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“Freiwilliges Opting-Out ist zielführend für bAV”

29.09.2016 – Andreas Wimmer - allianzDie Details sind nicht bekannt, dennoch scheint die bAV-Reform prinzipiell in trockenen Tüchern zu sein. Andreas Wimmer, Vorstand der Allianz Leben, plädiert für ein Fördermodell für Geringverdiener. “Das könnte man leicht über den Arbeitgeber und das Lohnsteuerverfahren abwickeln”, sagt er gegenüber VWheute. Das Sozialpartnerschaftsmodell passe seiner Meinung nach nicht zur Zielsetzung KMU für die bAV zu gewinnen.

VWheute: Was muss bei einer Reform der bAV besser werden?

Andreas Wimmer: Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, die betriebliche Altersversorgung zu stärken. Insbesondere soll ihre Verbreitung bei kleineren und mittleren Unternehmen und ihre Nutzung durch Arbeitnehmer auch mit geringerem Einkommen gefördert werden. Um dies zu erreichen, sollte die Komplexität aus Arbeitgebersicht möglichst gering gehalten und zielgerichtete Anreize für Arbeitnehmer gesetzt werden. Dazu enthält insbesondere das vom BMF in Auftrag gegebene Gutachten von Dirk Kiesewetter gute Ideen und Anregungen wie zum Beispiel ein Fördermodell für Geringverdiener in der betrieblichen Altersversorgung. Auch das Thema der Anrechnung von Betriebsrenten auf die Grundsicherung muss unbedingt gelöst werden. Ein weiteres Handlungsfeld liegt darin, auch Personen mit gebrochenen Erwerbsbiografien besser in die betriebliche Altersversorgung einzubinden.

VWheute: Was halten Sie von dem Sozialpartnerschaftsmodell?

Andreas Wimmer: Der ausschließliche Fokus auf tarifvertragliche Regelungen, wie sie das Sozialpartnerschaftsmodell vorsieht, passt nicht zur Zielsetzung, kleine und mittlere Unternehmen für die betriebliche Altersversorgung zu gewinnen. Diese sind ja vielfach bewusst nicht tarifgebunden, sodass diese Ansätze für sie und ihre Arbeitnehmer keine Lösung wären. Zugleich würden durch die Vorschläge bestehende Standards in der betrieblichen Altersversorgung aufgegeben und die Komplexität eher erhöht werden. Entsprechend zurückhaltend sind auch viele Reaktionen der Verbände, sei es von Gewerkschaften oder auch Arbeitgeberverbänden.

VWheute: Würden Sie es bedauern, wenn das Opting-out-Modell vom Tisch wäre?

Andreas Wimmer: Ich glaube, hier sollte man differenzieren, was man unter Opting-out versteht. Wenn man darunter Angebotsverpflichtungen für Arbeitgeber versteht, hätte ich Zweifel, dass diese tatsächlich helfen. Umgekehrt halte ich Modelle auf freiwilliger Basis, die ganze Belegschaften auf Basis von Betriebsvereinbarungen einbeziehen, für durchaus zielführend.

VWheute: Wie könnten Anreize geschaffen werden, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr Betriebsrenten abschließen?

Andreas Wimmer: Einige Stichworte dazu habe ich bereits genannt, wie ein Fördermodell, das sich vor allem an Arbeitnehmern mit geringem Einkommen ausrichtet. Das könnte man leicht über den Arbeitgeber und das Lohnsteuerverfahren abwickeln. Ein weiteres Feld wäre der Abbau psychologischer Hürden für Arbeitnehmer.

Die Fragen stellte die VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Andreas Wimmer, Vorstand im Firmenkundengeschäft bei der Allianz Leben. (Quelle: Allianz)

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