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“Gesamtbelastung durch Feuerschäden ist erheblich”

21.12.2015 – drewsWeihnachtszeit ist Kerzenzeit – und gleichzeitig auch Brandzeit. Allein 2014 verzeichneten die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer über 40 Prozent mehr Schäden als in den vergleichbaren Frühjahrs- und Herbsmonaten. “Die Gesamtbelastung der Versicherer durch Feuerschäden ist erheblich”, konstatiert Hans-Hermann Drews vom Ifs gegenüber VWheute. Die EU-Kommission will nun die Sicherheitsanforderungen für Kerzen erhöhen.

VWheute: Die EU will Weihnachtskerzen noch stärker “regulieren”, sprich die Sicherheitsvorschriften für Kerzen verschärfen. Wie bewerten Sie diese Pläne? Sind diese aus Ihrer Sicht sinnvoll und ausreichend?

Hans-Hermann Drews: Die Pläne der EU sind uns nicht in allen Details bekannt. Möchte man die Frage nach der Sinnhaftigkeit abschließend beantworten, sollte dies natürlich mit Kenntnis der technischen Details geschehen. Allerdings lassen sich aus Sicht der Brandursachenermittlung grundsätzliche Erkenntnisse ableiten, die bei einer Bewertung stets mit bedacht werden sollten. Die Brandschäden lassen sich im Allgemeinen, und auch im Falle der durch Kerzen verursachten Brandschäden, in zwei Kategorien aufteilen.

  1. Brandschäden, die durch Produktmerkmale verhindert oder zumindest positiv beeinflusst werden können. Selbstverlöschende Kerzen hätten hier zumindest das Potential einen – aus unserer Sicht kleinen aber unbestimmten – Anteil der Brände durch Kerzen zu verhindern.
  2. Die zweite Kategorie von Brandschäden, die im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Kerzen zu nennen ist, kann von keinem noch so sicheren Produkt verhindert werden: Diese nennen wir Ursachenforscher “menschliches Fehlverhalten”. Kürzlich haben wir einen Flachbildfernseher auf die Brandursächlichkeit hin untersucht. Das Ergebnis: Teelichte, die unter den Bildschirm aufgestellt waren und brannten, haben den Fernseher in Brand gesetzt. In einem anderen Fall kam eine Familie zum Glück mit dem Schreck davon: Ein Weihnachtsbaum ging in Flammen auf setzte dann das Wohnzimmer in Brand. Der Grund war ein zu geringer Abstand der Kerzen am Baum zum nächsten Zweig. Diese Kategorie von Bränden kann durch kein noch so gutes Produkt verhindert werden. Hier sind wir Menschen gefragt mit den Kerzen angemessen umzugehen!

Daher sollte der Ansatz zur Verhütung von Bränden stets beide Komponenten beinhalten: Da, wo es sinnvoll ist, Produkte sicherer machen und für die Brandgefahr im Haushalt sensibilisieren sowie über den richtigen Umgang mit Kerzen immer wieder aufklären.

VWheute: Zur Weihnachtszeit nimmt die Anzahl der Brände im Vergleich zu den anderen Jahreszeiten um rund 40 Prozent zu. Doch verfolgt man Schadenmeldungen über das Jahr hinweg, ereignen sich täglich Wohnhäuser-Brände. Was ist der häufigste Auslöser für die Häuser- und Wohnungsbrände? Wie stark belasten Brandschäden die Wohngebäudeversicherer?

Hans-Hermann Drews: Über die Brandursachen führen wir seit nunmehr 14 Jahren genau Buch. Aus den Fällen, die wir untersuchen, leiten wir unter anderem eine Brandursachenstatistik ab. So stellen wir fest, dass die Hauptbrandursache die Elektrizität ist. Dazu gehören sowohl elektrische Geräte, als auch Anlagen und Installationen. Wir wissen auch in welchem Teil des Wohnbereichs die meisten Brände ausbrechen: in der Küche!

Auch hier haben wir es mit den oben schon erwähnten zwei grundsätzlich zu unterscheidenden Ursachenkategorien zu tun: auf der einen Seite verursachen fehlerhafte technische Produkte einen Brand, auf der anderen Seite stellt der Mensch durch seine Unachtsamkeit ein Feuerrisiko dar. Wir vergessen schnell mal die eingeschaltete Herdplatte – und schon ist es passiert. Auch für die Küche gilt: nachhaltig eindämmen lässt sich die Brandgefahr nur durch eine Verbesserung der Produktsicherheit in Kombination mit einer angemessenen Brandschutzaufklärung.

Die Gesamtbelastung der Versicherer durch Feuerschäden ist erheblich. So waren es in den Jahren 2009 bis 2011 im Mittel allein in der privaten VGV und VHV zusammen jährlich etwa 1,2 Mrd. Euro, die die Versicherer als Leistungen nach einem Brandschaden aufzuwenden hatten. In der VHV machen Feuerschäden etwa 33 Prozent in der VGV etwa 20 Prozent der Leistungen aus. Soweit zumindest die Zahlen des GdV.

VWheute: Das Brandrisiko bei Kerzen ist hoch, doch viele Menschen verdrängen die Gefahr. Sie kennen sich berufsbedingt mit dem Risiko sehr gut aus. Zünden Sie sich noch echte Kerzen an? Was raten Sie Menschen, die nicht auf echte Kerzen am Weihnachtsbaum verzichten wollen, um das Risiko möglichst gering zu halten?

Hans-Hermann Drews: Ja, ich zünde zuhause noch echte Kerzen an, auch am Weihnachtsbaum. Darauf möchte ich nicht verzichten! Allerdings nutzen wir die Kerzen mit der angebrachten Vorsicht und auch dem nötigen Respekt. Unsere Kinder haben wir von klein auf in den sichereren Umgang mit Kerzen eingebunden. Den wichtigsten Rat, den ich geben kann, ist Kerzen nur unter Aufsicht brennen zu lassen.

Nur so kann man im Falle eines Brandes noch rechtzeitig eingreifen und löschen, falls doch einmal mehr brennt als nur die Kerze. Außerdem sollte man Kerzen mit Bedacht aufstellen, und zwar so, dass sie nicht umfallen und nicht durch Ihre Flamme wiederum andere Materialien entzünden. Würden wir doch diese einfachen Regeln regelmäßig beherzigen, würden deutlich weniger Brände durch Kerzen entstehen! Auch die Rauchmelder erwähne ich gerne in diesem Zusammenhang als lebensrettendes Frühwarnsystem.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (Ifs) (Quelle: Ifs)

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