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Haftpflicht: Krankenhausträger stehen unter Druck

13.12.2013 – Es gibt Risiken, da rollen Versicherer und Makler mit den Augen. Haftpflicht im Heilwesen gehört dazu. Ärzte, Krankenhäuser und Hebammen sind bei tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern mit immer höheren Ansprüchen und unvorhersehbaren Spätschäden konfrontiert. Gestiegene Lebenserwartung von Geschädigten führt zu höheren Kosten auch in der Abwicklung von Altschäden.

Jahrelang wurde in der Versicherungsbranche zu niedrig reserviert. 2012 knickte mit Zürich der erste Versicherer ein und zog sich aus dem Geschäft zurück. Heute sind deutschlandweit nur noch sechs Versicherer in diesem Zweig aktiv.

Steigende Prämien und Engpässe im Angebot von höheren Deckungssummen wie sie insbesondere in der Geburtshilfe benötigt werden, setzen öffentlich-rechtliche und private Krankenhausträger in Deutschland unter Druck. Die Krankenkassen stemmen sich ihrerseits dagegen, diese Kosten in den Leistungsvergütungen einzukalkulieren. Um Lösungswege zu diskutieren, traf sich die Branche am 12. Dezember in Düsseldorf auf der Euroforum-Konferenz „Captives, Selbstversicherung und Eigentragungsmodelle“.

Selbstbehalte im Frequenzbereich sind keine nachhaltige Lösung des Dilemmas. Prämien reduzieren sich zwar, dafür trifft unter Umständen unvorhergesehene Schadenhäufung die Bilanz. Durch Spätschäden im Schadenereignisprinzip („loss occurrence basis“), extrem lange Abwicklungsdauer und unvorhersehbare Kostenentwicklungen sind Eigentragung oder Captive-Einsatz mit hohen Risiken verbunden.

Versicherungskonzepte auf Anspruchserhebungsbasis („claims made“) eliminieren die Spätschadenproblematik und ersparen den Versicherern böse Überraschungen aus früheren Zeichnungsjahren. Der Wechsel von „loss occurrence“ nach „claims made“ ist aber wegen der dabei entstehenden Deckungslücken nicht leicht zu vollziehen. Im Ausland ist das „claims made” – Prinzip bereits weit verbreitet und einige Teilnehmer sprachen sich für einen entsprechenden Paradigmenwechsel aus.

Gesellschaftlich ist das Thema höchst brisant. Unversicherbarkeit von Haftung aus medizinischen Dienstleistungen führt zu einer Ausdünnung der medizinischen Grundversorgung. So wurde auf der Tagung mehrfach der Ruf nach der regelnden Hand der Politik laut – aber auch die Forderung, dass Krankenhäusern ihr Risikomanagement weiter professionalisieren. (wm)

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