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Gespaltenes Verhältnis zur Gesundheit

22.09.2016 – Krankenversichertenkarte_Arztpraxis - Quelle DAKDas deutsche Gesundheitswesen gehört derzeit zu den leistungsfähigsten Systemen. 93 Prozent der Ärzte und 82 Prozent der Bevölkerung beurteilen das Gesundheitssystem nach wie vor als gut bis sehr gut, lautet ein Ergebnis des aktuellen Gesundheitsreports des Finanzdienstleisters MLP. Kritische Stimmen gibt es hingegen an den jüngsten Reformen und der Telemedizin.

Ein gespaltenes Bild zeigt sich laut Report demnach bei der Bewertung der deutschen Gesundheitspolitik. Demnach stellen zwei Drittel der Ärzte der Gesundheitspolitik der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Nur 25 Prozent der Ärzteschaft sind derzeit mit allen politischen Entscheidungen einverstanden.

Allerdings ist der Anteil der kritischen Stimmen in den vergangenen Jahren geringer geworden: So urteilten 2008 noch 85 Prozent der Befragten negativ, während nur acht Prozent auf Zustimmungskurs zur Bundesregierung waren. Angesichts der Flüchtlingsthematik oder Fragen zur inneren Sicherheit gehen nur elf Prozent der befragten Ärzte davon aus, dass gesundheitspolitische Themen in den Wahlprogrammen der Parteien eine Rolle spielen.

Anders hingegen sieht das Bild bei der deutschen Bevölkerung aus. Demnach äußern sich heute 40 Prozent der Befragten positiv zur Gesundheitspolitik, lediglich 29 Prozent stehen ihr kritisch gegenüber. Zum Vergleich: vor acht Jahren hatten lediglich 18 Prozent einen positiven Eindruck, 52 Prozent urteilten negativ.

Im Hinblick auf die künftige Entwicklung des deutschen Gesundheitssystems herrscht unter den Befragten eher Pessimismus: Demnach sehen nur 29 Prozent der Ärzte, dass sich das derzeitige Niveau halten lässt. Nur zehn Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Gleichzeitig befürchten 39 Prozent der Bundesbürger, dass die Qualität der Gesundheitsversorgung in den nächsten zehn Jahren abnehmen wird. 35 Prozent gehen von einem unveränderten Niveau aus.

81 Prozent der Bundesbürger gehen davon aus, dass die Beträge zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen werden, während 72 Prozent davon ausgehen, dass sie in Zukunft wesentlich mehr Kosten für Arztbesuche, Operationen und Medikamente selbst tragen müssen. 58 Prozent glauben zudem, dass die Krankenkassen in zehn Jahren nur noch die Kosten für eine medizinische Grundversorgung übernehmen.

Mit Blick auf die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum rechnen 91 Prozent der Ärzte mit zunehmenden Schwierigkeiten der ärztlichen Versorgung. 31 Prozent sehen zudem die Situation vor Ort durchaus kritisch (2010: 22 Prozent). Weitere 29 Prozent rechnen zudem mit einem Ärztemangel in den kommenden Jahren. Besonders kritisch sehen die Befragten laut Report die Situation in den bevölkerungs- und strukturschwächeren Gebieten. Während 20 Prozent der Bundesbürger in Westdeutschland einen Ärztemangel sehen, sind es in Ostdeutschland rund 40 Prozent. In Thüringen sind es sogar 51 Prozent der Ansicht, dass es nicht genügend Ärzte gebe.

Eine Lösung gegen einen Ärztemangel vor Ort könnten demnach telemedizinische Angebote sein. Dabei sehen 61 Prozent der befragten Ärzte, dass sowohl Diagnose als auch Therapie künftig auch über die Telemedizin möglich sein soll. Nur 33 Prozent sehen dies kritisch. Bei den Krankenhausärzten sprechen sich gar 73 Prozent dafür aus. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sind in dieser Frage gespalten: Während sich 47 Prozent dagegen aussprechen, sind laut Report weitere 47 Prozent dafür.

Vorsichtiger äußern sich die Patienten selbst: Während sich 22 Prozent eine Videosprechstunde durchaus vorstellen können, kommt dies laut MLP-Report für 70 Prozent nicht in Betracht. Dennoch konstatiert die Umfrage hier durchaus altersgruppenspezifische Unterschiede: Während 41 Prozent der unter 30-Jährigen durchaus offen für telemedizinische Angebote sind, schließen 88 Prozent der über 60-Jährigen eine solche Möglichkeit aus. Ein weiteres Ergebnis: gerade in Gebieten mit guter ärztlicher Versorgung ist die Bevölkerung für die Telemedizin am wenigsten zu erreichen.

Ähnlich sieht es übrigens auch bei der Nutzung von Gesundheits-Apps aus: Können sich 63 Prozent der unter 30-Jährigen eine Weitergabe von Gesundheitsdaten unter bestimmen Bedingungen vorstellen, kommt dies nur für 26 Prozent der über 60-Jährigen in Frage. (vwh/td)

Bildquelle: DAK

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