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“Geschäftsmodelle grundlegend überdenken”

20.11.2015 – nils_reich_axa“Versicherer müssen sich viel intensiver und auch mit höherer Geschwindigkeit um Innovationen bemühen”, sagt Nils Reich, Leiter Strategie bei Axa. Dazu gehöre auch, bestehende “Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken”. So prognostiziert der Experte im Exklusivinterview mit VWheute, “in den kommenden Jahren eine Differenzierung im Markt (…), wie sie bislang in der Branche nicht bekannt ist”.

VWheute: Wie ist Innovation in einem Konzern überhaupt möglich?

Nils Reich: Natürlich ist Innovation in einem Konzern nicht nur möglich, sondern auch zwingend notwendig. Erfolgreiche Unternehmen wie Axa zeichnen sich gerade durch ihre Innovationsstärke und -offenheit aus. Allerdings nimmt die Veränderungsdynamik, insbesondere auf Grund sich schnell entwickelnder digitaler Möglichkeiten, signifikant zu – und diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken.

Deshalb müssen sich Versicherer viel intensiver und auch mit höherer Geschwindigkeit um Innovationen bemühen und auch ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir in den kommenden Jahren eine Differenzierung im Markt sehen werden, wie sie bislang in der Branche nicht bekannt ist.

Axa hat mit dem Axa Innovation Campus beispielsweise ein Vehikel kreiert, um gemeinsam mit Start-ups neue Lösungen und Partnerschaften zu entwickeln. Ziel ist es, die Kreativität, Schnelligkeit und das technologische Know-how der jungen Gründer mit dem Marktzugang, der spezifischen Expertise, den Skalierungserfahrungen sowie den Funding-Möglichkeiten von Axa zu kombinieren. So wollen wir Geschäfte aufbauen, die weder allein aus der Start-up-Garage noch allein aus dem Konzernhochhaus heraus möglich wären.

Aber sich allein auf Start-ups zu verlassen genügt natürlich nicht. Nachhaltige Innovation entsteht nur, wenn unterschiedliche Ansätze kombiniert und parallel verprobt werden – zum Beispiel über Partnerschaften mit anderen Konzernen oder über konzerninterne Freiräume zum Ausprobieren neuer Lösungen.

Für all diese Ansätze muss gelten: Scheitern ist explizit erlaubt – sofern man daraus lernt und beim nächsten Versuch besser ist. Allein diesen Grundsatz könnte man schon als Innovation in der Assekuranz verstehen.

VWheute: Wie viele konkrete Projekte implementieren Sie so von der Mikro- auf die Makroebene?

Nils Reich: Die Nachfrage von Start-ups, die aktuell mit Axa kooperieren wollen, ist immens und spricht für den sehr aktiven Gründergeist in Deutschland. Konkret besteht unsere “Start-up-Pipeline” bislang aus über 150 Gründern. Bei der Auswahl der weiterzuverfolgenden Ideen gehen wir bewusst selektiv vor – nur dann, wenn uns sowohl das angestrebte Geschäftsmodell, als auch des Gründerteam wirklich überzeugen, gehen wir eine Partnerschaft ein. Aktuell tätigen wir in Deutschland eine Handvoll Investments und sind darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Partnerschaften eingegangen – Book-a-Tiger, helpling, evopark können hier als bekannte Beispiele genannt werden.

VWheute: Welchen Vorteil haben unternehmensinterne Start-Ups gegenüber externen, die ggf. aufgekauft werden können?

Nils Reich: Unternehmensinterne Start-ups haben natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile gegenüber rein externen Gründungen. Einfach gesagt: Je enger das neue Start-up am Konzern ist, desto schneller finden sich Synergien zu den bestehenden Stärken und der Kraft des etablierten Geschäftsmodells. Gleichzeitig erhöht sich jedoch auch das Risiko, dass disruptive Innovationen nur schwer Fuß fassen können oder schlicht versanden.

Wieder einmal gilt: Um Innovation zu forcieren, müssen hier die unterschiedlichen Ansätze schlicht und einfach ausprobiert werden. Im Idealfall entstehen aus der Kombination aller Ansätze ganz neue Modelle mit noch größerem Geschäftspotenzial.

VWheute: Ihre Prognose für die kommenden Jahre: Werden Sie die Axa so komplett umkrempeln, so dass kein Stein auf dem anderen bleibt?

Nils Reich: Axa wird auch in den nächsten Jahren als starker Versicherer bestehen und das bestehende Kerngeschäft weiter ausbauen. Denn andernfalls hätten wir uns im “Hype” verloren und unsere bestehenden Stärken außer Acht gelassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherungsbranche in den nächsten Jahren so in ihren Grundfesten erschüttert wird, wie zum Beispiel der Einzelhandel und die Reisebranche, halte ich für gering.

Nichtsdestotrotz wird sich unser Geschäftsmodell von der Kundeninteraktion über Services und Produkte bis hin zu Operations sicher stark weiterentwickeln. Aus “Versicherungsnehmern” werden “Kunden”.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Nils Reich, Leiter Strategie bei Axa. (Quelle: Axa)

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