gleiche Schicksal treffen wie Fluglinien. Jeder braucht sie und nutzt sie, jedes Jahr fliegen mehr Leute – aber praktisch keine Fluglinie verdient Geld und die Börsenbewertungen sind mickrig. Nur fokussierte Billigairlines wie Southwest oder Ryanair erzielen Gewinne und sind hoch bewertet. Einstige Start-ups, die die Platzhirsche angegriffen haben – es wird also noch weitere Paypals geben – aber nicht viele.

VWheute: Der Vergleich hinkt. Bei den Fluglinien handelt es sich um Produzenten eines Produkts, aber bei den meisten Fintechs und Insurtechs handelt es sich um Vermittler.

Robert Haselsteiner: Das sehe ich anders: Fluglinien leasen Flugzeuge und nutzen Flughäfen, die sie nicht selbst betreiben und bringen nur eine Dienstleistung – und das in einem ruinösen Wettbewerb. In der Finanz­dienstleistung gibt es drei Bereiche: Das Kundenfrontend, das Middleoffice mit den Abwicklungsprozessen und das Risikomanagement im Backend. Bei Banken also die Bilanz und bei Versicherungen die Rückversicherung. Fintechs werden sich vor allem auf das Kundenfrontend konzentrieren, da dort die heutigen Spieler die größten Schwächen und Kanalkonflikte zwischen Internet- und Offline-Vertrieb haben. Dazu kommen zunehmend Start-ups, die in das Middleoffice vordringen und dann in Zukunft direkt mit Rückversicherungen zusammenarbeiten – also die Bilanzen der heutigen Spieler gar nicht mehr nutzen müssen. Bestehende Spieler müssen sich fragen, ob sie alle drei Bereiche wettbewerbsfähig abdecken können.

bestellen_vwhLesen Sie das vollständige Interview mit den beiden Interhyp-Gründern Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf über rentable Investments in Online-Versicherungsordner, in VW 10/2016 (Einzelbeitrag)

Bild: Robert Haselsteiner (54) gründete gemeinsam mit Marcus Wolsdorf 1999 den Baufinanzierungsvermittler Interhyp, der 2005 an die Börse ging und 2008 von der ING Direct übernommen wurde. Seit 2011 richten die beiden Gründer mit ihrer Beteiligungsgesellschaft HW Capital den Fokus auf Fintechs wie Finanzchef24, GetSafe, Savedo, Bonify und Payworks sowie das Online-Verbrauchermagazin Finanztip, welches sie 2013 starteten, um Konsumenten über Finanz­themen zu informieren. (Quelle: Interhyp)

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