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“Google ist im Vorteil gegenüber Versicherern”

11.07.2016 – Pluta_SollersAuch ohne direkten Eintritt in den Versicherungsmarkt kann Google mächtig auf die Branche wirken. Davon ist Marcin Pluta, Managing Partner bei Sollers Consulting, überzeugt. Im Interview mit VWheute hat er Ansätze parat, wie sich auch Versicherer im Datengeschäft innovativ aufstellen können und im Kampf um die Gunst der Generation mithalten können.

VWheute: Wo sehen Sie Google als Vorbild für die Versicherungswirtschaft?

Marcin Pluta: Google verfügt über eine ganze Reihe an Daten. Und damit ist Google im Vorteil, da Versicherer diese Daten nicht haben. Diese Daten könnten, im Zusammenhang mit neuen Versicherungsprodukten, in der Zukunft Verwendung finden. Auf Basis dieser Daten könnte Google eine Rating Engine entwickeln, Versicherern anbieten und als Service vertreiben. Das könnte z.B. Daten betreffen, die mit Geolokalisierung in Verbindung stehen wie z.B. Kundenverhalten im Bezug auf Reisetätigkeiten oder Social Data durch Google+ wie beispielsweise Freizeitbeschäftigungen, Freunde etc. in Anlehnung an Facebook.

Ein weiterer Bereich wäre das gesamte Kundenverhalten im Internet: Auf welchen Webseiten schaut sich der Kunde um? Was kauft er online? Was sucht er genau? Zudem könnte Google die Versicherer ebenfalls als Verkaufskanal unterstützen: dem Kunden genau im richtigen Moment ein speziell für ihn zugeschnittenes Versicherungsangebot unterbreiten. Der Kunde ist auf der Suche nach einem Hotel oder einem Flug und schon wird ihm eine Reiseversicherung angeboten oder er schaut sich im Internet nach einem Auto an und schon wird eine Kfz-Versicherung angeboten.

VWheute: Wie können Versicherer hier aufholen?

Marcin Pluta: Für Versicherer könnte es sehr schwierig sein, Player wie Google oder Facebook mit ihren fortgeschrittenen Technologien einzuholen. Alternativ könnten sich Versicherer nach Partnerships/Kooperationen mit Partnern umsehen, die in neuen Technologien starke Kompetenzen haben und die entweder über Kundendaten verfügen, die Versicherer nicht haben und die zudem noch Know-how im Bereich Big Data und wie man dies im Business nutzen kann vorweisen verfügen oder die in direktem Kontakt mit dem Kunden stehen und verschiedenen Zielgruppen maßgeschneiderte Produkte anbieten können.

Dies ist insbesondere für die junge Generation wichtig, die hauptsächlich in der digitalen Welt unterwegs ist. Die Generation Y würde für den Kauf einer Versicherung eher keinen Versicherungsvertreter kontaktieren, sondern den Kauf eher „nebenbei“ durch einen einfachen Klick abschließen währenddessen sie im jeweiligen Moment eigentlich einer anderen Hauptbeschäftigung online nachgeht. Wenn es um Investitionen seitens der Versicherer geht, so sollten sie in flexible IT-Systeme investieren, die die Kommunikation mit dem System des jeweiligen Kooperationspartners erheblich vereinfachen. Durch ein schnelles “time to market” neuer Versicherungsprodukte könnten Versicherer ebenfalls aufholen: Produktspezifizierung mit hohem Focus auf die jeweilige Zielgruppe und gleichzeitig eine Produkteinführung, die mit niedrigen Kosten verbunden ist und sich schnell umsetzen lässt.

VWheute: Welche Rolle spielen einheitliche (Produkt-)Standards wie Bipro und welche Chancen und Risiken sehen Sie hier für die Fertigungsstraße der immateriellen Versicherungsprodukte?

Marcin Pluta: Durch einheitliche Standards gestaltet sich die Integration weniger kostenintensiv. Was die immateriellen Versicherungsprodukte anbelangt: als Beispiel könnte man die Cyberkriminalität anführen.

Da immer mehr Businessaktivitäten in digitale Kanäle verlagert werden, wächst hier das Risiko für Unternehmen und bietet Versicherungsprodukten eine Vorlage. Für Betriebsversicherungen eher eine Perspektive. Eine Bank, die mit einem Versicherer kooperiert kann ihren Kunden z.B. ein „Sicherheitspaket“ für die Durchführung von Internettransaktionen anbieten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

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