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“Grenzen der Versicherbarkeit ausdehnen”

15.03.2016 – arnoldussen_munich_reDie Munich Re wird nach der Erneuerung zum Jahreswechsel ihr Prämienvolumen in diesem Jahr um wohl 0,7 Prozent steigern, bei einem Rückgang des technischen Preises um ein Prozent. Angesichts der heftigen Konkurrenz unter den Rückversicherern ist das ein beachtenswerter Erfolg. Munich-Re-Vorstand Ludger Arnoldussen spricht im Exklusiv-Interview mit VWheute über Wachstumsfelder und das Asiengeschäft.

VWheute: Die Rückversicherer hatten vier unterdurchschnittliche Schadenjahre in Folge. Ist das ein Zufall oder ein Trend?

Ludger Arnoldussen: Die Schäden aus Naturkatastrophen sind 2015 tatsächlich erneut niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Dabei hat das natürliche Klimaphänomen El Niño eine wichtige Rolle gespielt, denn es dämpft die Hurrikanaktivität im Nordatlantik, während sich in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern starke Überschwemmungen und Hitzewellen ereigneten. Die tödlichste und teuerste Katastrophe gemessen an den Gesamtschäden war mit dem Erdbeben in Nepal im April 2015 übrigens ein Ereignis in Asien.

Global sind vergleichsweise geringe Schäden aber kein Signal der Entwarnung: Die Wissenschaft geht derzeit davon aus, dass die aktuell starke El-Niño-Phase 2016 schon in das Gegenteil, also eine La-Niña-Periode, umschwenken könnte. Eine La-Niña-Periode würde beispielsweise im Nordatlantik die Entstehung von Hurrikanen wieder begünstigen. Der Anteil der versicherten Schäden war bei Katastrophen wie in Nepal und anderen Entwicklungs- und Schwellenländern weiter sehr gering. Munich Re ist als Risikoträger an Risikopools beteiligt, die länderübergreifend Versicherungsdeckung für Risiken aus Wetterkatastrophen und teilweise auch Erdbeben und Tsunamis bieten. Diese erst in den vergangenen Jahren geschaffenen Pools gibt es in der Karibik (Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility, CCRIF), für pazifische Inselstaaten (Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative, PCRAFI) und in Afrika (African Risk Capacity, ARC).

VWheute: Worin sehen Sie die wichtigsten strategischen Wachstumsfelder für die Munich Re?

Ludger Arnoldussen: Technischer Fortschritt, demografischer Wandel und regulatorische Änderungen eröffnen uns Möglichkeiten für profitables Wachstum. In Zukunftsfeldern wie erneuerbaren Energien, Cyber und Wetterrisiken entstehen Chancen durch innovative Produkt- und Servicelösungen für unsere Kunden. Gemeinsam mit ihnen arbeiten wir permanent daran, die Grenzen der Versicherbarkeit auszudehnen.

Beispielsweise ergeben sich für uns aus der zunehmenden digitalen Vernetzung und dem raschen Wandel im Bereich von Hard- und Software erhebliche Geschäftschancen, etwa bei Betriebsunterbrechungen ohne vorweggehenden Sachschaden oder bei der Deckung von Cyberrisiken. Nach einer aktuellen, stichprobenartigen, aber nicht repräsentativen Umfrage von uns, rechnet fast ein Drittel der Versicherungsunternehmen in Asien mit einem Wachstum des Marktes für Cyberversicherungen um 50 Prozent in den kommenden drei Jahren. Zudem bietet die Entwicklung der Schwellenländer grundsätzlich – nicht nur in Asien – Gelegenheiten zum profitablen Ausbau unseres Geschäfts. Denn der Bedarf an Versicherung wächst, da Werte und Versicherungsdichte aufgrund steigender Industrialisierung insbesondere in vielen naturgefahrenexponierten Regionen auch und gerade in Asien stark zunehmen.

VWheute: Die Munich Re hat sich in Asien tendenziell eher zurückgehalten. Wie schätzen Sie die Geschäftsmöglichkeiten dort mittelfristig ein?

Ludger Arnoldussen: Da widerspreche ich – wir sind in Asien sehr erfolgreich mit allen Zweigen der Erst- und Rückversicherung vertreten, als Rückversicherer sind wir sogar schon seit 1912 dort aktiv. 2014 haben wir 2,6 Mrd. Euro Bruttoprämien nur in der Rückversicherung in Asien erzielt und das bei strikter Orientierung an Profitabilität. Wir sehen Asien seit langem als wichtige Zukunftsregion. Nach Einschätzung unserer Volkswirte dürfte der Anteil der asiatischen Schwellenländer am weltweiten Prämienaufkommen auf dem Versicherungsmarkt von 10 Prozent im Jahr 2014 auf über 17 Prozent im Jahr 2025 steigen. Der chinesische Markt, 2015 mit einem Prämienvolumen von geschätzt rund 270 Mrd. Euro bereits der weltweit viertgrößte Erstversicherungsmarkt, wird das Beitragsaufkommen bis 2025 mehr als verdoppeln und dann der zweitgrößte Markt weltweit sein.

Die Fragen stellte Value-Chefredakteur Christoph Baltzer.

Bild: Ludger Arnoldussen, Vorstand der Munich Re (Quelle: Munich Re)

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