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Gesundheitsförderung statt Krankenversicherung

23.10.2015 – NBVT_Forum_II_150_Kaspar“Gesundheitsförderung statt Krankenversicherung – Der gläserne Versicherungsnehmer”. Unter diesem Motto diskutierten auf dem 10. Nordbayerischen Versicherungstag in Coburg je ein Vertreter aus Politik, Verbraucherschutz, Verband und Psychologie. Auch wenn nach kurzer Abfrage die Zahl der Nutzer von Gesundheits-Apps im Forum zwei überschaubar war, spiegelte das große Publikumsinteresse im gut gefüllten Audimax der Hochschule Coburg die Brisanz des Themas wider.

Mit Herrn Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht, Herrn Timm Genett, Geschäftsführung für die Abteilung Politik beim Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV), der für den eigentlich erwarteten Vertreter der Generali eingesprungen war, Herrn Niko Kohls, Psychologe und Professor für Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Coburg und der CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner, ausgebildete Krankenpflegerin und Gesundheitsexpertin, hatte der Nordbayerische Versicherungstag geballte Kompetenz auf das Podium gebracht. In der Diskussion wurden, bei vielen Gemeinsamkeiten, deutliche Bruchlinien sichtbar.

Laut Umfragen haben Dreiviertel der Versicherungsnehmer keine Probleme Gesundheitsinformationen aus dem World Wide Web zu beziehen, eine Mehrheit würde zudem gerne den Kontakt zum Hausarzt online organisieren und auch Rezeptinformationen dürfen gerne aus dem Netz kommen. Dazu passt, dass die Bayerische Staatsregierung erst vor wenigen Tagen ein Pilotprojekt zur digitalen Fallakte auf den Weg gebracht hat, mit dem Ziel die Kosten zu senken.

Vor diesem Hintergrund lenkte Thomas Kranig den Blick auf die dunkle Seite der Digitalisierung, nämlich das Thema Datenschutz: Während in Europa die harmonisierende Kraft der EU-Datenschutzrichtline wirkt, profitieren US-amerikanische Firmen von einem völlig anderen Rechtssystem, in dem das Sammeln von Daten gar kein Tatbestand darstellt. Dort kann jeder machen was er will, lediglich Gesundheits- und Kinderthemen sind sehr streng reglementiert. Hier prallen regelmäßig die unterschiedlichen Rechtssysteme aufeinander, so Kranig. Allerdings versuche sein Amt auch die Belange der Wirtschaft zu wahren, falls Bürger zu viel forderten.

Auf die Trilogverhandlungen zwischen Rat, Europäischem Parlament und EU-Kommission zum Vorschlag über die Datenschutz-Grundverordnung wies die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner hin. Auch auf Bundesebene genieße das Thema hohe Priorität. Um die Daten der Nutzer besser zu schützen, forderte Zeulner für Gesundheits-Apps die Schaffung und Einführung eines Qualitätssiegels Datenschutz. Des Weiteren wies Zeulner darauf hin, dass im System der Krankenversicherung zwar genügend Geld sei, dies werde aber an einigen Stellen falsch ausgegeben. Andere Parteien seien der Ansicht, man müsse noch mehr Geld in das System stecken. Dies halte sie jedoch für den falschen Weg, da es auch ein Auskommen für die Generationen von morgen geben müsse.

Auf Siegel wollte sich der Gesundheitswissenschaftler Kohls allerdings nicht verlassen. Vielmehr müsste mit sanftem Druck auf die positiven Effekte der Prävention und Gesundheitsförderung eingewirkt werden. Außerdem werde die Dynamik der auch ganz aktuellen demografischen Probleme die Politik zu völlig neuen Ansätzen zwingen.

Dem entgegnete der PKV-Vertreter Timm Genett, dass den Privaten die Kategorie “Verhalten” gänzlich unbekannt seien und in der Risikoabwägung und Kalkulationsgrundlage (noch) keine Rolle spielten. Kritisch sieht er in dem Zusammenhang die weitere “Atomisierung des Versichertenkollektivs”, Stichwort Segmentierung. Abschließend warnte Genett vor der Portabilität von Versicherungsansprüchen, denn es wechseln in der Regel die guten Risiken, mithin produziere Portabilität eine Entsolidarisierung des Versichertenkollektivs (Siehe POLITICS und KÖPFE). (vwh/ak)

Bild: Das Expertenforum 2: Gesundheitsförderung statt Krankenversicherung. Quelle: (ak)

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