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“Gesetzliche Rentenversicherung ist kein Auslaufmodell”

25.02.2016 – volker_deville_allianz“Unsere gesetzliche Rentenversicherung ist gewiss kein Auslaufmodell”, sagt Volker Deville, Leiter des Allianz Demografie-Forums in Berlin. Durch den demografischen Wandel werde es in 20 Jahren “etwa doppelt so viele Rentner pro Arbeitnehmer geben wie vor 20 Jahren”, betont der Experte im Exklusiv-Interview mit VWheute. Die betriebliche und die private Altersvorsorge sind daher gefordert, diese Lücke zu kompensieren.

VWheute: Über die negativen Folgen des demografischen Wandels für unsere Sozialsysteme ist viel berichtet worden. Welche Chancen können sich aber auch aus der Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ergeben?

Der demografische Wandel hat in der Tat auch seine gute Seiten. Am wichtigsten ist natürlich unsere längere Lebenserwartung: Schon heute leben wir länger als je zuvor in weitgehender Gesundheit. Wir können unser Alter aktiv gestalten und genießen. Oder auch noch etwas arbeiten, wenn wir das wollen! Wenn die Bevölkerung nicht wächst, schont das langfristig auch unsere Ressourcen – zum Beispiel hinsichtlich Wohnraum und Energie.

VWheute: Ist angesichts der alternden Bevölkerung das staatliche Rentensystem ein Auslaufmodell? Welche politischen Signale muss es aus Ihrer Sicht für die private Altersvorsorge geben? Wie kann diese weiter ausgebaut werden?

Unsere gesetzliche Rentenversicherung ist gewiss kein Auslaufmodell. Sie hat sich in mancher Krise bewährt und wird auch in Zukunft eine wichtige Säule der Altersversorgung bleiben. Aber: In 20 Jahren wird es etwa doppelt so viele Rentner pro Arbeitnehmer geben wie vor 20 Jahren. Dadurch ist klar, dass das nötige Einkommen im Alter nur zum Teil aus der gesetzlichen Rente stammen kann. Hier sind die betriebliche und die private Altersvorsorge gefordert, diese Lücke zu kompensieren. Das erfordert zusätzliche Ersparnisse der Menschen im Erwerbsalter – auch wenn die Zentralbanken heute durch ihre langjährige Niedrigzinspolitik volkswirtschaftliche Sparvorgänge eher entmutigen. Sicher helfen steuerliche Anreize, genug für das Alter zurücklegen zu können. Besonderes Potential sehe ich noch beim Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge, die nicht nur Arbeitnehmern hilft, sondern auch für Arbeitgeber ein attraktives Instrument zur Mitarbeiterbindung darstellt.

VWheute: Wie wird der demografische Wandel auch das Geschäft der Versicherer verändern?

Zum Kerngeschäft der Versicherung gehört die Absicherung von ungewissen Risiken, auch die Absicherung des Kapitalbedarfs im Alter zum Beispiel durch private Rentenversicherungen. Dies wird unser Kern bleiben, aber er wird um wichtige Bausteine ergänzt werden können. Es gibt Kunden, die uns fragen, ob wir nicht Dienstleistungen empfehlen können, die das Leben im Alter einfacher machen. Eigentlich ist dieser Gedanke naheliegend, schließlich unterstützen wir auch bei der Suche nach einem Alten- oder Pflegeheimplatz und vermitteln Haushaltshilfen im Rahmen einer Unfallversicherung Haushaltshilfen.

VWheute: Die Allianz beschäftigt sich intensiv mit dem Thema “Demografischer Wandel”, was sich nicht zuletzt auch an der Ausrichtung des Berliner Demografie-Forums zeigt. Welche Schlussfolgerung haben Sie aus Ihrer Demografie-Forschung gezogen? Wie stellt sich die Allianz hier strategisch auf?

Wir sehen in der Welt drei ganz große, langfristig wirkende Mega-Trends, die unseren Planeten grundlegend verändern. Dies sind der Klimawandel, die neuen Technologiefelder Digitalisierung, Bio- und Nanotechnologie und eben der demografische Wandel. Die Allianz hat schon seit Jahren Produkte im Bereich von Leben, Kranken, Pflege und Asset Management für unsere alternde Bevölkerung eingeführt, und auch unsere Sterbetafeln werden regelmäßig an die sich ändernden Lebenserwartungen angepasst. Unterschätzt wird mitunter der Personalbereich: Dort suchen wir nicht nur nach jungen Talenten, sondern wollen auch Ältere für die digitale Welt qualifizieren. Und wir prüfen sogar Fälle, wie wir mit Kollegen beim Erreichen des Renteneintritts noch etwas weiter zusammenarbeiten können. Solche Themen prägen auch die internationale Diskussion auf dem Berliner Demografie-Forum zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Volker Deville ist Leiter des Allianz Demografie-Forums. (Quelle: Allianz)

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