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Gewinn ist nicht alles, die Spielweise zählt

01.04.2016 – Red cardVon Dirk Solte. Gewinnen unter Einhaltung von Regeln im globalisierten Finanzfeld, in dem die Regeln nicht einheitlich sind – so lautet die Compliance-Herausforderung der Zukunft. Daran scheiterte zuletzt nicht nur der Volkswagen-Konzern. Ist Compliance nur ein theoretischer Überbau oder kann man aufgedeckte Skandale um Korruption, Geldwäsche und Datenmissbrauch als funktionierende Compliance werten?

Wenn Adam Smith mit seinem Menschenbild richtig gelegen hätte, gäbe es überhaupt nicht das Problem, eine Regelkonformität sicherzustellen, da der Moral Sense bei jedem Einzelnen auf ein bestmögliches Gemeinwohl ausgerichtet wäre.

So die Theorie, was aber ist die Praxis? Selbst Gesetze, Bußgeldkataloge und Strafverfolgungen reichen nicht aus, um “gutes Handeln” im Sinne demokratisch legitimierter Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten. Doch ist alles, was legal ist, auch legitim? Gesetzeskonformität bedeutet noch lange nicht Reputation und Kundenzuneigung. Selbst die Mitarbeiter des Konzerns können die Art und Weise ablehnen, wie ihr Arbeitgeber versucht, Marktanteile zu auszubauen, um den Ansprüchen der Investoren zu genügen. Gewinnen ist offensichtlich nicht alles. Auch die Spielweise zählt.

Das Maß für die Bewertung der Spielweise im volkswirtschaftlichen Wettbewerb ist dabei ein ethischer Wertekanon, der im Prozess der menschlichen Sozialisierung in eine Mentaimplementation überführt wird. Daraus ergibt sich der von Adam Smith angenommen Moral Sense aller gesellschaftlicher Mitglieder. Auch ohne Regeln und Gesetze gibt es so Grenzen der gesellschaftlichen Legitimierung legaler Spielzüge.

Um diese Legitimierung nicht zu verlieren, muss als originäre Führungsentscheidung eine Compliancekultur festgelegt werden. Dabei handelt es sich um die richtige Balance zwischen der Vorgabe einer strikten Befolgung gesetzlicher Vorgaben und betrieblicher Anweisungen auf der einen Seite, sowie einem gerechtfertigten Vertrauen in die Mündigkeit der Belegschaft zu eigenverantwortlichem Entscheiden auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel auf der anderen Seite.

Von Export- und Sanktionskontrollen, über Geldwäsche, Kartellrecht, Due Dilligence in der Lieferkettenproblematik bis hin zur IT-Compliance im Cyber-Zeitalter – alle diese Bereiche tangieren das Geschäft der Versicherer: Alles in allem geht es um Risikomanagement und -minimierung.

Ein Versicherer hat die Gewährleistung von Zukunft für sein Kundenkollektiv im Fokus. Ein Risikomanager eines Investmentvehikels den Shareholder Value. Eine Balance ist alles andere als einfach. Die Gratwanderung und Balance könnte darin bestehen, klar und deutlich zu kommunizieren, wann “der Markt” eine Abweichung vom selbstgesetzten Anspruch erzwingt, wenn es für die Gewährleistung von Zukunft erforderlich ist. Damit verbunden ein Engagement im Diskurs zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft, um aktiv daran mitzuwirken, das ökonomische und gesellschaftliche Miteinander zu gestalten.

Bild: Fotolia / giromin

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