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Deutliche Kluft zwischen den Tarifpartnern AGV und Verdi

23.03.2015 – agv_verdi_beutelmann_kaspar_150Ein Streik ist in der Versicherungswirtschaft derzeit kein Thema. Die Verhandlungen für die rund 170.000 Beschäftigten im Innendienst haben soeben in Karlsruhe begonnen. Dennoch zeichnen sich erste Bruchlinien ab, wie aus den Interviews ersichtlich wird, die beide Tarifparteien exklusiv gegenüber VWheute gaben.

“Wir haben eine neue Verhandlungskommission, die wir bei Ver.di gewählt haben, und sie musste sich finden und sie hat sich gut gefunden. Wir haben eine Mischung aus erfahrenen Tarifpolitikeren und neuen Kollegen, die jetzt hineinschnuppern in das Tarifgeschäft. Wir blicken auf eine Situation mit richtig guten Unternehmensergebnissen im vergangenene Jahr. Auf der anderen Seite gibt es auch Herausforderungen für die Branche und in diesem Korridor befanden sich unsere ersten Beratungen und die erste Verhandlungsrunde.

Dazu Dr. Josef Beutelmann vom Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e. V. (AGV), als Verhandlungsführer:

“Die Stimmung ist produktiv-konstruktiv gewesen. Wir haben uns gegenseitig ausgetauscht über die volkswirtschaftliche Lage aber auch über die versicherungswirtschaftliche Lage. Natürlich hat es zu einzelnen Positionen unterschiedliche Standpunkte gegeben. Aber alles in allem kann ich sagen, dass die Stimmung insgesamt konstruktiv war.

Dreh- und Angelpunkt der Diskussion war die Gehaltsforderung von 5,5 Prozent mehr Lohn, bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten. Zur Begründung dieser Forderung sagte Meister:

Tarifverhandlungen_Arbeitnehmer_kaspar_450

“Wir haben eine erhebliche Steigerung der Produktivität und diese führt zu Unternehmensgewinnen, z.T. sogar zu Rekordgewinnen, wenn man an den Marktführer Allianz denkt. Da sind 5,5 Prozent allemal angemessen. Zwölf Monate ist für uns der übliche Betrachtungszeitraum. Das bietet dann auch die Gewähr um auf Veränderungen in der Branche um auf Veränderungen beim Zinsniveau oder der Inflationsrate reagieren zu können.”

Eine Argumentation, die AGV-Vertreter Beutelmann so nicht teilen wollte:

“Zunächst einmal: Wir haben schon im Vorfeld gesagt, dass wir diese Forderung für zu hoch halten. Die Gewerkschaften haben begründet, wie sie zu diesen 5,5 Prozent gekommen sind. Wir haben dazu eine andere Auffassung, wie man zu diesen 5,5 Prozent letztlich gekommen ist. Wir halten das für überhöht. Und wir haben natürlich auch nicht den Aspekt, das man sagen kann, die Inflationsrate soll 2,0 Prozent als Ausgangspunkt sein (EZB-Orientierung, Anm. d. Red.), dazu kann man auch nicht die Trendproduktivität und einen Verteilungsspielraum hineinrechnen. Diese Auffassung von Ver.di teilen wir nicht.”

Wie schätzen sie denn die Möglichkeit einer Einigung ein?

“Wir sind ja erst am Anfang der Tarifverhandlungen, wir haben uns verabredet für den 28.04. zur zweiten Runde. Wir werden dort noch einmal vertieft auf die Versicherungssituation eingehen. Insbesondere auch letztlich über die Ergebnisse einzelner Unternehmen sprechen, das war der Wunsch von Ver.di. Ansonsten werden wir dann sehen, wie sich die Tarifverhandlungen weiter entwickeln.”

Und Christoph Meister ergänzt: “Wenn Sie mich jetzt nach der ersten Verhandlungsrunde fragen, liegen wir allein bei der Bewertung deutlich auseinander. Da müssen wir uns noch gewaltig annähern, um dann in der dritten Tarifrunde, im Mai in Hamburg, zu einem Tarifergebnis zu kommen.” (ak)

Fortsetzung des Interviews mit Dr. Josef Beutelmann auf VWheuteTV.

Fortsetzung des Interviews mit Christoph Meister hier auf VWheuteTV.

Bild: Dr. Josef Beutelmann, AGV-Verhandlungsführer im Dialog mit Verdi./ Bild 2: Vertretung der Arbeitnehmer. (Quellen: Kaspar)

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