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Fusionsfieber: Auf Augenhöhe ins Ungewisse

11.08.2016 – Fusion Puzzle by_RainerSturm_pixelio.deEine “unglaubliche Konsolidierungswelle in der Versicherungsbranche” prophezeiten J.P. Morgan und andere Investmenthäuser für das Jahr 2016. Gegen die Fusion zwischen den US-Riesen Anthem und Cigna stemmt sich noch die Justiz. Auswirkungen aus dem anglo-amerikanischen Bereich sind bis nach Europa zu spüren. Die zunehmende Regulierung, Risikodiversifizierung über Sparten und Regionen, Kostenreduzierung durch Zusammenlegung von Portfolios sowie Erhöhung des Gruppenselbstbehalts führen vermehrt zu Zusammenschlüssen unter gleichstarken Partnern.

Der weltweite Markt für Fusionen und Übernahmen wird die Marke von fünf Bio. Dollar knacken, stellte Dirk Albersmeier, Head of Mergers & Acquisitions bei J.P. Morgan, vergangenes Jahr fest. Gerade die Versicherungsindustrie sei dafür prädestiniert. Die weltweite Ausrichtung der Versicherer begünstigten grenzüberschreitende Unternehmenszusammenschlüsse. Das scheint sich zu bewahrheiten. Der Investitionshunger der Chinesen, angetrieben durch Anbang, Fosun oder China Life, führte zur zahlreichen Übernahmen in diesem Jahr.

Zusammenschlüsse unter Gleichwertigen, wie spekulativ sie auch bei Axa und Generali sein mögen, sind nicht selten. Die Fusion zwischen Ace und Chubb falle in diese Kategorie, des weiteren aber auch die zwischen XL und der Lloyd’s-Gruppe Catlin sowie die Übernahme von HCC – einst Houston Casualty – durch Tokio Marine & Nichido Fire. Doch nicht nur in Asien und auf dem US-Markt schreitet die Branchenkonsolidierung voran. Niedriges Zinsumfeld, überschüssiges Kapital und die Einführung von Solvency II sind die Triebkräfte von M&A-Deals auf dem deutschen Versicherungsmarkt.

Auf dem deutschen Versicherungsmarkt lassen sich drei Formen von strategischen Unternehmensmovements identifizieren: Sie bewegen sich auf den Ebenen des Erwerbs von Unternehmensanteilen nationaler oder internationaler Versicherer, der Übernahme deutscher Firmen durch ausländische Marktteilnehmer und der Verschmelzung zweier Sparten innerhalb eines Versicherungskonzerns.

Die erste M&A-Form erfolgt am Standort D mit einer hohen Schlagzahl. Die Axa sicherte sich 2014 die Bestände der DBV Leben, und Darag sammelte kleinere Run-Off-Portfolios der Hanseatica sowie der Württembergischen und HDI-Gerling. Indes scheuen deutsche Versicherer auch nicht vor grenzüberschreitenden Aktivitäten zurück. Ergo hat vergangene Woche seine geplante Übernahme von ATE Insurance für 90 Mio. Euro abgeschlossen und steigt damit zum größten Schaden- und Unfall-Versicherer in Griechenland auf.

Das Geld für solche Transaktionen ist reichlich vorhanden – vor allem bei Rückversicherern. Aus Furcht vor unerwarteten Synergiekosten wird überschüssiges Kapital allerdings bevorzugt an die Anteilseigner durch Aktienrückkäufe zurückgegeben oder in Form einer Sonderdividende ausgeschüttet. Andere Marktteilnehmer wagen trotzdem diesen Schritt, zumal niedrige Zinsen und eine gute Konjunktur ein ideales Umfeld für M&As liefern.

Auffällig bei der zweiten M&A-Form, der deutschen Desinvestitionen, ist die zunehmende Mitwirkung von Private-Equity-Gesellschaften. Hervorzuheben sind die Eigentümerwechsel beim Spezialversicherer Darag (Augur Financial Opportunity SICAV reichte seine 2009 gekauften Anteile vor einem Jahr an die Fondsgesellschaft Keyhaven Capitals Partners weiter) oder der Kauf der Heidelberger Leben durch Hannover Rück und den britischen Investor Cinven.

Unter den internen Zusammenschlüssen von Versicherungssparten stechen besonders Lebensversicherer sowie Pensionskassen ins Auge. Unter anderem führte 2014 der Gothaer-Konzern seine beiden Lebensversicherer Asstel und Gothaer zusammen, ebenso ließ die Concordia Gruppe ihre beiden Töchter Concordia Leben und Oeco Capital fusionieren. Die Optima Pensionskasse ist auf die R+V Pensionskasse AG verschmolzen worden und D.A.S. auf die Ergo Versicherung AG. (dg)

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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