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Guido Bader exklusiv: „Pflegeversicherung braucht weitere Reformen“

25.02.2014 – guido-bader-150Guido Bader, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Versicherungsgruppe, ist der Auffassung, dass für viele Menschen das Pflegefallrisiko noch in weiter Ferne liege und man sich erst ernsthaft damit beschäftige, wenn im engeren Umfeld ein Pflegefall erlebt werde. Branche und Gesetzgeber müssten noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten, um hier ein Bewusstsein zu schaffen. Zudem bedürfe es intelligenter Problemlösungen, um schon in jungen Jahren zu geringen Kosten eine erste Pflegeabsicherung erwerben zu können.

VWheute: Wie fördert  man am besten das Bewusstsein für das Thema Pflegevorsorge und eine  zusätzliche Absicherung der Pflegelücke, anders gefragt, warum hinkt die Zahl der Abschlüsse hinter dem Bedarf her? Was läuft da falsch in der Bevölkerung?

Bader: Für dieses Phänomen gibt es mehrere Gründe. Gerade bei den Jüngeren liegt der Fokus vor allem auf der Absicherung der Berufsunfähigkeit sowie dem Aufbau einer Altersvorsorge. Dazu kommen Absicherungsbedarfe aus der Sachversicherung, wie die Privathaftpflicht, die Hausratversicherung oder die Kfz-Versicherung. Bei vielen bleibt da schlichtweg zu wenig übrig, um sich auch noch gegen den Pflegefall abzusichern. Auf der anderen Seite ist das Thema Pflege für viele auch noch in weiter Ferne. Man beschäftigt sich erst ernsthaft mit der Thematik, wenn man selbst einmal einen Pflegefall im engeren Umfeld erlebt hat. Hier müssen die Branche, aber auch der Gesetzgeber noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, damit sich die Menschen früher und bewusster mit diesem zugegebener Maßen unangenehmen Thema beschäftigen. Zudem bedarf es intelligenter Produktlösungen, die es den Versicherten erlauben, bereits in jungen Jahren mit geringen Kosten eine erste Pflegeabsicherung zu erwerben, die im Alter ohne erneute Gesundheitsprüfung aufgestockt werden kann.

VWheute: Warum ist das Kapitaldeckungsverfahren gerade für die Absicherung des Pflegefallrisikos besser geeignet als das staatliche Umlagesystem?

Bader: Das Pflegerisiko tritt erst nennenswert ab einem Alter von 75 Jahren auf. Wer frühzeitig kapitalgedeckte Vorsorge betreibt, hat auch bei geringen Zinssätzen erhebliche Zinseszinseffekte. Das spricht klar für ein kapitalgedecktes System. Dazu kommt die demographische Entwicklung. Umlagesysteme funktionieren sehr gut in jungen und wachsenden Gesellschaften. In einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft wie der Deutschen sind Umlagesysteme zum Scheitern verurteilt.

VWheute: Wo sollte der Weg hingehen, staatliche oder private Pflegevorsorge oder anders gefragt, gibt es den Königsweg?

Bader: Einen Königsweg gibt es sicherlich nicht. Eine staatliche Komponente ist sicherlich wichtig und auch richtig. Hierdurch wird eine gewisse Grundsicherung dargestellt, die aber bei Weitem nicht ausreichen wird. Daher ist ein großer Markt für die private Pflegevorsorge gegeben, den es nun auszuschöpfen gilt.

VWheute: Welche Konsequenzen  hat das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) für die privaten Versicherer?

Bader: Das PNG ist nur ein Anfang von weitreichenden Reformen in der Pflegeversicherung, die kommen müssen und gemäß Koalitionsvertrag auch kommen werden. Eines wird allen Reformen aber gemein sein: Bundeshaushalt und Sozialkassen können nicht über Gebühr belastet werden, so dass eine beachtliche – und künftig eher noch wachsende – “Pflegelücke” bleiben wird, die es durch private Vorsorge zu schließen gilt. Durch die Förderung der privaten Vorsorge im PNG ist der Weg hierfür ja auch schon geebnet. Positiv für die private Versicherungswirtschaft ist zudem die Tatsache, dass durch die Reformen deutlich mehr Bewusstsein für die Notwendigkeit privater Vorsorge geschaffen wird.

Das Interview führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte

Bild: Guido Bader, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Versicherungsgruppe, sieht in der Pflegeversicherung weiteren Reformbedarf. (Quelle: Stuttgarter)

Link: MÄRKTE

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